Oberursel (www.anleihencheck.de) - Die Renditen von Bundesanleihen haben sich im Zuge des Crashs des Jahres 2022 aus dem negativen Bereich deutlich in das positive Terrain emporgeschwungen, so die Experten der ALTE LEIPZIGER Trust.
Nach einem Anstieg bis auf 2,71% im Februar dieses Jahres und einem anschließenden Rücksetzer unter die 2%-Marke sei es dann im Juni wieder bis auf gute 2,5% mit den 10-jährigen Bundrenditen nach oben gegangen. In den seit Ende Januar 2022 zurückliegenden Zeiten von Negativrenditen seien in der Spitze minus 0,60% bei Bundesanleihen mit gleicher Laufzeit notiert worden.
Gründe für die nicht nur bei deutschen Anleihen zu beobachtenden Renditeanstiege seien die Inflationsentwicklung und die zu deren Eindämmung veranlassten Leitzinserhöhungen der internationalen Zentralbanken rund um den Globus gewesen. Zum Beispiel habe die EZB ihren Hauptrefinanzierungssatz in acht Zinsschritten um 400 Basispunkte seit Juli 2022 erhöht. So habe die restriktive Zinspolitik die Anleiherenditen über viele Monate dorthin getrieben, wo sie aktuell stünden.
Aber der Renditeanstieg scheine nunmehr gedeckelt und drehe in diesen Tagen nicht mehr weiter nach oben. Würden etwa Ankündigungen von neuen Zinsschritten, so wie zuletzt von EZB-Chefvolkswirt Lane oder von EZB-Chefin Lagarde kommen, dann gehe es zwar mit der zehnjährigen Bundrendite noch ein Stück weiter nach oben, aber wirklich große Renditesprünge gebe es nicht mehr. In der umgekehrten Richtung zeige der Markt aber inzwischen deutlichere Signale.
Die Wirtschaft sei im Rezessionsmodus angekommen. Der Anleihemarkt sollte den beschriebenen EZB-Kurs bereits weitestgehend eingepreist haben. Mit Blick auf die Renditen sollte indes mehr Potenzial nach unten als Luft nach oben geben sein, weshalb sich wieder Kurssteigerungschancen ergeben würden. Und das bedeute: Die Umsätze der Unternehmen seien ebenso rückläufig wie die Gewinne. In der Folge würden Entlassungen drohen oder würden vorgenommen. Investitionen würden unterbleiben oder würden zumindest verschoben. Die Wirtschaft sei also im Rückwärtsgang, die Konjunktursorgen würden zunehmen.
Zuletzt sei der Einkaufsmanagerindex für den Dienstleistungssektor, das verlässlichste Konjunkturbarometer für den Euroraum, für den Berichtsmonat Juni überraschend stark von 55,1 auf 52,4 gefallen. Zusätzlich sei der Index für das Verarbeitende Gewerbe mit 43,6 weiter in den rezessiven Bereich gerutscht.
Ein zusätzlicher Dämpfer für das Stimmungsbild in der deutschen Wirtschaft sei dann mit der Veröffentlichung des ifo-Geschäftsklimas gefolgt. Denn dieses sei im Juni zum zweiten Mal in Folge eingebrochen - von vormals 91,5 auf nun 88,5. Für den starken Rückgang, der deutlicher als erwartet ausgefallen sei, habe sich insbesondere die Erwartungskomponente verantwortlich gezeigt. Die Unternehmen hätten ihre Geschäftserwartungen für die kommenden sechs Monate von 88,3 auf 83,6 deutlich nach unten revidiert.
Im Vergleich hierzu sei der Rückgang bei der Einschätzung der gegenwärtigen Geschäftslage moderat ausgefallen. Per saldo verringere sich insgesamt die kaufkräftige Nachfrage. Das verringere auch den Aufwärtsdruck bei der Inflation, weshalb den Zentralbankern der Druck genommen werde, bei den Leitzinsanhebungen nachzulegen. Bei den Bundrenditen spreche also vieles für einen Abstieg der Renditen. Im Umkehrschluss sollten die Kurse dieser Papiere von der beschriebenen Entwicklung profitieren. (Ausgabe Juli 2023) (30.06.2023/alc/a/a)
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