Wien (www.anleihencheck.de) - Am Zinsmarkt wird in der kommenden Woche Hochbetrieb herrschen, immerhin stehen die Zinssitzungen der US FED und EZB am Programm, so die Analysten der Raiffeisen Bank International AG (RBI).
Die Ausgangslage für die Europäische Zentralbank stelle sich wie folgt dar: Beim März-Meeting seien die Leitzinsen um 50 Basispunkte erhöht und die Richtschnur ausgegeben worden, die weiteren Schritte von Wirtschaftsdaten und der Lage am Finanzmarkt abhängig zu machen. Die Abrechnung der Analysten falle wie folgt aus: Die Wirtschaft halte sich seit Monaten besser als befürchtet, einer Schwäche im Industriebereich stehe eine deutliche Belebung im Dienstleistungssektor gegenüber. Die Inflationsrate habe sich deutlich reduziert, liege aber noch immer weit über dem Zielbereich. Die Preissteigerungsraten hätten auch nachfragebedingt stark angezogen. Der Teuerungsdruck drohe vor allem im Dienstleistungsbereich für längere Zeit erhöht zu bleiben, und die langfristigen Inflationserwartungen am Finanzmarkt seien am oberen Rand der EZB-Akzeptanz.
Auch die Federal Reserve werde nächste Woche die Leitzinsen um 25 Basispunkte erhöhen. Zumindest sei dies die Erwartung der Analysten sowie auch jene des Finanzmarkts. Eine drastische Verschärfung der Finanzierungskonditionen im Zuge der Banken-Turbulenzen habe verhindert werden können und die Veröffentlichungen zum Arbeitsmarkt und der Inflation seit der letzten FED-Sitzung hätten keine abrupte Trendumkehr gebracht. Somit schließen die Analysten der RBI ein Szenario, in welchem die Leitzinsen nächste Woche nicht erhöht werden, aus. Der Fokus werde vielmehr darauf gerichtet sein, ob dies die letzte Zinserhöhung darstelle, was den breiten Konsensus bilde. Auf der letzten Zinssitzung sei die Forward Guidance zum Leitzinsverlauf abgeschwächt worden und eine weitere Abschwächung in der Pressemitteilung zur Zinssitzung nächste Woche müsste wohl erfolgen, um dies vorzubereiten.
Als der letzte Zinszyklus 2018/19 geendet habe, habe sich die FED als "geduldig" im Hinblick auf weitere Anpassungen der Leitzinsen gezeigt. Nach Meinung der Analysten werde eine Abschwächung der Forward Guidance wohl dennoch gepaart sein mit dem Bekenntnis (Pressekonferenz), dass es noch ein langer Weg sein werde, bis die Preisstabilität wieder erreicht sei (Leitzinsen für längere Zeit im restriktiven Bereich) und die Geldpolitik ihrem datenabhängigen Ansatz treu bleibe. In Hinblick auf Daten stünden kommende Woche sowohl die ISM-Indices als auch der Arbeitsmarktbericht zur Veröffentlichung an. Die ISM-Indices seien interessant, da sie Aufschlüsse darüber liefern könnten, ob sich die Konjunkturschwäche gegen Ende des ersten Quartals fortsetze. Für den Arbeitsmarktbericht werde eine weitere Entschleunigung des Beschäftigungswachstums auf unter 200T erwartet, bei gleichzeitig keiner weiteren Beschleunigung des Lohnwachstums. Eine maßvolle Abschwächung der Konjunktur- bzw. Arbeitsmarktdynamik ist konsistent mit unserer FED-Meinung, so die Analysten der RBI.
Die April-Inflationsdaten für die Eurozone würden ebenso kommende Woche erscheinen. Die Analysten der RBI erwarten einen leichten Anstieg der Inflationsrate auf 7,2% im Jahresvergleich, nach 6,9% im März. Dieser Anstieg dürfte nur eine vorübergehende Erscheinung sein, da er fast ausschließlich auf einen Basiseffekt bei den Energiepreisen zurückzuführen sei, da die Preise im April 2022 nach einem deutlichen Anstieg im März gesunken seien. Für die anderen Teile des Warenkorbs dürfte die Schnellschätzung gute Nachrichten bringen: Die Inflation bei den Lebensmittelpreisen dürfte sich allmählich verlangsamen, und die Analysten würden erwarten, dass die Kerninflation auf 5,6% im Jahresvergleich zurückgehen werde, gegenüber 5,7% im März. Damit dürfte ein langer und allmählicher Rückgang der Kerninflation einsetzen und die Frage sollte nun nicht mehr sein, ob sie zurückgehe, sondern wie lange sie anhalte und auf welchem Niveau sie schließlich landen werde. (28.04.2023/alc/a/a)
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