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03.06.24 12:44
Zu früh, um Risikoexposure deutlich zu reduzieren

Zürich (www.anleihencheck.de) - Trotz des anhaltenden Liquiditätsflusses und weiterhin extrem hohen US-Staatsausgaben beginnt sich die wichtigste Stütze der US-Konjunktur, der Güter- und Dienstleistungskonsum, abzuschwächen, so Beat Thoma, CIO bei Fisch Asset Management in Zürich.

Es bestehe damit die Gefahr einer schnellen Abkühlung der Wirtschaft, die ohnehin auf einem unausgewogenen, rein konsumgetriebenen Fundament stehe. Historisch habe sich der Güter- und Dienstleistungskonsum in den USA jeweils erst nach einer deutlichen Abkühlung des Arbeitsmarkts und der Konjunktur abgeschwächt. Und der Arbeitsmarkt seinerseits habe stets mit einer gewissen Verzögerung negativ auf steigende Zinsen, eine restriktive Geldpolitik und fallende Geldmengen reagiert.

Aktuell scheine diese Reihenfolge ungewöhnlicherweise umgekehrt zu sein. Der Konsum lasse nach, während die US-Konjunktur durch hohe Staatsausgaben am Laufen gehalten werde und noch viel Liquidität im System zirkuliere. Der US-Konsument scheine somit auf die verschiedenen monetären und staatlichen Stimuli immer weniger anzusprechen. Insgesamt bestünden deshalb Ungleichgewichte in den USA, die mittelfristig die Finanzmärkte stören könnten.

Die gegenwärtigen Unsicherheiten würden durch die rückläufige Liquiditätsversorgung aus der 'Overnight Reverse Repo Facility' (Überschussreserven der US-Banken und Geldmarktfonds) erhöht. Die FED beobachte die diesbezüglichen Gefahren allerdings genau und habe mit der Ankündigung einer Reduktion des Bilanzabbaus (QT) ab Juni dieses Jahres bereits reagiert. Die Verlangsamung des QT sei überraschend gekommen und solle einer übermäßigen Liquiditätsverknappung entgegenwirken. Im Fall größerer Turbulenzen wäre sogar wieder mit einer Bilanzausweitung und anderen monetären Hilfsmaßnahmen zu rechnen, welche eine Eskalation der Situation begrenzen dürften.

Allerdings erschwere eine nach wie vor hartnäckige Inflationsentwicklung die Arbeit der FED. In den vergangenen Jahren hätten Probleme beim Wirtschaftswachstum und an den Finanzmärkten stets mit der Notenpresse gelöst werden können, ohne negative Nebeneffekte auf die Inflation auszulösen. Das werde im aktuellen reflationären Umfeld immer schwieriger. Eine zu lockere Geldpolitik könne jederzeit wieder zu höheren langfristigen Zinsen und zu einem schwächeren US-Dollar führen.

Dagegen stabilisiere sich die Wirtschaftsentwicklung in Europa, China und einigen anderen Schwellenländer seit kurzem und kompensiere damit zumindest teilweise die Entwicklung in den USA. Es würden auf globaler Ebene also ausgleichende Kräfte wirken. Damit sei es aktuell noch zu früh, das Risikoexposure (Aktien und Kredit) deutlich zu reduzieren. Zudem würden die markt- und bewertungstechnischen Indikatoren der Experten weiterhin zwar Warn-, aber noch keine Verkaufssignale liefern. Die Experten würden deshalb trotz hoher Bewertungen und tiefer Risikoprämien neutral positioniert bleiben.

Bei den langfristigen Staatsanleihenzinsen würden in den USA eine Reihe von Aufwärtskräften wirken: Dazu würden die anhaltend hohe Staatsverschuldung, die hartnäckige Inflation und Staatsanleihenverkäufe verschiedener Notenbanken (inklusive der FED) zählen. Damit sei selbst im Fall einer weiteren konjunkturellen Abschwächung sowie einer baldigen Zinssenkung der FED nicht mit deutlich tieferen langfristigen Zinsen zu rechnen. Die Experten würden sich von der Duration her deshalb neutral positionieren.

In Europa würden am langen Ende ähnliche, aber deutlich weniger starke, zinstreibende Kräfte als in den USA wirken. Da das Zinsniveau hier aber schon deutlich tiefer sei, dürfte eine EZB-Leitzinssenkung keine großen Auswirkungen auf das lange Ende der Zinskurve haben. Auch hier seien die Experten deshalb bei der Duration neutral positioniert. Eine stark steigende US-Staatsverschuldung, eine abkühlende Konjunktur und Zentralbankverkäufe von US-Staatsanleihen seien Belastungsfaktoren für den US-Dollar. Ein möglicherweise tieferer Dollar und die hartnäckige Inflation seien dagegen positiv für den Goldpreis. (03.06.2024/alc/a/a)


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