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04.06.24 12:05
EZB-Zinssenkung im Juni erwartet - und im Juli nicht ausgeschlossen

Boston (www.anleihencheck.de) - Es wird allgemein erwartet, dass die EZB auf ihrer Sitzung in dieser Woche die Zinsen um 25 Basispunkte senken wird, so die Experten von MFS Investment Management.

Die Zinssenkung sei im April angekündigt worden, obwohl die EZB immer wieder betont habe, dass die endgültige Entscheidung datenabhängig sei. Annalisa Piazza, Analystin für festverzinsliche Wertpapiere, MFS Investment Management, gibt ihre Einschätzung im Voraus der EZB-Sitzung am Donnerstag, 6. Juni:

Eine Zinssenkung im Juni sei vollständig in die Kurse eingepreist. Das Bild für das zweite Halbjahr sei dafür weniger eindeutig. Piazza gehe nicht mit Sicherheit davon aus, dass die EZB eine weitere Zinssenkung um 50 Basispunkte vornehmen werde. Sie schließe gleichzeitig aus, dass die EZB auf der Sitzung in dieser Woche klare Aussagen dazu treffen werde. Die Auswertung der Wirtschaftsdaten werde Aufschluss darüber geben, ob die Entwicklung hinreichenden Anlass für eine geldpolitische Kursänderung der EZB gebe oder nicht.

Ungeachtet der jüngsten Inflationsentwicklung dürfte die EZB aktuell davon ausgehen, dass die Inflation Mitte 2025 wieder auf 2% sinke. Was das Wachstum anbelange, erwarte Piazza keine Korrektur nach oben. Eine Wirtschaftserholung wie im ersten Quartal sei unwahrscheinlich, da der jüngste Anstieg der Energiepreise das real verfügbare Einkommen in naher Zukunft leicht belasten und eine nachhaltige Erholung der Investitionen behindern könnte. Piazza vermute, dass das Wirtschaftswachstum 2024 schleppend bleibe, und rechne erst 2025 mit einem Anstieg.

Sollte sich das kurzfristige Inflationsprofil (trotz höherer Tariflöhne) nicht wesentlich ändern, so dürfte die EZB im Vertrauen auf den Desinflationsprozess für das zweite Halbjahr weitere Zinssenkungen anpeilen. Wenn die Inflation bis 2025 auf etwa 2% sinke, werde es schwer sein, die Leitzinsen in einem derart restriktiven Bereich zu rechtfertigen. Wenn überhaupt, werde die EZB in ihrer Kommunikation vorsichtig sein müssen, um überbordende Spekulationen über eine zu frühe Anhebung der Leitzinsen zu vermeiden. Zum gegenwärtigen Zeitpunkt sei das Risiko sehr gering, da die Märkte mit Zinsen von mehr als 2,5% in drei Jahren rechnen würden.

EZB-Chefin Lagarde dürfte erneut betonen, dass die EZB unabhängig von der FED bleibe und ihre Entscheidungen nach wie vor allein auf Basis der Datenlage treffe. Eine Zinssenkung im Juli sei zwar nicht völlig ausgeschlossen - Piazza schließe jedoch aus, dass die EZB sich darauf jetzt schon festlegen werde. (04.06.2024/alc/a/a)


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