Logo
NEWS - Allgemein
www.anleihencheck.ariva-services.de
08.12.23 14:09
Fallende Renditen beflügeln Anleihen in der Breite

Oberursel (www.anleihencheck.de) - Die Anzeichen einer Verlangsamung der US-Wirtschaft sowie die Stabilisierung der Inflationsrate in Europa bekräftigt die Erwartung eines bereits erreichten Zinsgipfels auf beiden Seiten des Atlantiks, so die Experten der ALTE LEIPZIGER Trust.

Trotz der Warnung der Zentralbankvertreter in den USA und Europa vor zu optimistischen Erwartungen von Zinssenkungen im nächsten Jahr durch den Markt seien die Anleiherenditen im November stark rückläufig gewesen. Die Renditestrukturkurven hätten sich aufgrund des deutlicheren Rückgangs der Zinssätze am mittleren und langen Ende stärker als am kurzen Ende verflacht. Zusätzlichen Rückenwind hätten US-Staatsanleihen durch eine besser als erwartete Aufnahme von Neuemissionen durch den Markt erhalten.

Die Rating-Überraschungen von Moody's für Italien und Portugal hätten dem Peripherieanleihesegment Rückenwind verliehen. Eine bessere Schuldendynamik, eine sich stabilisierende Konjunktur sowie ein gesunder Bankensektor in Italien hätten zur Anhebung des Ausblicks für Italien auf "stabil" von zuvor "negativ" bei der Ratingagentur geführt. Die Kreditwürdigkeit Italiens bliebe bei "Baa3". Dies sei die niedrigste Bewertung in der als anlagewürdig geltenden Kategorie "Investment Grade".

Wegen des bisher negativen Ausblicks sei an den Finanzmärkten und in der Politik zuvor noch befürchtet worden, Italiens Verbindlichkeiten würden mit einer Herabstufung der Note als Ramsch ("Non-Investment Grade") bewertet. Zusätzlich zum positiven Ausblick für Italien sei Portugal auf das A3-Rating heraufgestuft worden.

Trotz des Urteils des Bundesgerichtshofs und der Aussetzung der Schuldenbremse in Deutschland werde die Regierung laut Finanzminister Lindner 2023 keine zusätzlichen Schulden aufnehmen. Die besser als erwartet ausgefallenen PMI-Daten für Deutschland hätten hingegen auf heimischen Staatsanleihen gelastet.

Gold sei über den November deutlich über die 2.000-US-Dollar-Marke geklettert und notiere damit so hoch wie zuletzt im Mai 2023. Das Edelmetall habe in der zweiten Novemberhälfte neben der Nachfrage nach sicheren Häfen infolge des Israel-Kriegs Auftrieb durch schwächere US-Wirtschaftsdaten erhalten, die die Erwartungen auf baldige Zinssenkungen im nächsten Jahr verstärkt hätten.

Zudem habe die starke Kaufaktivität in China gestützt, die auf die saisonale Nachfrage in den Monaten vor dem chinesischen Neujahrsfest zurückzuführen sei. Nahe des Allzeithochs sei das weitere Aufwärtspotenzial allerdings auf kurze Sicht begrenzt. Nach einer Normalisierung der Preisentwicklung dürfte die tatsächliche Zinssenkung der FED den nächsten starken fundamentalen Treiber liefern.

Das Wachstum der Weltwirtschaft sollte im kommenden Jahr etwa so hoch sein wie 2023. Die US-Wirtschaft lege etwa 1,3% zu, nach 2,3% im Vorjahr. Dieser Durchschnitt verberge aber die anziehende Dynamik in den wichtigsten Märkten einschließlich China im Verlauf des Jahres. Konjunkturell gehe es 2024 aufwärts. Die deutsche Volkswirtschaft wachse um 1,3%. Die Inflation werde beiderseits des Atlantiks weiter nachlassen. Nennenswerte Entlastung von den Energiepreisen - wie 2023 - würden die Experten nicht mehr erwarten.

Der andauernde Rückgang der Kernraten sollte aber die Gesamtteuerung drücken. Die Inflationsziele der Notenbanken würden näher rücken, würden aber noch nicht ganz erreicht. Bis Jahresende 2024 würden die Experten einen Leitzins erwarten, der 100 Basispunkte niedriger sei als aktuell. Der Druck auf Renten sollte im Jahresverlauf nachlassen. (Ausgabe Dezember 2023) (08.12.2023/alc/a/a)



© 1998 - 2026, anleihencheck.ariva-services.de