Zürich (www.anleihencheck.de) - Thomas Fischli Rutz, Head Emerging Markets bei Fisch Asset Management, äußert sich zum Markt der Schwellenländer-Corporates.
Seit der Finanzkrise sei der US-Dollar (USD) ungebremst gestiegen, insbesondere gegenüber den Währungen von Schwellenländern. Dieser unaufhaltsame Aufstieg verliere jedoch seit einiger Zeit an Fahrt. Es werde spürbar, dass die Abschwächung und eine damit verbundene Aufwertung der Lokalwährungen die Schwellenländer entlasten würden. Insbesondere würden die USD-denominierten Schulden von Staaten und Unternehmen aus Schwellenländern tragfähiger und ihre Refinanzierungskosten würden sich verringern. Dies führe mittelfristig zu verbesserten Kreditratings und sollte weitere Kapitalzuflüsse bewirken und das Wachstum anheizen. Denn Kapital aus dem Ausland steigere zusätzlich die Produktion und da viele Schwellenländer-Währungen seit Jahren strukturell unterbewertet seien, bestehe ausreichend Aufwertungspotenzial. Dies setze einen sich selbst verstärkenden Kreislauf in Gang.
Die jahrelange Dollar-Stärke habe schwerwiegende negative Folgen für viele Schwellenländer (EM) gehabt. Die Direktinvestitionen in EM seien stark rückläufig gewesen, gleichzeitig hätten sich die Zinskosten der Staaten und Unternehmen erhöht, die Kredite in USD aufgenommen hätten. Auch die Inflation in den Schwellenländern sei angestiegen, weil sich Importe aus dem Ausland verteuert hätten. Um ihre Lokalwährungen zu stützen, hätten viele Zentralbanken daher zu einer restriktiven Zins- und Devisenpolitik gegriffen und einen stattlichen Teil ihrer Devisen- und Goldreserven aufgelöst. Trotz regelmäßiger Interventionen hätten viele Schwellenländer-Währungen an Wert verloren, da die Wachstumsunterschiede zwischen den Schwellenländern und den Industrieländern in dieser Zeit zu gering ausgefallen seien, um Investorengelder anzuziehen.
Doch nun sehen wir eine neue Gesamtsituation, so die Experten von Fisch Asset Management. Eine massive Verschuldung, eine nachlassende Nachfrage nach US-Wertpapieren und eine schwächere US-Konjunktur würden ein schwer lösbares Dilemma für die US-Notenbank darstellen. Die US-Inflation habe sich auf hohem Niveau eingependelt und zwischenzeitlich leicht beruhigt. Die wichtige technische Marke von 1,10 im EUR/USD-Verhältnis sei erreicht und biete kurzfristig Potenzial für eine Konsolidierung oder leichte Korrektur, jedoch eröffne die vorübergehende Erholung Investoren die Möglichkeit, um weiteres Dollar-Risiko abzubauen.
Es sollte nicht vergessen werden, dass im Gegensatz zu den Industrieländern, die Zentralbanken der Schwellenländer frühzeitig entschlossen gehandelt und die Zinsen deutlich angehoben hätten, um den Inflationsdruck einzudämmen. Dadurch seien sie heute in einer besseren Ausgangslage als ihre Pendants in den Industrieländern.
Grundsätzlich seien Währungsschwankungen in den Schwellenländern für Investoren von größter Bedeutung. Sie könnten signifikante Rückkopplungseffekte auf das Marktsentiment und den Risikoappetit auslösen. Zuflüsse in die Anlageklasse könnten sich sehr schnell und stark positiv auf die Finanzen eines Landes oder die Bilanzen von EM-Unternehmen auswirken. Entsprechend sollte sich dies zeitnah auf die zu erzielenden Renditen auswirken.
Schwellenländer hätten über die Jahre verschiedene Wege gefunden, sich gegen die Auswirkungen der Dollarschwankungen abzusichern. Einige Länder hätten ihre Währungen an den Dollar gebunden oder eine enge Bandbreite für Währungsschwankungen festgelegt, andere hätten versucht die USD-Abhängigkeit zu verringern und viele dort ansässige Unternehmen hätten sich zunehmend in ihren jeweiligen Lokalwährungen refinanziert. Ein schwächerer USD und dementsprechend stärkere EM-Lokalwährungen würden die Staatsfinanzen und Unternehmensbilanzen in mancher Hinsicht stark entlasten. Insbesondere Rohstoff-exportierende Staaten - und die mit ihnen verbundenen Unternehmen - wie Brasilien, Kolumbien, Mexiko, Indonesien, China und Südafrika könnten überdurchschnittlich von der USD-Schwäche profitieren. Generell würden EM-Corporates derzeit attraktive Risikoprämien bieten. Investoren würden in den Schwellenländern somit für das Risiko fair bezahlt und mit dem globalen Anstieg der Zinsen gewährleiste die Anlageklasse einen hohen Carry. (12.06.2023/alc/a/a)
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