Hannover (www.anleihencheck.de) - Erwartungsgemäß hat die Bank of Japan heute keine Anpassungen an ihrer Zinspolitik verkündet, so die Analysten der Nord LB.
Die Leitzinsen würden folglich auf unverändertem Niveau verharren - also in der Bandbreite von 0,00% bis 0,10%. Die aktuellen Inflationsdaten aus dem Land der aufgehenden Sonne hätten zwar wohl auch die letzten Deflationssorgen bei den Notenbankern in Tokio vertrieben, am aktuellen Rand habe man aber noch keine Veränderungen am Zinsniveau vornehmen wollen. In der Tat seien die Produzentenpreise in Japan im Mai unerwartet stark gestiegen. In konkreten Zahlen ausgedrückt sei es zu einem Zuwachs um 0,7% M/M gekommen. Diese Entwicklung sei auch eine Konsequenz der ausgeprägten Schwäche des Yen. Vor allem im japanischen Finanzministerium sei schon seit geraumer Zeit die Sorge beobachtbar, dass höhere Inflationsraten das Konsumverhalten negativ beeinflussen könnten.
Anlässlich der Pressekonferenz nach der Notenbanksitzung habe der Zentralbankchef Kazuo Ueda zu Protokoll gegeben, dass man die Leitzinsen weiter anheben werde, sobald sich verlässliche Signale für eine Verstetigung des aktuellen Preistrends gezeigt hätten. Er habe in diesem Zusammenhang die Bedeutung der Schwäche der japanischen Währung für die weitere Inflationsentwicklung betont. Nach Uedas Auffassung könne eine Zinsanhebung sogar bereits im Juli möglich sein; man werde genau auf die Daten achten müssen. Die Analysten hätten mit diesem Signal gerechnet. Der Devisenmarkt habe dennoch in gewissem Umfang auf die eher "hawkishe" Wortmeldung des Notenbankchefs reagiert. Mit Blick auf das anstehende "Quantitative Tightening" durch die Bank of Japan habe Ueda betont, dass man mit Vorsicht agieren wolle. Dennoch habe er zu Protokoll gegeben, die Notenbank werde das Volumen ihrer Wertpapierkäufe in erheblichem Umfang herunterfahren.
Grundsätzlich scheine die Bank of Japan also auch weiterhin auf Zeit zu spielen. Diese Strategie sei bekannt. Die Kommentare des Notenbankchefs seien zwar recht "hawkish" gewesen, am aktuellen Rand würden die Geldpolitiker in Tokio aber noch vor konkreten Handlungen zurückschrecken. Die Schwäche des Yen werde jedoch bald mehr Aktivität erforderlich machen. Schon im Juli dürften die Leitzinsen angehoben werden müssen. Bei den anstehenden Anpassungen an der japanischen Geldpolitik werde die Bank of Japan aber dennoch vorsichtig bleiben. Zudem scheine man auf die geldpolitischen Maßnahmen anderer wichtiger Notenbanken zu hoffen. So habe die EZB das Leitzinsniveau jüngst bereits gesenkt. Auch das FOMC sollte im 2. Halbjahr 2024 noch eine Verringerung der FED Funds Target Rate verkünden. Dies dürfte dem Yen helfen und den Handlungsdruck auf die Bank of Japan somit verringern.
Die Schwäche des Yen sei zwar ein Problem für die Bank of Japan, die Notenbank spiele aber vorerst noch auf Zeit. Die relativ "hawkishen" Kommentare Kazuo Uedas seien keine große Überraschung, könnten konkrete Handlungen der Zentralbank inzwischen aber nicht mehr angemessen substituieren. Folglich sei in Japan perspektivisch schon mit etwas höheren Leitzinsen zu rechnen! Allerdings scheine die Notenbank auch auf die Aktivitäten der EZB und der FED zu hoffen. Vor allem eine Leitzinssenkung in den USA könnte den Yen im 2. Halbjahr 2024 stützen und so den Handlungsdruck bei der Bank of Japan verringern. (14.06.2024/alc/a/a)
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