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29.11.23 11:50
Qualität ist Trumpf bei Schwellenländer-Corporates

Zürich (www.anleihencheck.de) - Unternehmensanleihen aus den Emerging Markets blieben im Anlagejahr 2023 unter dem Radar zahlreicher Investoren, so Oliver Reinhard, Senior Portfolio Manager Emerging Market Corporate Bonds bei Fisch Asset Management in Zürich.

Die Nachfrage sei geringer als erwartet gewesen, obwohl das Segment - besonders attraktiv seien dabei Anleihen in Hartwährung - aus fundamentaler Sicht besser als je zuvor dastehe. Die Unternehmen in den Schwellenländern würden zu einem Großteil solidere Bilanzen auf als ihre Pendants der westlichen Industriestaaten weisen. Letztere hätten die extrem lockeren Finanzierungsbedingungen seit der Covid-Pandemie genutzt und hätten sich relativ zu den Schwellenländer-Unternehmen stärker verschuldet.

Entsprechend habe sich auch die Kreditqualität der Emerging Markets-Unternehmen verbessert und weise ein durchschnittliches Rating im Bereich Investment Grade (IG) von BBB+ auf. Auch der Ausschluss russischer Unternehmen im vergangenen Jahr sowie vieler chinesischer Immobilienunternehmen dieses Jahr habe zur Verbesserung der Qualität des Anlageuniversums beigetragen.

Aktuell würden Investoren einen höheren Ertrag von rund einem Prozentpunkt als Entschädigung für das "Risiko" einer Anlage in den Emerging Markets erhalten. Konkret seien dies derzeit rund 5,2 Prozent in EUR hedged (gegenüber 4,2 Prozent im Euro IG-Universum). Dabei würden beide Märkte derzeit dieselbe Duration von 4,5 aufweisen. Ein im Vergleich zum globalen IG-Anleihenmarkt mit einer Duration von 5,8 niedriger Wert, der ebenfalls positiv einzuordnen sei in der momentanen Zinssituation mit erhöhter Volatilität.

Interessant sei auch der Fakt, dass viele Schwellenländer-Unternehmen aufgrund ihrer guten Finanzsituation keinen Druck verspüren würden, sich beim erhöhten Zinsniveau refinanzieren zu müssen. Im Gegenteil: sowohl in 2022 als auch in diesem Jahr seien Anleihenrückkäufe zu beobachten statt einer Aufnahme neuer Schulden. Das Segment der IG Schwellenländer-Corporates sei für defensiv orientierte Investoren zudem attraktiver als Staatsanleihen aus den Emerging Markets. Denn viele dieser Staaten würden über kein IG-Rating verfügen, sondern seien häufig im High-Yield-Bereich vorzufinden. Die Auswahl von Schwellenländern mit IG-Rating beschränke sich derzeit lediglich auf 18, während Anleger im Unternehmensuniversum aus rund 430 Emittenten auswählen und damit ein breit diversifiziertes Portfolio aufbauen könnten.

Es sei zu erwarten, dass Unternehmensanleihen aus den Emerging Markets in Hartwährungen nach einer Durststrecke wieder auf verstärktes Anlegerinteresse im kommenden Jahr stoßen würden. Generell registriere man hier bei den Mittelzuflüssen enorme Schwankungen, deutlich höher ausgeprägt als bei den westlichen Industrienationen. Die Experten würden davon ausgehen, dass die Diversifizierungsvorteile, die die Vielzahl an Schwellenländern per se aufweisen würden, vermehrt in den Portfolios berücksichtigt würden.

Während die aktuellen globalen wirtschaftlichen und (geo-)politischen Entwicklungen in den Kursen eingepreist seien, könnten am ehesten weitere geopolitische Risiken oder eine stärker als momentan erwartete Wirtschaftsabschwächung in den USA Störfeuer auslösen. Auch die US-Präsidentschaftswahl im kommenden Jahr könne zu Verunsicherungen an den Finanzmärkten führen. Doch die erwähnten Positivmerkmale wögen aus Sicht der Experten schwerer als die möglichen Risiken.

Bei den Schwellenländer-Märkten sei aktives Management sinnvoll, um Ineffizienzen in diesem heterogenen Gebilde optimal zu nutzen und agil auf Entwicklungen reagieren zu können. In Richtung Jahreswechsel gehöre Indien mit seinem Wachstumskurs zu den favorisierten Regionen der Experten. Beispielsweise würden sie die Bereiche Telekommunikation, Rohstoffe und Green Energy als attraktiv einstufen. Generell seien Asien und der Nahe Osten, trotz der momentanen Unruhen bezüglich Israel, aufgrund besserer Ratings gegenüber den meisten südamerikanischen Staaten weniger volatil.

Grundsätzlich empfehle sich aufgrund der aktuell hohen risikolosen Renditen allgemein die Fokussierung auf bessere Kreditqualitäten. Diese seien in den Emerging Markts regional breit gestreut anzutreffen. Die Experten würden hier Anleihen aus zum Beispiel Südkorea, Mexiko, Indonesien und Indien bevorzugen. Vorsichtig seien sie aktuell in China und Hongkong sowie in Brasilien. (29.11.2023/alc/a/a)



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