Oberursel (www.anleihencheck.de) - Anfang August 2023 senkte die Ratingagentur Fitch das Kreditrating der USA von der erstklassigen Note AAA auf AA+ herab, so die Experten der Alte Leipziger Trust Investment-Gesellschaft mbH in ihrem aktuellen "Invest-Report".
Diese Entscheidung sei aufgrund mehrerer Faktoren getroffen worden: Der verschlechterten Haushaltslage, der hohen Staatsverschuldung und der komplizierteren politischen Führung. Nach dieser Ankündigung seien die Prämien für den Kreditausfall von US-Staatsanleihen deutlich angestiegen. Dies sei parallel zu den veröffentlichten vergleichsweise robusten US-Konjunkturdaten geschehen, was neue Unsicherheiten hinsichtlich der Geldpolitik der Federal Reserve (FED) mit sich gebracht habe. Die Rendite von 10-jährigen US-Schatzanleihen sei auf 4,3% gestiegen und habe damit den höchsten Stand des Jahres erreicht.
Im Euroraum seien die Risikoprämien trotz der Herabstufung der US-Staatsanleihen weitgehend unverändert geblieben. Dennoch habe man eine gewisse Anspannung auf den Rentenmärkten gespürt. Die Rendite von 10-jährigen deutschen Bundesanleihen sei deutlich angestiegen und habe vorübergehend 2,75% erreicht, nahe dem Jahreshoch. Im Gegensatz dazu seien zweijährige Bundesanleihen weniger stark angestiegen, was zu einer Abflachung der Zinskurve seit Anfang Juli geführt habe. Ähnlich wie in den USA seien auch im Euroraum die Zinserhöhungserwartungen angestiegen. Zusätzlich seien die Inflationserwartungen im Euroraum negativ beeinflusst worden. Trotz der vorübergehenden Beruhigung aufgrund gesunkener Ölpreise habe sich der Aufwärtstrend fortgesetzt und deute auf Unsicherheit hinsichtlich veränderter struktureller Faktoren wie Demografie, Klimawandel und geopolitischer Konflikte hin. Diese Faktoren könnten die Preissteigerungsraten in den kommenden Jahren auf einem erhöhten Niveau halten.
Jedoch stelle die deflationäre Entwicklung in China eine bemerkenswerte Ausnahme im globalen Inflationsszenario dar. Angesichts Chinas bedeutender Rolle als treibende Kraft des globalen Wachstums könnten mögliche Auswirkungen der Krise zu bremsenden Effekten auf Renditen führen. Solche Kursbewegungen seien kürzlich bereits beobachtet worden. In diesem Umfeld würde das Risiko eines bedeutenden Ausbruchs der Renditen von 10-jährigen US-Schatzanleihen aus ihrem seit fast einem Jahr bestehenden Band mit seitwärts gerichteten Renditen signifikant abnehmen. Selbst ohne diesen Effekt sei bei einer spürbaren Abkühlung der US-Wirtschaft mit niedrigeren Renditen zu rechnen. (Ausgabe September 2023) (31.08.2023/alc/a/a)
© 1998 - 2026, anleihencheck.ariva-services.de