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08.08.23 11:30
Diskrepanz zwischen Erwartungen und Realität

Zürich (www.anleihencheck.de) - Die im Jahresverlauf bisher positive Entwicklung der Aktienmärkte und die niedrige Volatilität auf beiden Seiten des Atlantiks unterstreichen die erhöhte Risikobereitschaft der Investoren und basieren auf zwei Annahmen: Einerseits eine 'sanfte Landung' der Konjunktur und andererseits bald wieder sinkende Leitzinsen aufgrund der fallenden Inflation, so Beat Thoma, CIO bei Fisch Asset Management.

Während es für beide Annahmen separat betrachtet valide Argumente gebe, sei ein gleichzeitiges Eintreten beider Szenarien und ein Übergang hin zu einem 'Goldilocks-Szenario' äußerst unwahrscheinlich. Die Experten würden hier eine Diskrepanz zwischen Erwartungen und Realität in den Märkten sehen.

Bei einer sanften Landung der Konjunktur würden die Experten bestenfalls eine stagnierende Inflation erwarten. Sie könnte auch wieder ansteigen, worauf die Leitzinsen jedoch weiter erhöht werden dürften. Die Zentralbanken könnten die Zinsen basierend auf ihrem Mandat eigentlich erst dann wieder lockern, wenn die Inflation nachhaltig gesunken und das Inflationsziel von zwei Prozent erreicht sei. Die Erfahrung aus den 1970er Jahren zeige, dass eine zu frühe Lockerung der Geldpolitik schwerwiegende Folgen haben und zu einer noch stärkeren Inflationsdynamik führen könne, die wiederum mit noch drastischeren Zinserhöhungen bekämpft werden müsse.

Die Bank für Internationalen Zahlungsausgleich schreibe von der 'Herausforderung der letzten Meile' hin zum langfristigen Inflationsziel von zwei Prozent. Die noch hohen Kerninflationsraten, die auf den angespannten Arbeitsmarkt und steigende Dienstleistungspreise zurückzuführen seien, würden den globalen Desinflationsprozess erschweren und könnten erst infolge eines Rückgangs der gesamtwirtschaftlichen Nachfrage sowie höheren Arbeitslosenzahlen nachhaltig sinken, was jedoch mit einer sanften Landung nur schwer vereinbar sei.

Insofern würden die Experten für Aktien- und High-Yield-Märkte weiterhin eine schwierige Ausgangslage und negatives Überraschungspotenzial sehen. In ihren Strategien mit Exposure zu diesen beiden Anlageklassen würden sie sich aufgrund der getrübten Konjunkturaussichten unverändert defensiv positionieren, während sie aufgrund der bisherigen Resilienz der US-Wirtschaft ausgesuchte US-Titel aus dem Bereich Wachstum aufbauen würden.

Bei Investment-Grade-Unternehmensanleihen hätten die Experten ihre Positionierung auf neutral herabgestuft, nachdem sich die Credit Spreads im Juli weiter verengt hätten. Auf dem aktuellen Niveau würden die Experten begrenztes Aufwärtspotenzial durch eine weitere Einengung der Credit Spreads und wenig Schutz nach unten angesichts des restriktiven geldpolitischen Umfelds sehen. Insgesamt biete der Markt aber weiterhin einen attraktiven Zins-Carry. Dies führe zu einer positiven Total-Return-Erwartung.

Bei langfristigen Staatsanleihen würden die Experten unverändert sowohl positive (fallende Inflation, Konjunkturabkühlung) als auch negative Faktoren (hohe Treasury-Emissionsvolumen, potenziell weitere Zinsschritte) sehen. Sie würden sich bei Staatsanleihen und der Duration weiterhin neutral positionieren, wenngleich vorübergehend die negativen Faktoren überwiegen könnten. Wandelanleihen würden in diesem Marktumfeld eine interessante Alternative bleiben, auch in Multi Asset-Portfolios, da sie durch ihre Konvexitätseigenschaften sowohl Partizipation nach oben als auch defensive Schutzeigenschaften nach unten bieten würden. (08.08.2023/alc/a/a)



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