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12.04.24 14:11
Keine EZB-Zinssenkung - Euro-Aktien sind trotzdem ein Kauf.

Paris (www.anleihencheck.de) - Nun, das war keine wirkliche Überraschung: Die Europäische Zentralbank hat die Zinsen am Donnerstag unverändert gelassen, so Olaf Hordenbach, Chefredaktuer von Kundenmagazin von BNP Paribas "Märkte & Zertifikate weekly".

4,5 Prozent, so bleibe der Hauptrefinanzierungssatz, zu dem sich die Geschäftsbanken bei der EZB Geld leihen könnten. Einige Beobachter, und dazu gehöre auch Hordenbach, hätten sich mehr gewünscht. Eine erste Zinssenkung wäre von den Daten her möglich gewesen. Die Konjunktur im Euroraum schwächele, die Inflation sei deutlich zurückgekommen.

Dass es auch anders gehe, zeige die Schweizer Notenbank. Sie habe im März die Zinsen gesenkt, von 1,75 auf 1,5 Prozent. Gut, die Schweiz habe immer so eine Art Sonderstellung, darüber müsse man gar nicht reden. Zudem sei die Inflation bei den Eidgenossen auch nie so ein Riesenthema gewesen. Aber die Schweizer Zinssenkung sei faktenbasiert gewesen, das vermisse man bei der EZB ein wenig. Nach Ansicht von Hordenbach schaue man hier zu sehr auf das Geschehen in den USA. Und die US-Notenbank zögere noch mit einer Zinssenkung. Doch die Situation in den USA sei auch eine andere als in Europa. Der sogenannte Flash-Einkaufsmanagerindex für das verarbeitende Gewerbe in den USA sei im März auf 52,5 Punkte gestiegen und liege damit deutlich über der 50er-Punkte-Marke, die Wachstum signalisiere. In Deutschland belaufe sich der Index nur auf etwas mehr als 40 Punkte, also definitiv unter der 50er-Marke. Das heiße, in den USA laufe es deutlich besser als hierzulande. Deshalb wäre hier eine Zinssenkung angemessen gewesen, während man in den USA noch abwarten könne.

An der Börse scheine man das ähnlich zu sehen. Die Enttäuschung nach dem Nicht-Zinsentscheid am Donnerstag sei spürbar gewesen. Der DAX (ISIN: DE0008469008, WKN: 846900) sei deutlich gefallen. Nun, aufgeschoben sei nicht aufgehoben. Am Markt setze man nun auf eine Zinssenkung im Juni, dann stehe die nächste EZB-Sitzung an. Darauf wetten, dass die EZB dann den Mut aufbringe, die Zinsen zu senken, würde Hordenbach allerdings nicht. Es scheine so, dass erst die US-Notenbank tätig werden müsse und die EZB dann folge. Den Euroraum koste das am Ende wertvolle Wachstumspunkte. Trotzdem würde Hordenbach derzeit europäische Aktien bevorzugen. Während die US-Konjunktur mit den hohen Zinsen abgebremst werden solle, werde man in Europa durch Senkung der Zinsen früher oder später versuchen, die Wirtschaft anzukurbeln. In der Konjunkturentwicklung nehme Europa derzeit einen anderen Platz als die USA ein. Ausnahmsweise gefalle Hordenbach der europäische Platz diesmal besser als der amerikanische, auch wenn die EZB noch zögere. (Ausgabe vom 12.04.2024) (12.04.2024/alc/a/a)


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