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05.06.23 10:26
Marktbreite und Liquidität fallen besorgniserregend

Zürich (www.anleihencheck.de) - Aufgrund global sehr solider Konsumausgaben und der Gefahr eines Wiederaufflackerns der Inflation sowie bald wieder erhöhten Staatsausgaben (nach der Anhebung der US-Schuldenobergrenze) ist mit keiner schnellen geldpolitischen Wende zu rechnen, so Beat Thoma, CIO bei Fisch Asset Management in Zürich.

Die Notenbanken seien trotz langsam abkühlender Konjunktur gezwungen, weiterhin Liquidität aus dem System zu nehmen. Zusätzlich liquiditätsmindernd sei eine stark rückläufige Kreditvergabe aufgrund der noch immer schwelenden Bankenkrise in den USA und dem damit verbundenen Abfluss von Bankeinlagen. Zudem würden die Kreditvergabebedingungen (Lending Standards) deutlich verschärft. Auch in Europa sei die Kreditvergabe der Banken rückläufig. Insbesondere Schuldner mit tieferer Bonität würden bereits jetzt zunehmenden Gegenwind bei der Refinanzierung ihrer Schulden spüren.

Anhaltend schwache Immobilienmärkte sowohl in den USA als auch in Europa sowie der Verkauf von Staatsanleihen durch die Notenbanken (FED, EZB) und das US-Treasury von geschätzt mehr als 900 Milliarden US-Dollar in den kommenden Monaten würden zudem den ohnehin schon signifikanten Liquiditätsentzug an den Finanzmärkten verstärken. Alle erwähnten liquiditätsmindernden Faktoren seien in den vergangenen Monaten teilweise durch Sonderfaktoren (Notfall-Liquidität, Abbau des Treasury General Account, private Geldschöpfung) kompensiert worden. Diese Kompensationseffekte würden jetzt aber mehrheitlich wegfallen und es müsse mit einem wieder verstärkten Einfluss der restriktiven Geldpolitik gerechnet werden.

Auffällig sei zudem, dass an den US-Aktienmärkten die Marktbreite in historisch selten zu beobachtendem Ausmaß abnehme. Seit Mitte März laufe der breite Markt gemessen am Russel 2000 Index deutlich schlechter als der S&P 500. Investoren hätten mit der großen Mehrheit der Aktien seit März nichts mehr verdient. Von den 500 Aktien im S&P 500 seien nur acht Titel angestiegen (Apple, Tesla, Microsoft, NVIDIA, Facebook/Meta, Amazon, Netflix und Google/Alphabet). Mit allen anderen hätten Anleger dagegen Geld verloren. Dies sei ein indirektes Signal einer schnell abfließenden Finanzmarktliquidität und dürfte in absehbarer Zeit auf die Investorenstimmung drücken.

Viele Anleger seien trotz der Höchststände bei einzelnen Indices im Minus (auch auf Jahresbasis) und dürften deshalb immer beunruhigter werden. Abnehmende Marktbreite könne bildlich mit einer Armee im Angriff beschrieben werden, bei der nur noch einige wenige Generäle nach vorne stürmen würden, die Truppe aber bereits in die Gegenrichtung abrücke - ein aussichtsloses Unterfangen. Dementsprechend seien Marktbreitenschwankungen in der Vergangenheit stets gute mittelfristige Timing-Signale gewesen. Sie seien Ausdruck einer zunehmenden Spannung zwischen Auftriebskräften und abnehmender Liquidität.

Insgesamt ergebe sich daraus weiterhin ein anspruchsvolles Umfeld für die Aktien- und teilweise auch für High-Yield-Märkte. Die Kombination aus schnell fallender Liquidität sowie einer Abschwächung der Konjunktur und der Unternehmensgewinne liefere hier spürbaren Gegenwind. Gleichzeitig seien die Bewertungen immer noch verhältnismäßig hoch und eine Rezession sei nicht eingepreist. Die Experten würden deshalb in unseren Strategien mit Aktien- und High-Yield-Exposure defensiv positioniert bleiben. Langfristige Staatsanleihen könnten wegen der hohen Emissionen aufgrund der Anhebung der US-Schuldenobergrenze kurzfristig unter Druck geraten, dann aber wieder zulegen. Daraus ergebe sich auch ein neutrales bis leicht positives Umfeld für Investment-Grade-Unternehmensanleihen, auch in den Emerging Markets. (05.06.2023/alc/a/a)


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