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27.03.24 12:50
US-Notenbank schickt Goldpreis auf neues Allzeithoch

Wiesbaden (www.anleihencheck.de) - Der Goldpreis stieg vergangene Woche auf ein neues Allzeithoch bei 2.222 US-Dollar an, nachdem der Zinsentscheid der US-Notenbank (FED) am Mittwochabend weniger restriktiv war, als die Märkte befürchtet hatten, so Markus Blaschzok, Chefanalyst der SOLIT Gruppe.

Seit Mitte Februar könne Gold somit ein Plus von 11% verbuchen. Spekulative Käufe hätten diesen Anstieg unterstützt, nachdem der Goldpreis auf den Zinsentscheid hin aus einer Konsolidierungsformation bullisch habe ausbrechen können, was Anschlusskäufe nach sich gezogen habe. Zum Wochenschluss sei der Preis jedoch wieder zurückgefallen auf das vorherige Ausbruchsniveau mit einem Tief bei 2.156 US-Dollar je Feinunze, anstatt weiter anzusteigen. Solange die aktuell wichtige Unterstützung bei 2.150 US-Dollar nicht wieder nach unten durchbrochen werde, bestehe eine gute Chance, dass sich die Rally in den nächsten Wochen fortsetzen könne.

Ende Februar habe der Goldpreis aus seiner mehrmonatigen Handelsspanne zwischen 1.980 US-Dollar und 2.080 US-Dollar bullisch ausbrechen können, nachdem FED-Gouverneur Waller in einer Rede erstmals ein Ende des QT-Programms in Aussicht gestellt habe. Die FED habe im Rahmen des QT-Programms ihre Bilanz in den letzten beiden Jahren verringert und somit dem Markt 1,5 Billionen US-Dollar an Liquidität entzogen, was die Märkte tendenziell belastet habe.

Ein Ende der restriktiven Geldpolitik sei seit 2008 auch immer der Anfang einer neuen lockeren Geldpolitik mit später folgenden QE-Programme als Antwort auf Krisen gewesen, weshalb viele Spekulanten und Investoren in dem Ende des QT-Programms ein erstes frühes Kaufsignal für Gold gesehen hätten. Seither sei der Goldpreis in der Spitze um mehr als 170 US-Dollar je Feinunze angestiegen. US-Notenbankchef Jerome Powell habe auf seiner Pressekonferenz am vergangenen Mittwoch bestätigt, dass eine Verlangsamung des QT-Programms bereits in Aussicht sei, was sehr bullisch für den Goldpreis sei.

Weiterhin seien die zuletzt heißeren US-Inflationszahlen von Powell als "holpriger Weg in Richtung des Ziels von zwei Prozent" heruntergespielt worden, was den US-Dollar schwäche und den Goldpreis diametral gegensätzlich stärke. Der Offenmarktausschuss habe den Leitzins in der Spanne von 5,25% bis 5,5% belassen und auch die mittlere Schätzung für die Zinssätze bis zum Jahresende sei unverändert geblieben, sodass bis dahin drei Zinssenkungen um jeweils einen Viertelpunkt erwartet würden. Die Märkte hätten gefürchtet, dass man die Zinssenkungen für dieses Jahr von drei auf zwei senken würde, nachdem sich die Inflation in den USA zuletzt heißer gezeigt habe.

Der längerfristige Zinsausblick anhand des Dot-Plots sei jedoch etwas hawkisher gewesen, was Powell in der folgenden Pressekonferenz jedoch ebenso heruntergespielt und damit den Goldpreis weiterhin befeuert habe. Berücksichtige man die Rede von US-Notenbankchef Powell im Anschluss an den Zinsentscheid, so sei dieser dovisher als die Markterwartung gewesen, was den US-Dollar geschwächt und den Weg für eine Fortsetzung der Rally am Goldmarkt geebnet habe.

Während der Goldpreis ein neues Allzeithoch nach dem anderen erklimme, würden die Goldminenaktien noch immer von Investoren geschmäht. Der HUI-Goldminenindex handele aktuell über 60% unter seinem Allzeithoch aus dem Jahr 2011, was Mineninvestoren, die diesen Markt nicht aktiv traden würden, frustriere. Der HUI Goldminenindex notiere aktuell bei 232 Punkten und damit gerade einmal 15% über den Tiefs der letzten beiden Jahre. Sollte der Goldpreis seine Reise zum Mond fortsetzen können und bis in den Bereich von 2.300 US-Dollar bis 2.400 US-Dollar vordringen, sei mit einer verspäteten Rally der Goldminenaktien zu rechnen, wobei der HUI bis in den Bereich von 330 bis 370 Punkte vordringen sollte.

