Hamburg (www.anleihencheck.de) - Die Renditen für 10-jährige Staatsanleihen in den USA und Deutschland sind zuletzt gestiegen: US-T-Notes rentieren bei 4,41%, deutsche Bunds bei 2,74%, so Dr. Tariq Chaudhry, Economist bei Hamburg Commercial Bank.
Trotz steigender Zinskosten für die US-Wirtschaft seien Anleger optimistisch bezüglich der Wirtschaftslage in den USA. Positive Industrieproduktionsdaten für August und höhere BIP-
Wachstumsprognosen der OECD für 2023 und 2024 würden dazu beitragen. Die Zinserhöhungen der FED hätten jedoch Auswirkungen: Das Verbrauchervertrauen (gemessen am Uni Michigan Index) sei gesunken und der Immobilienmarkt befinde sich in einer Rezession. Negativtrends in Europa seien bereits in den Märkten berücksichtigt: Rückgang der Industrieproduktion, schrumpfender Außenhandelsüberschuss und herabgestufte BIP-Wachstumsprognosen der OECD für die Eurozone. Trotzdem würden steigende Ölpreise weltweit den Zentralbanken Sorgen bereiten und obwohl die Hamburg Commercial Bank bis Ende des Jahres keine weiteren Zinserhöhungen von FED und EZB erwarte, bleibe die Gefahr einer anhaltend hohen Inflation bestehen.
Die OECD-Prognosen würden für die Eurozone auf ein gedämpftes BIP-Wachstum von 0,6% im Jahr 2023 hindeuten, das jedoch 2024 auf 1,1% steigen solle, wenn die negativen Auswirkungen der hohen Inflation auf die Realeinkommen nachlassen würden. Europa bleibe vorerst in einer problematischen Situation. Im Euroraum sei die Industrieproduktion im Juli gegenüber dem Vormonat um 1,1% und im Vergleich zum Vorjahr um 2,2% gesunken. Die Aussichten für die Industrie in der Eurozone seien düster, da die Auftragsbestände zurückgehen und die Auftragseingänge abnehmen würden. Die Schwäche zeige sich auch im Außenhandel, wo im Juli 2023 die Exporte um 2,7% zurückgegangen seien. Der massive Rückgang der Importe um 18,2% sei ein Hinweis auf die Nachfrageschwäche im Inland.
Nach dem Bekanntwerden der von der Hamburg Commercial Bank als dovish eingeschätzten Steigerung der Zinsen um 25 BP durch die EZB, scheine man in Frankfurt nun die Einlagenzinsen bei 4,00% halten zu wollen. EZB-Ratsmitglied Francois Villeroy de Galhau, der ebenfalls als "dovish" gelte, habe angedeutet, dass er zum jetzigen Zeitpunkt keine weiteren Erhöhungen befürworte. Die US-Notenbank habe nach mehreren deutlichen Zinserhöhungen im Kampf gegen die Inflation vorerst innegehalten, lasse jedoch die Möglichkeit einer letzten Erhöhung offen. Wie von den Finanzmärkten erwartet, sei der geldpolitische Schlüsselsatz von 5,25 bis 5,50% beibehalten worden. FED-Chef Jerome Powell habe nach der Entscheidung betont, dass es noch Raum für weitere Zinserhöhungen gebe und habe gesagt: "Falls erforderlich, sind wir bereit, die Zinsen weiter zu erhöhen." In der Tat gebe es handfeste Risiken für das wieder aufflammen der US-Inflation, darunter wäre momentan die größte Sorge, dass der Ölpreis der Sorte Brent auf jenseits der 100 USD/Barrel steigen und auf dem Niveau länger verharren könnte.
In Europa richte die Hamburg Commercial Bank Blick auf die HCOB Flash PMIs für den September (22.09.), die Aufschluss darüber geben würden, ob die Rezession im dritten Quartal weiter anhalten werde. Ebenso werde der ifo-Index (25.09.) für Deutschland eine wichtige Standortbestimmung für die Konjunktur bieten. In den USA stünden Daten zum Immobilienmarkt an, wobei der stark angeschlagene Markt auf die Verkäufe neuer Häuser (26.09.) im August gespannt sei. (Wochenbarometer vom 21.09.2023) (22.09.2023/alc/a/a)
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