Wiesbaden (www.anleihencheck.de) - Der Goldpreis kam auch in der letzten Handelswoche wieder unter Druck und fiel im Tief auf 1.884 US-Dollar, so Markus Blaschzok, Chefanalyst der SOLIT Management GmbH.
Das Protokoll der letzten Notenbanksitzung (FED-Minutes) habe gezeigt, dass die Notenbankchefs besorgt über einen erneuten Anstieg der Inflation gewesen seien. Bisher habe die FED angedeutet, dass man die Zinssätze im nächsten Jahr bereits wieder senken könnte, denn man sei vermeintlich zuversichtlich gewesen, die Inflation würde weiter rückläufig sein. Dies habe nicht nur die Aktienmärkte, sondern auch den Goldpreis beflügelt.
Das Protokoll zeige jedoch, dass die FED ihre Pläne überdenken müsse, wenn die Inflation länger heiß bleibe, als vom Markt bisher erwartet worden sei. Da Zinssenkungen bereits eingepreist seien, hätten die Aktienmärkte auf die FED-Minutes mit weiteren Kursrückgängen reagiert, während der US-Dollar angestiegen und folgend auch der Goldpreis unter Druck geraten sei.
Würden die Zinsen bis Jahresende weiter steigen, anstatt zu sinken, so dürfte es einen Großteil der Investoren auf dem falschen Fuß erwischen. Auch der Goldpreis könnte dann unter einem stärkeren US-Dollar in einem deflationären Umfeld weiter unter Verkaufsdruck geraten.
Seitdem die Märkte mit der Idee neuer Zinssenkungen im nächsten Jahr um die Ecke gekommen seien, widerspreche ich dieser Vorstellung und stehe damit ziemlich allein auf breiter Flur. Die Märkte würden den säkulären Anleihen-Bärenmarkt der letzten 40 Jahre fortschreiben, was nach dem Erreichen der Null- und Negativzinsen jedoch Unsinn sei. Man glaube, die FED würde nach dem Muster der letzten 40 Jahre die Zinsen nach den Anhebungen wieder auf null Prozent senken. Man lese, höre und sehe diesen Unsinn überall und es habe die Aktienmärkte aber auch den Goldpreis in diesem Jahr nach oben geschoben.
Die US-Notenbank sei nicht in der Lage, die Zinsen erneut zu senken, denn dies würde sofort den Dollar abwerten und die Teuerung anheizen, was die Zinsen auf nur noch höhere Niveaus anheben würde. Sollte die FED zur Marktmanipulation einen Bluff versuchen Zinsen senken, würde dies eine tolle Tradingchance bieten, denn das Scheitern dieses Vorhabens wäre sicher. Nach 40 Jahren künstlich niedriger Zinsen und einer Dekade mit Nullzinsen sei das Spiel vorbei. Die Notenbanken hätten nicht länger die Macht die Zinsen zu drücken.
Die Zinsen würden daher auf hohem Niveau verharren und wahrscheinlich in den nächsten Jahren weiter ansteigen. Sollte die US-Notenbank in der nächsten Rezession ein neues QE-Programm lancieren, würde dies sogar Zinsen im zweistelligen Bereich nach sich ziehen, ähnlich den siebziger Jahren. Diese schwere Stagflation werde in die Geschichtsbücher eingehen.
Die Prognose der FED von Atlanta zum Wachstum des Bruttoinlandsprodukts sei in der letzten Woche ebenfalls nicht das gewesen, was die immer robusten US-Märkte sich erhofft hätten. So solle die US-Wirtschaft im dritten Quartal voraussichtlich mit einer annualisierten Rate von 5,8% wachsen, wie aus dem GDP Now-Prognosemodell hervorgehe. Auch wenn diese annualisierte Schätzung zu Quartalsbeginn Unsinn sei und noch nach unten revidiert werden werde, so habe es die Märkte überrascht, dass die US-Wirtschaft noch immer nicht in eine Rezession abzugleiten drohe.
