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07.03.24 11:20
High-Yield-Markt: Bewertungsvorteile in Europa nutzen

Zürich (www.anleihencheck.de) - High-Yield-Anleihen hatten einen guten Start in das Jahr 2024, so Axel Potthof, Senior Portfolio Manager bei Fisch Asset Management in Zürich.

In den ersten beiden Monaten seit Jahresbeginn hätten sich die Spreads um mehr als 30 Basispunkte eingeengt, getrieben von positiven Nachrichten bei den Unternehmensgewinnen sowie soliden Wachstumszahlen in den USA und Europa. Auch sei eine bessere Konsumentenstimmung festzustellen gewesen als erwartet. Insgesamt hätten sich die Bewertungen der globalen Hochzinsanleihen damit leicht gegenüber dem Jahreswechsel verteuert.

Die aktuelle Situation sei geprägt von einer tendenziellen Unsicherheit betreffend der weiteren makroökonomischen Entwicklungen und dem zukünftigen Zinspfad. Die zuletzt vermeldeten Inflationszahlen seien höher als erhofft ausgefallen und ob das 'Soft Landing' in den USA gelinge, erscheine noch offen. In punkto Geldpolitik würden die Märkte mittlerweile von weniger Zinssenkungsschritten durch EZB und FED ausgehen als noch im vergangenen Jahr prognostiziert. Allerdings sei es für High-Yield-Investoren ratsam, nicht die reine Zinsbewegung in den Vordergrund zu stellen, sondern auf die Ergebnisse der einzelnen Unternehmen zu blicken. So sei beispielsweise ein stabiler Cashflow für die Investmentstrategie der Experten weitaus maßgeblicher als die Zinserwartungen.

Mit einer Verzinsung von aktuell knapp unter acht Prozent (in US-Dollar) an den globalen High-Yield-Märkten seien weiterhin attraktive Erträge möglich. Eine höhere Verzinsung sei in den vergangenen Jahren nur in kurzen (Krisen-)Phasen erzielbar gewesen. Die Spreads würden aktuell bei rund 350 Basispunkten notieren (gemessen am optionsbereinigten Spread gegenüber Staatsanleihen). Sie lägen damit knapp niedriger als der langfristige Durchschnitt. Dies sei einerseits mit der besseren Qualität bezogen auf das Durchschnittsrating in den vergangenen Jahren zu erklären und andererseits mit einem aus Sicht der Experten konstruktiven Wachstumsbild und allgemein guten Unternehmensbilanzen.

Chancen würden sich dies- und jenseits vom großen Teich bieten. Der US-Markt sei der deutlich größere sowie etabliertere Markt und besteche durch vielseitige Diversifikationsmöglichkeiten. Speziell der umfassende Energiesektor unterscheide den US-Markt vom europäischen Pendant. Der Energiesektor gehöre daher weiterhin zu den Favoriten der Experten, da er aufgrund der Restrukturierung nach 2020 weniger verschuldet sei und höhere Kupons als andere Branchen biete.

Interessant sei derzeit der Fakt, dass die Experten in Europa Bewertungsvorteile gegenüber den USA sehen würden. Das sei bisher relativ selten der Fall in der Historie des High-Yield-Markts gewesen, da die Unternehmensqualität in Europa typischerweise besser sei, und somit gelte es diese Ausnahme zu nutzen. Entsprechend seien die Experten hier momentan übergewichtet und in den USA untergewichtet. Nicht-zyklische Sektoren wie beispielsweise in der Basisindustrie, hier insbesondere Spezialchemieunternehmen, würden ebenfalls zu den bevorzugten Bereichen der Experten gehören. Auch bei den so genannten 'Rising Stars' würden sich immer wieder attraktive Anlagemöglichkeiten eröffnen.

Problematisch sei und bleibe der Immobiliensektor in Europa. Die hohe Verschuldung und nicht ausreichende Mieteinnahmen für den Schuldendienst würden die Experten veranlassen, hier Abstand zu halten. Das gelte auch für CCC-Anleihen, bei denen die Experten strategisch untergewichtet seien, da sich das deutlich höhere Risiko langfristig nicht auszahle. Der Anteil von CCC-Anleihen habe sich in jüngerer Vergangenheit deutlich reduziert und betrage im Gesamtuniversum mittlerweile weniger als zehn Prozent. Ein Indiz für die Verbesserung der generellen Qualität im High-Yield-Markt.

Daher würden die Experten auch nicht mit einer signifikanten Erhöhung der Ausfallraten im Segment der Hochzinsanleihen rechnen. Momentan würden sich die Ausfallraten bei rund drei Prozent bewegen und dürften sich im Jahresverlauf leicht erhöhen. Damit wären sie auf dem Level des langfristigen Durchschnitts. Allerdings sollten die Ausfälle überwiegend die qualitativ schlechteren Unternehmen mit höherem Verschuldungsgrad betreffen. Dort würden entsprechende Anleihenpreise die Gefahr bereits deutlich anzeigen.

Lediglich bei unvorhersehbaren exogenen Schocks seien weiter zunehmende Ausfallraten aufgrund dann steigender Risiken möglich. Doch alles in allem sei auch nach dem starken Jahr 2023 ein weiteres positives Jahr bei High-Yield-Anleihen realistisch, vor allem aufgrund der attraktiven Gesamtverzinsung. (07.03.2024/alc/a/a)


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