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14.05.24 11:08
Inflation und Zinsen bleiben hoch - der Markt muss umdenken

Boston (www.anleihencheck.de) - In den letzten Wochen haben viele Inflationsdaten die Märkte überrascht, so Robert M. Almeida, Jr., Portfoliomanager und Global Investment Strategist bei MFS Investment Management.

Für jemanden, der Lebensmittel kaufe, Strom- und Gasrechnungen bekomme oder Miete zahle, habe sich die Überraschung aber in Grenzen gehalten. Tatsächlich seien die Rohstoffpreise dieses Jahr bislang sogar stärker gestiegen als die Aktienkurse. "Haushalte bekommen vor allem die steigenden Preise für Basisgüter zu spüren, für Eier, Milch, Strom oder Miete - hier ist Disinflation Fehlanzeige", habe Robert M. Almeida gesagt.

Die Zeit der künstlich niedrig gehaltenen Zinsen und entsprechend niedrigen Produktionskosten sei vorbei. Man befinde sich im Übergang in eine neue Phase. Der Finanzbedarf, vor allem für Betriebsmittel und Arbeitskräfte, sei gestiegen, was die Rückkehr zu unnatürlich niedriger Inflation und Zinsen verhindere.

Corona, mehrere Kriege und die immer unsicherere Weltlage hätten gezeigt, wie riskant lange Lieferketten und Outsourcing sein könnten. Die Globalisierung werde nicht verschwinden, aber sie werde sich ändern, denn es sei wahrscheinlicher geworden, dass etwas fehle, wenn man es brauche. Und das habe auch finanzielle Folgen.

2024 könnte tatsächlich das erste Jahr seit der Pest im Mittelalter sein, in dem die Weltbevölkerung schrumpfe. Die aufgrund von Reshoring steigende Nachfrage nach Arbeitskräften treffe auf eine alternde Erwerbsbevölkerung. Langfristig würden deshalb die Arbeitskosten steigen.

Die Löhne könnten daher bald höher sein als in den 2010er Jahren, ebenso wie der Konsum, das Wirtschaftswachstum und die Inflation. Doch das gehe zulasten der Gewinne, sodass die Zahlungsbereitschaft der Anleger für künftige Unternehmensgewinne wohl nachlasse. Und das sei das Gegenteil dessen, was man aus den 2010ern kenne.

Ende 2023 hätten Anleger die Notenbanken beim Wort genommen. Man habe mit einem Rückgang der Inflation auf das gewünschte Maß, einer Lockerung der Geldpolitik und fallenden Staatsanleiherenditen gerechnet. Aber offensichtlich sei der Markt zu optimistisch gewesen, und wenn sich die Erwartungen durch neue Informationen ändern würden, würden sich die Kurse anpassen. Hohe Volatilität könne bedeuten, dass der Markt falsche Annahmen korrigiere - oder dass die Unsicherheit groß sei.

Die Experten seien allerdings schon länger von einer anhaltend hohen Gesamtnachfrage ausgegangen und hätten nur wenig Spielraum für die erhofften Zinssenkungen gesehen. Aber was komme jetzt?

Um Missverständnisse zu vermeiden: Die Experten würden weder mit einer strafferen Geldpolitik noch mit steileren Zinsstrukturkurven rechnen. Sie würden aber glauben, dass der Markt die Bedeutung dieses Paradigmenwechsels unterschätzt habe. Irgendwann würden die Zinsen fallen, aber wohl nicht so linear und kontinuierlich wie bisher vermutet.

Die Welt sei komplexer. Vor allem aber passe sie sich an. Unternehmen, die hauptsächlich von billigem Kapital und niedrigen Löhnen gelebt hätten, würden Probleme bekommen. Anders als in Zeiten niedriger Kosten würden sie irgendwann auch enttäuschende Zahlen vorlegen. Investmentmanager und Finanzberater könnten deshalb gut daran tun, deren Wertpapiere zu meiden. (14.05.2024/alc/a/a)



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