Aktuell erlebe man eine untypische Rally am Goldmarkt, die primär auf den gigantischen Käufen östlicher Notenbanken gründen dürfte. Das Sentiment am Goldmarkt sei bereits seit längerer Zeit sehr bullisch, die Liquidität habe durch die QT-Programme abgenommen, die ETF-Produkte hätten Abflüsse erlitten und die hohen Zinsen, sowie die hausierenden Aktien- und Kryptomärkte stünden in Konkurrenz mit dem Goldmarkt. Alles Faktoren, die normalerweise nicht bullisch für den Goldpreis wären. Gold haussiere dennoch isoliert vom Rest der Edelmetalle, was historisch gesehen außergewöhnlich sei. Man erlebe aktuell eine Abkopplung des Goldpreises von klassischen Korrelationen und Marktverhalten der letzten vierzig Jahre.

Beispielsweise könne der Silberpreis von der Rally am Goldmarkt bisher kaum profitieren und handele aktuell mit 24,60 US-Dollar noch weit unter seinem Hoch von 50 US-Dollar aus dem Jahr 2011. Die neuesten Terminmarktdaten für Silber vom Freitag würden zeigen, dass Spekulanten auf eine Aufholjagd des Silber- zum Goldpreis wetten würden, doch bleibe die Rally bisher aus. Dies zeuge diametral gegensätzlich zum Goldmarkt von einem aktuell noch bestehenden Überangebot am physischen Silbermarkt.

Es sei möglich, dass erst einige Zeit vergehen müsse, bis die gestiegene Investmentnachfrage ein Defizit am physischen Silbermarkt nach sich ziehen werde und der Silberpreis mit Verspätung zum Goldpreis aufholen könne. Der CoT-Report der US-Terminmarktaufsicht zeige aktuell jedoch, dass der Silbermarkt nach klassischen Maßstäben extrem überkauft sei, was sonst immer nur an Hochpunkten am Gold- und Silbermarkt der Fall gewesen sei, jedoch nie vor einer Rally des Gold- und Silberpreises.

Weltweit würden sich die Aktienmärkte in einem irrationalen Überschwang befinden, was bereits viele Sentiment-Indikatoren anzeigen würden. Die Vermögensverwalter würden aktuell die größte Futures-Longposition auf US-Aktien seit der großen Finanzkrise von 2008 halten. Der historisch hohe Zinsanstieg und die bisher ausgebliebene Rezession seien Risikofaktoren, die jederzeit die Märkte treffen könnten. Sollte es zu einem endogenen deflationären Crash an den Märkten kommen im Zuge einer Rezession oder dieser aufgrund exogener Faktoren seinen Anfang finden, so würden nicht nur die Aktien- und Kryptomärkte darunter leiden, sondern vermutlich auch der Goldpreis für eine gewisse Zeit.

Erst mit dem Eingreifen der Notenbanken mittels neuer QE-Programme, um das Banken- und Kreditgeldsystem vor einem deflationären Crash oder einer Krise zu schützen, wäre der Weg für den Goldpreis nach oben frei, im Zuge weiterer Abwertungen der internationalen Fiat-Währungen. Mit neuen QE-Programmen wären dann auch 3.000 US-Dollar je Feinunze binnen ein bis zwei Jahren nach dem Start des Gelddruckens denkbar.

Aus Sicht des Traders sei dieser Preisanstieg jedoch äußerst untypisch und die Indikatoren widersprüchlich zum aktuellen Zeitpunkt, weshalb die Experten argwöhnisch seien. Solange der Goldpreis oberhalb der Unterstützung von 2.150 US-Dollar handele, würden sie der Stärke am Goldmarkt folgen und auf eine Aufholjagd des Silberpreises und der Goldminenaktien hoffen. Sollte der Goldpreis jedoch unter die genannte Unterstützung fallen und infolgedessen zurück auf das alte Allzeithoch bei 2.080 US-Dollar, so sollte man das Risiko im Trading konsequent managen und reduzieren.

Trader würden aktuell der Rally am Goldmarkt folgen und angesichts der Probleme gerade im Euroraum aufgrund des Kriegs in der Ukraine, des historisch hohen Zinsanstiegs und den weltweit höchsten Energiepreisen steuere die europäische Wirtschaft auf eine Rezession zu, auf die die Staaten mit der Aufnahme neuer Schulden und die Notenbanken mit dem Drucken von Geld aus dem Nichts reagieren würden. Es gebe also gerade für Europäer genügend Gründe, um weiterhin Ersparnisse in den sicheren Hafen des Goldes zu allozieren, um einem weiteren Inflationsschub zuvorzukommen. (27.03.2024/alc/a/a)



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