Frankfurt (www.anleihencheck.de) - Mit Blick auf die USA bereiteten den Anlegern in den letzten Monaten vor allem die Zins- und die Inflationsentwicklung Sorgen, so Matthew Benkendorf, CIO bei Vontobel Quality Growth.
Was die Zinsen betreffe, so habe die FED bis zur Bankenkrise damit mehr zu tun gehabt. Aber die Krise habe das Vertrauen erschüttert und den Plan der FED erschwert, durch eine Erhöhung der Zinssätze und die Verringerung der Bilanzsumme das Wirtschaftswachstum zu bremsen und die Inflation zu dämpfen.
Die Vertrauenskrise im Bankensektor habe wahrscheinlich die Notwendigkeit künftiger Zinserhöhungen verringert. In Anbetracht der gegenwärtigen Inflationssituation glaube Matthew Benkendorf zwar, dass weitere Zinserhöhungen bevorstünden. Aber viele würden es vermutlich nicht sein, und sie würden sich eher im Bereich von 25 Basispunkten bewegen. "Prognosen sind nicht unsere Sache, aber wenn wir die Wirtschaftswachstumsdaten berücksichtigen, so befinden wir uns nahe des Zinshöhepunktes, was jedoch nicht unbedingt eine automatische Umkehr der Entwicklung bedeutet", so Benkendorf. Das sei eher das Wunschdenken einiger Marktteilnehmer.
Die Anleger sollten daran denken, dass eine Korrektur des Inflationspfades immer Geduld und eine wirtschaftliche Normalisierung erfordere. Zinserhöhungen seien ein wirksames Instrument, aber sie würden mit Verzögerung wirken, und es werde einige Zeit dauern, bis sich die Auswirkungen der bisherigen Zinserhöhungen auf das Wirtschaftswachstum zeigen würden. Obwohl der Inflationsdruck nachgelassen habe und wahrscheinlich auf ein komfortables Niveau sinken werde, dürfte er wahrscheinlich strukturell höher bleiben, als man es gewohnt sei.
Nach Meinung der Experten sei der Bankensektor immer noch gut kapitalisiert, und die FED verfüge über genügend Munition, um dieses Problem zu lösen. Wenn es dem Sektor wieder gelinge, Vertrauen zu gewinnen, werde sich das Rezessionsrisiko wahrscheinlich verflüchtigen.
Die Anleger sollten die Möglichkeit weiterer externer Schocks allerdings nicht außer Acht lassen. Zu den potenziellen Auslösern zähle die Anhebung der US-Schuldenobergrenze, die derzeit im Kongress diskutiert werde. Ein Scheitern mit all seinen Folgen könnte das Vertrauen sowohl der Unternehmen als auch der Verbraucher weiter beeinträchtigen und zu einer unnötigen Volatilität an den Kapitalmärkten führen, die das Wachstum noch stärker bremsen könnte.
Die Zinserhöhungen und der Zusammenbruch der Silicon Valley Bank würden dafür sorgen, dass die Refinanzierungskosten vor allem in den Sektoren ein Thema würden, die seit über zehn Jahren recht aggressiv finanziert würden. Hier werde man Auswirkungen sowohl auf die Kreditkosten als auch auf die Beschränkung der Kreditvergabe sehen. Cash-arme Unternehmen und solche, die auf eher spekulative Weise finanziert worden seien, dürften unter Druck geraten. Sektoren wie Technologie und zyklische Konsumgüter wären ebenso betroffen wie einige aggressive Geschäftsmodelle im Finanzbereich und in spekulativen Bereichen. Die Experten würden davon ausgehen, dass der Markt irgendwann korrigieren werde, was natürlich und gesund wäre.
Vor dem Hintergrund der Unsicherheiten und Unwägbarkeiten sollten Anleger gut positionierte Unternehmen in Sektoren bevorzugen, deren Geschäfte von klaren und robusten Faktoren angetrieben würden. Der Gesundheitssektor beispielsweise sei in Bezug auf die zugrunde liegenden Trends und Faktoren recht gut vorhersehbar. Das Gleiche gelte für die Konsumgüterindustrie. Hier seien Aktien von Herstellern hochwertiger Konsumgüter mit Preissetzungsmacht und Potenzial für langfristige Umsatzsteigerungen besonders attraktiv. Ausgewählte Unternehmen in beiden Sektoren seien eher in der Lage, den Inflationsdruck weiterzugeben. (31.03.2023/alc/a/a)
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