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21.08.23 10:45
Keine sanfte Landung: Die Rezession wird kommen - und Anleihen profitieren

Dublin (www.anleihencheck.de) - Nach der drastischen und zügigen geldpolitischen Straffung durch die Zentralbanken der Industrieländer stürzten Anleihemärkte ab und die Kurse bewegen sich seitdem seitwärts, so Charles Diebel, Head of Fixed Income Mediolanum International Funds.

Wie gehe es weiter mit der Geldpolitik? Drohe den Industrieländern eine Rezession? Und welche Strategien seien für Anleiheanleger jetzt am besten?

Sowohl die Europäische Zentralbank (EZB) als auch die Federal Reserve und die Bank of England hätten in den vergangenen Wochen signalisiert, dass sich die Zinsanhebungen dem Höhepunkt annähern würden, und das stimme auch mit unserer eigenen Einschätzung überein. Es sei angemessen, dass die Notenbanken zunächst eine Pause einlegen und abwarten würden, wie sich die Wirtschaftsdaten entwickeln würden. Denn von nun an hänge alles davon ab, ob ihre Maßnahmen Wirkung zeigen würden.

Das Problem: Die Auswirkungen der geldpolitischen Straffung würden weder sofort noch überall gleichschnell auftreten, mit der Folge, dass die Wirtschaftsdaten für verschiedene Sektoren aktuell auseinanderklaffen würden. So hätten die gestiegenen Finanzierungskosten vor allem dem Verarbeitenden Gewerbe einen starken Dämpfer verpasst - das zeige der Einkaufsmanagerindex (PMI), der beispielsweise für Deutschland im Juli auf 38,8 gefallen sei und alle Erwartungen enttäuscht habe.

Die Beschäftigtenrate und der Dienstleistungssektor würden sich dagegen wacker halten und so manchen Experten zum Optimismus veranlassen. Das liege daran, dass die privaten Haushalte die gestiegenen Zinsen noch nicht so stark spüren würden. Denn zum einen habe sich die Empfindlichkeit gegenüber Zinsen geändert. Ein anschauliches Beispiel seien die Hypothekenzinsen in Großbritannien: Während diese vor zwanzig Jahren an die Leitzinsen geknüpft gewesen seien und steigende Zinsen Hausbesitzern umgehend aufs Portemonnaie geschlagen hätten, seien heute mehr als 80 Prozent der Hypotheken für 2 bis 5 Jahre fest verzinst. Das bedeute, dass ein großer Teil der Verbraucher noch gar keine höheren Zinsen zahlen müsse, auch wenn die Bank of England die Leitzinsen angehoben habe. Erschwerend komme hinzu, dass Verbraucher während der Corona-Pandemie Kapital angespart hätten - dieses würden sie immer noch aus und stützen damit die Wirtschaft geben.

Anleger sollten sich nicht von den positiven Wirtschaftsdaten täuschen lassen. Die volle Wucht der geldpolitischen Straffung würden wir noch zu spüren bekommen - die Wirkung komme verspätet, aber sie werde kommen. Daher vertreten die Experten von Mediolanum International Funds auch nicht die Meinung, dass eine Rezession abgewendet wurde und wir stattdessen eine "sanfte Landung" erleben - eine solche hat es in der Geschichte bisher noch nicht gegeben, denn so genau können Notenbanker die Geldpolitik nicht kalibrieren, vor allem bei einer derart drastischen und schnellen Straffung wie aktuell.

Die wahrscheinlicheren Szenarien: Entweder die Konjunktur sei robuster als erwartet und die Straffung sei nicht weit genug gegangen - dann müssten die Zentralbanken nachziehen. Eine solche Situation hätten wir in den 1970ern in den USA erlebt, wo die FED zu früh mit den Zinsanhebungen aufgehört habe, die Inflation sich wieder aufgeheizt und weitere, noch drastischere, Schritte erforderlich gemacht habe. Oder aber - und von diesem Szenario gehen die Experten von Mediolanum International Funds aus - die Zentralbanken übertreiben und lösen, wie in den 1990ern oder im Jahr 2008, irgendeine Art von Marktereignis aus und müssen schlussendlich die Zinsen wieder senken oder sogar quantitative Lockerungsmaßnahmen ergreifen. Eben weil die Zinserhöhungen ihre Wirkung nur mit starker Verzögerung zeigen würden, würden die Experten damit rechnen, dass die Notenbanken übertrieben hätten - und es zu einer ausgewachsenen Rezession komme. Diese würden die Experten allerdings nicht vor 2024 erwarten.

Nach dem Ausverkauf Anfang dieses Jahres bewege sich der Anleihemarkt bereits seit einer Weile seitwärts und es gebe immer noch viele günstige Einstiegsmöglichkeiten. Es werde allerdings eine Weile dauern, bis der Markt von der Erwartung weiterer Zinsschritte zur Erwartung von Stabilität und schließlich zur Erwartung von Zinssenkungen übergehe. Dafür müssten sich zudem die Wirtschaftsdaten erst deutlich verschlechtern. Angesichts dessen sollten sich festverzinsliche Anlagen gut halten. In unseren Fonds sind die Experten von Mediolanum International Funds im Moment neutral gegenüber Unternehmensanleihen positioniert und haben die Duration nur leicht erhöht - vorerst. Wichtig sei jetzt, den Carry einzusammeln.

Sehen wir jedoch schwächere Wirtschaftsdaten - und damit rechnen wir für die kommenden Monate - dann gehen wir bei der Duration aufs Ganze, so die Experten von Mediolanum International Funds. Falls die Verlangsamung erheblich sei, würden sie zudem ihre Investments in Unternehmensanleihen überdenken, denn dann dürften sich die Spreads deutlich ausweiten. Wenn die Anleihemärkte einmal beginnen sich zu erholen, dürften sich Anleger mit Engagements in Anleihen über Kapitalzuwächse freuen - dieses Szenario dürften wir dieses Jahr aber nicht mehr erleben. Für kommendes Jahr sind die Experten von Mediolanum International Funds dagegen zuversichtlich. (21.08.2023/alc/a/a)


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