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16.05.24 09:52
Fraglich, ob Notenbanker überhaupt lockern sollten

Munsbach (www.anleihencheck.de) - Der Disinflationspfad wird durch eine Kombination aus positiven Wachstumsprognosen und US-Superwahljahr gefährdet. Michael Blümke, Senior Portfolio Manager bei ETHENEA, erklärt, wie die Währungshüter dies- und jenseits des Atlantiks ihre Geldpolitik justieren könnten.

Die Weltwirtschaft erhole sich besser als bislang erwartet. "Die Aufwärtskorrektur ist vor allem auf die starke US-Wirtschaft zurückzuführen. Die Vereinigten Staaten gehen weiterhin als Powerhouse voran", beobachte Blümke. Europa habe derweil die Talsohle durchschritten, bleibe aber trotzdem schwach, während in China dank politischer Unterstützung Wachstum auf dem Plan stehe.

"Solide Arbeitsmärkte, ein widerstandsfähiger Dienstleistungssektor und Fortschritte im verarbeitenden Gewerbe wirken sich insgesamt positiv auf die Wirtschaftsaussichten aus - gepaart mit der fiskalischen Unterstützung im Wahlzyklus können diese Entwicklungen allerdings den Disinflationspfad gefährden", habe Michael Blümke gesagt.

Dennoch sei der Senior Portfolio Manager weiterhin der Ansicht, dass die Notenbanker in den fortgeschrittenen Volkswirtschaften ihre Politik noch in diesem Jahr lockern dürften. "Die Aussichten sind aufgrund der verschiedenen Wachstumsdynamiken aber recht unterschiedlich und um einiges moderater als noch vor sechs Monaten. Die Leitzinsen werden deshalb länger als erwartet auf einem erhöhten Niveau bleiben."

"Auch nach der rasanten Expansion im vergangenen Jahr bleibt das Wachstum der US-Wirtschaft auf einem gesunden Niveau", beobachte Blümke. Zwar sei die erste Schätzung für das BIP im ersten Quartal schwächer ausgefallen als erwartet, doch einige Daten wie die privaten Konsumausgaben und die Beschäftigungszahlen deuteten laut dem Finanzexperten auf eine mögliche Beschleunigung in der zweiten Jahreshälfte hin.

"Die Inflationsdaten nähren die Befürchtung, dass sich die Preissteigerungen auf erhöhtem Niveau verfestigen könnten", so Blümke. So habe die Inflation im März den dritten Monat in Folge die Erwartungen übertroffen. Auch die Inflationserwartungen seien allmählich angestiegen - mit Folgen für die Zinspolitik des Federal Reserve Systems (FED) der USA: Weil die Zuversicht über das Erreichen des Zwei-Prozent-Ziels sinke, verzögere sich die Lockerung der Geldpolitik weiter.

"Ich gehe weiterhin davon aus, dass die FED die Zinsen noch in diesem Jahr senken wird. Aber die aktuellen makroökonomischen Bedingungen sind eindeutig noch nicht reif für eine Zinssenkung in der ersten Jahreshälfte", so Senior Portfolio Manager Blümke. Die solide Expansion und der starke Arbeitsmarkt würden ihm zufolge außerdem die Frage aufwerfen, ob der derzeitige Kurs restriktiv genug sei, um die Nachfrage zu bremsen - und ob die US-Notenbanker ihre Politik überhaupt lockern sollten.

"Die Wirtschaftstätigkeit in der Eurozone ist schwach, aber die jüngsten Daten spiegeln eine deutliche Verbesserung der makroökonomischen Situation wider", habe Blümke gesagt. Der Experte des Fondshauses Ethenea gehe davon aus, dass das Wachstum in der Eurozone in der ersten Jahreshälfte stagnieren, sich aber in der zweiten Jahreshälfte allmählich verbessern und an Fahrt gewinnen werde. Auch die Fiskalpolitik werde 2024 im Großen und Ganzen unterstützend wirken. Aufgrund der Defizitproblematik nehme jedoch der Druck zu, die Staatshaushalte zu konsolidieren.

"Der disinflationäre Trend setzt sich fort. Der Kampf gegen die Inflation ist aber noch nicht gewonnen. Die negative Einschätzung der Wirtschaft durch die EZB und die guten Fortschritte bei der Inflationsbekämpfung stärken allerdings die Argumente für eine Lockerung der EZB-Politik. Eine Zinssenkung im Juni scheint beschlossene Sache zu sein", so der Senior Portfolio Manager.

Chinas Wirtschaftsindikatoren würden laut Blümke auf eine gewisse Verbesserung und eine Festigung der wirtschaftlichen Erholung hindeuten. Nach Meinung des Experten sei es noch zu früh, um von einer Wiederbelebung des chinesischen Handelssektors zu sprechen. Die politischen Maßnahmen zur Stärkung des Binnenkonsums und zur Beschleunigung der Modernisierung des Industriesystems zeigten allerdings erste Resultate. "Mit dem angeschlagenen Immobiliensektor und dem schwachen Arbeitsmarkt gibt es im Reich der Mitte aber immer noch erheblichen Gegenwind." (16.05.2024/alc/a/a)


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