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27.08.24 14:27
Inflation sinkt, Löhne steigen: Ein Dilemma für die EZB

London (www.anleihencheck.de) - Am Donnerstag werden die neuen Verbraucherpreisdaten für Deutschland veröffentlicht, so die Experten von eToro.

Für August werde ein Rückgang der Inflation von 2,3 Prozent auf 2,1 Prozent erwartet, womit das 2-Prozent-Ziel der EZB fast erreicht wäre. Auf Monatssicht werde keine Veränderung erwartet.

Doch die Inflation allein gebe kein vollständiges Bild ab. Sie müsse im Kontext anderer wirtschaftlicher Faktoren, wie etwa der Lohnentwicklung, betrachtet werden. Dies verdeutliche das Dilemma, vor dem die EZB stehe: Werde die Geldpolitik nicht angemessen angepasst, würden erhebliche Risiken durch zu schnelle oder zu starke Zinssenkungen drohen.

Die EZB könne nicht einfach die Zinsen auf Vorkrisenniveau senken und damit alle Probleme lösen. Das Tempo der Zinssenkungen sei entscheidend. Einerseits zur langfristigen Eindämmung der Inflation, andererseits zur Unterstützung der Wirtschaft. Eine zu rasche Senkung der Kreditkosten könnte die Wirtschaft so stark ankurbeln, dass die Inflation erneut anziehe - ein Szenario, das die EZB um jeden Preis vermeiden wolle.

Ein zentraler Faktor für die wirtschaftliche Erholung seien neben den Zinsen die Löhne. Im ersten Quartal seien die Reallöhne um 3,8 Prozent im Vergleich zum Vorjahr gestiegen. Am Donnerstag werde auch der Reallohnindex für das zweite Quartal erwartet. Steigende Löhne bei sinkender Inflation würden mehr Kaufkraft bedeuten und könnten den Konsum ankurbeln - ein zweischneidiges Schwert.

Positiv sei, dass die deutsche Wirtschaft noch sehr weit von einer Überhitzung entfernt sei. Dennoch sei zu erwarten, dass die EZB ihre Zinsen wohl vorsichtig und schrittweise anpassen werde, um die tatsächliche wirtschaftliche Entwicklung der gesamten Eurozone abzuwarten. Eine Rückkehr zur Nullzinspolitik scheine in diesem Kontext sehr unwahrscheinlich.

Für DAX-Konzerne bedeute eine sinkende Inflation höhere Margen und somit höhere Gewinne. Steigende Reallöhne könnten die Nachfrage nach Produkten und Dienstleistungen im Inland ankurbeln und neue Kunden bringen. Der wahre Katalysator für eine wirtschaftliche Erholung werde jedoch durch die anstehenden Zinssenkungen in den kommenden Monaten geliefert. Stark konsumabhängige Branchen wie Einzelhandel, Automobilindustrie, Freizeit- und Unterhaltungssektor sowie Luxusgüter könnten am meisten profitieren. (27.08.2024/alc/a/a)


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