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04.07.23 12:21
Warnsignale bei Aktien und High-Yield-Anleihen

Zürich (www.anleihencheck.de) - Die jüngste Entwicklung der Geldmengen, die Kreditvergabe der Banken und der Abbau der Zentralbankbilanzen deuten in den USA und Europa (sowie teilweise anderen Regionen) auf einen beschleunigten Abbau der Liquidität im Finanzsystem, so Beat Thoma, CIO bei Fisch Asset Management.

Die aktuelle Emission von US T-Bills im Umfang von 1000 Milliarden US-Dollar entziehe dem Markt zusätzlich Liquidität. Ein Teil davon werde über den Abbau von Überschussreserven der Banken bei der Fed finanziert und damit der direkte Markteinfluss vermindert. Trotzdem verbleibe netto ein stark liquiditätsmindernder Einfluss an den Finanzmärkten. Gleichzeitig würden global die Leitzinsen weiter steigen. Die restriktive Geldpolitik und die fallenden Geldmengen hätten historisch stets mit einer Verzögerung von mindestens zwölf Monaten gewirkt. Da der erste Zinsschritt der FED aber im März 2022 erfolgt sei, seien die Märkte spätestens jetzt in das kritische Wirkungsfenster vorgerückt.

Noch sei die Konjunktur in den USA widerstandsfähig. Dies sei aber nur auf die erwähnte verzögerte Wirkung der restriktiven Geldpolitik und einen robusten Arbeitsmarkt zurückzuführen, der den Konsum als zentrale Treibkraft des Wachstums stütze. Zudem würden in Geldmarktfonds angelegte Ersparnisse hohe Zinseinnahmen generieren, die den Konsum zusätzlich ankurbeln würden. Auch ermögliche die nach wie vor hohe Inflation, dass die Unternehmen ihre Verkaufspreise und damit die Gewinnmargen hochhalten würden. Allerdings würden einige Frühindikatoren und stark invertierte Zinskurven auf eine bald abnehmende Konjunkturdynamik deuten. So hätten sich die sehr zuverlässigen ‚Conference Board Economic Leading Indicators‘ global erneut abgeschwächt und würden eine Rezession im vierten Quartal dieses Jahres signalisieren. Und für dasselbe Quartal berechne die FED Cleveland eine Rezessionswahrscheinlichkeit von 80 Prozent für die USA. Die Eurozone befinde sich bereits in einer milden technischen Rezession und China kämpfe mit starkem Gegenwind.

Es mache sich bemerkbar, dass das Augenmerk der Finanzmärkte sich von positiven Faktoren immer mehr zu den negativen Faktoren verschiebe. Dies seien beispielsweise die restriktive Geldpolitik, fallende Geldmengen, abnehmende Marktbreite, hohe Bewertungen und sich verschlechternde Markttechnik. Damit sehe man an den Aktien- und High-Yield-Kreditmärkten bereits jetzt Warnsignale. Aufgrund der aktuell gefährlichen Kombination aus abkühlender Konjunktur bei gleichzeitig restriktiver Geldpolitik positioniere sich Fisch Asset Management unverändert defensiv in allen Strategien mit Aktien- und High-Yield-Exposure in den USA und Europa. Die derzeitige Großwetterlage dürfte in absehbarer Zeit die Unternehmensgewinne unter Druck setzen und gleichzeitig die Refinanzierungsmöglichkeiten von Schuldnern mit tieferer Bonität deutlich einschränken. Dies dürfte zu einer Ausweitung der Credit Spreads und auch zu Abwärtsdruck an den Aktienmärkten führen. Eine Rezession sei zudem an den Märkten derzeit nicht eingepreist.

In Japan und den Emerging Markets schätze Fisch Asset Management die Lage insgesamt etwas positiver ein. Japan habe noch eine äußerst lockere Geldpolitik mit positivem Einfluss auf den Aktienmarkt. Die Emerging Markets seien im monetären Straffungszyklus bereits weiter fortgeschritten. Eine konjunkturelle Abschwächung könnte mit Zinssenkungen durch die Notenbanken bekämpft werden. Fisch Asset Management positioniere sich deshalb neutral und nutze verschiedene interessante Opportunitäten bei Unternehmensanleihen, insbesondere im Investment-Grade-Segment. Bei Investment-Grade-Unternehmensanleihen dürften steigende Credit Spreads im Fall einer Rezession durch sinkende langfristige Zinsen kompensiert werden. Zudem biete der Markt aktuell einen attraktiven Zins-Carry. Dies führe insgesamt zu einer positiven Total-Return-Erwartung. (04.07.2023/alc/a/a)


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