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19.07.23 10:00
Comeback nach Pause - Zuflüsse in Schwellenländer-Corporates zu erwarten

Zürich (www.anleihencheck.de) - Schwellenländer sind in der Öffentlichkeit und entsprechend bei Investoren stets zwischen himmelhochjauchzend und zu Tode betrübt angesiedelt, so Thomas Fischli Rutz, Head Emerging Markets bei Fisch Asset Management, im Kommentar zum Markt der Schwellenländer-Corporates.

Diese Wahrnehmung werde ihnen allerdings nicht gerecht. Dazu sei das Gebilde der Emerging Markets (EM) zu heterogen. Momentan herrsche vorsichtiger Optimismus bei Anlegern - trotz der wenig inspirierenden Nachrichten aus dem größten Schwellenland China. Die Experten würden daher für das zweite Halbjahr 2023 wieder Zuflüsse in die Anlageklasse der Schwellenländer-Corporates erwarten. Dazu müsste allerdings die Zinsvolatilität weiterhin rückläufig sein und die globalen Zinsen sollten auf höherem Niveau verharren und nicht weiter in die Höhe schnellen. Ein weiterer positiver Faktor wäre ein fallender US-Dollar und damit verbundene Aufwertungen der EM-Lokalwährungen. Denn stabile bis höhere EM-Währungen würden stark unterstützend für den Risikoappetit der Investoren wirken, da Zuflüsse in die Assetklasse ein wichtiger Treiber für die Performance seien.

Generell hätten sich Schwellenländer-Unternehmensanleihen in den vergangenen Jahren als sehr robust erwiesen. Ihre realen Renditen würden auf dem höchsten Stand seit Jahren notieren. Sie lägen im hochverzinslichen Bereich bei 9,5% (CEMBI Broad Diversified HY in USD) und im breiteren Index bei 7,25% (CEMBI Broad Diversified Composite in USD). Die Fundamentaldaten der Unternehmen seien weiterhin solide, zudem würden die größten negativen Faktoren des vergangenen Jahres, wie die signifikante Straffung der Zinsen und der Krieg in der Ukraine stetig an Gewicht verlieren. Und im Gegensatz zu EZB und FED würden die Zentralbanken der Schwellenländer, die frühzeitig die Inflation bekämpft hätten, aktuell über ausreichend Spielraum zur Lockerung ihrer Geldpolitik verfügen, um die Wirtschaft anzukurbeln.

Die Bewertung von EM-Unternehmensanleihen seien risiko-adjustiert gleich attraktiv wie EM-Staatsanleihen und wie Staats- sowie Unternehmensanleihen in den Industriestaaten, hätten sich im laufenden Jahr aber gegenüber den entwickelten Anleihenmärkten leicht schwächer entwickelt. Sie würden deshalb Aufholpotenzial versprechen und dürften vermehrt in den Anlegerfokus rücken, auch wenn die Bewertungen im historischen Vergleich nicht extrem günstig seien. Dies habe mit der Tatsache zu tun, dass sich die Bilanzen und die Nettoverschuldung der Unternehmen aus Schwellenländern in den vergangenen Jahren signifikant verbessert hätten. Selbstverständlich gebe es immer wieder Ereignisse, wie zum Beispiel der Krieg in der Ukraine, die zu Marktverwerfungen führen könnten, sodass gewisse Regionen und Länder in Mitleidenschaft gezogen würden und sich die Credit Spreads ausweiten würden. Wie wir am Beispiel Russland gesehen hätten, habe der Krieg zum kompletten Indexausschluss geführt und deshalb müssten die Spreadausweitungen differenziert betrachtet werden.

In punkto Ausfallraten sehe man bei Schwellenländer-Corporates eine langsame Entspannung. Die hohen Ausfallraten der vergangenen zwei Jahre seien durch die Immobilienkrise in China und den Krieg in der Ukraine verschärft worden, da über USD 200 Milliarden an EM-Unternehmensanleihen seit 2021 ausgefallen seien oder in "Distressed Exchanges" geendet hätten (entspreche 23% des EM HY-Marktes). Dieses Ergebnis sei beispiellos, da es sich mehrheitlich auf Immobilien in China und Anleihen aus Russland konzentriert habe. Die Experten von Fisch Asset Management glauben, es ist höchst unwahrscheinlich, dass sich diese Entwicklung in diesem Ausmaß wiederholt. So würden sich die Fundamentaldaten von Schwellenländer-Unternehmensanleihen solide zeigen. Viele Unternehmen seien in bester Verfassung und in manchen Fällen besser aufgestellt als vor der Pandemie. Unter der Annahme einer "milden" US-Rezession beziehungsweise einem Soft-Landing dürfte die Ausfallrate im Jahresvergleich im Jahr 2024 sinken. Das Refinanzierungsrisiko sei tragbar und obwohl die Risiken einer tieferen und länger andauernden globalen Rezession bestehen bleiben würden, seien die Experten zuversichtlich. (19.07.2023/alc/a/a)



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