Die trotz des starken Zinsanstiegs noch robuste Wirtschaft werde in den Augen des Marktes die FED von Zinssenkungen abhalten, da eine starke Wirtschaft vermeintlich Inflation verursachen würde. Diese Idee, eine starke Wirtschaft wäre die Ursache von Inflation ist ebenso großer Unsinn, wie der Glaube die FED würde die Zinsen wieder senken und ein neuer Konjunkturaufschwung beginnen. Da die Märkte jedoch dieses Narrativ glauben würden, hätten diese guten Wirtschaftsdaten erneut für eine Dollarstärke und diametral gegensätzlich für einen schwachen Goldpreis gesorgt.
Der USD-Index sei im letzten Monat um über 4% angestiegen und wie der Phönix aus der Asche auferstanden, nachdem die Medien den US-Dollar für Tod erklärt und sich die Analysten mit bärischen Prognosen überschlagen hätten. Stattdessen habe der US-Dollar gleich mehrere Widerstände und einen wichtigen Abwärtstrend überwinden können, was die Bären bereits in Angst versetzt habe. Für die nächsten Tage und Wochen scheine eine Korrektur des starken Anstiegs beim US-Dollar überfällig und wahrscheinlich zu sein, was dem Goldpreis noch einmal helfen könnte, sich über 1.900 US-Dollar zu behaupten.
Kurzfristig würden jedoch die Katalysatoren für eine erneute Rallye des Goldpreises fehlen. Einige Marktteilnehmer hätten sich aufgrund des wilden Gerüchts, die BRICS würden eine Goldwährung einführen, Long positioniert, was viel Potenzial für Enttäuschung lasse und der Goldpreis deutlich korrigieren könnte. Südafrika und Indien hätten dieses Gerücht sofort dementiert, was jedoch nicht verhindert habe, dass diese Sau bis heute durch Dorf getrieben werde.
Die Terminmarktdaten für Gold und Silber seien noch immer bestenfalls als neutral zu bezeichnen, was auch von dieser Seite her nicht viel Hoffnung gebe. Sollte sich das aktuelle Umfeld hoher Zinsen und einer Abnahme der Liquidität anhalten, so könnte es noch eine vollständige Bereinigung am Terminmarkt geben, wobei der Goldpreis bis auf 1.800 US-Dollar fallen würde.
Der HUI-Goldminenindex sei auf 215 Punkte gefallen und habe damit das Korrekturziel schon früher abgearbeitet als der Goldpreis. Die Experten hätten im April und Anfang Mai ein Verkaufssignal für die Minen bei 280 Punkten im HUI-Goldminenindex gegeben und zu Gewinnmitnahmen geraten. Premium-Abonnenten von Blaschzok Research hätten hier einen Vorteil im Markt gehabt. Das Verkaufssignal hätten die Experten zu einer Zeit gegeben, als die Masse der Investoren an eine Fortsetzung der Rally glaubt habe, was an jedem Hoch eines Marktes immer so gewesen sei und auch künftig immer sein werde.
Alles unter 200 Punkte im HUI-Goldminenindex würden die Experten als Kaufgelegenheit auf Sicht von zwölf Monaten sehen. Auch wenn die Minenaktien bisher stärker gefallen seien als der Goldpreis, so bestehe noch die Gefahr, dass der Goldpreis noch bis 1.800 abrutschen werde und die Minen weiter mit nach unten gezogen würden. Spätestens bei 180 Punkten im HUI dürfte das Smart Money jedoch die Hand aufhalten und ein weiterer Kursverlust aufgehalten werden. Goldminenaktien seien eine gute Investition, wenn der Goldpreis aufgrund einer neuerlich lockeren Geldpolitik wieder ansteige. (22.08.2023/alc/a/a)
© 1998 - 2026, anleihencheck.ariva-services.de