Wiesbaden (www.anleihencheck.de) - In der letzten Handelswoche gab es drei marktbewegende Zinsentscheide mit anschließenden Pressekonferenzen der US-Notenbank (FED), der Europäischen Zentralbank (EZB) und der Bank of England (BoE), sowie am Freitag den neusten US-Arbeitsmarktbericht, so Markus Blaschzok, Chefanalyst der SOLIT Gruppe.
Der Silberpreis, der seit fast zwei Monaten in einer engen Spanne von nur 1,20 US-Dollar gehandelt habe, sei um zwei US-Dollar gefallen, nachdem schockierend starke US-Arbeitsmarktdaten die Wahrscheinlichkeit für weitere Leitzinsanhebungen der FED erhöht hätten. Der Goldpreis sei am Freitag um 100 US-Dollar eingebrochen, nachdem bereits am Vortag an dem wichtigen technischen Widerstand bei 1.960 US-Dollar Gewinnmitnahmen eingesetzt hätten.
Der US-Index habe am Mittwoch noch ein 10-Monatstief bei 100,7 Punkten erreicht und sei von dort aus um 2 Punkte angestiegen, nachdem US-Notenbankchef Jerome Powell auf der Pressekonferenz der FED unerwartet dovish gewesen sei. Diametral gegensätzlich sei der Euro kurzzeitig auf über 1,10 US-Dollar geklettert, worauf ein Einbruch nach der EZB-Pressekonferenz am Donnerstag und den US-Arbeitsmarktdaten am Freitag auf 1,078 US-Dollar gefolgt sei.
Die Korrektur des Goldpreises habe die Goldminenaktien mit nach unten gezogen, die zur Vorwoche um 5,7% gefallen seien. Vom Wochenhoch bei 270 Punkten habe der HUI-Goldminenindex auf 244 Punkte korrigiert. In den drei Monaten davor sei dieser mit dem Goldpreis um 50% angestiegen, weshalb eine Korrektur des Kursanstiegs überfällig gewesen sei.
Ein überraschend dovisher US-Notenbankchef habe am vergangenen Mittwochabend den US-Dollar in den vermutlich vorerst finalen Abverkauf geschickt, wodurch der Goldpreis kurzzeitig auf ein 10-Monatshoch bis an den Widerstand bei 1.960 US-Dollar gesprungen sei. Der Leitzins sei wie erwartet um 0,25% Prozent auf die neue Spanne von 4,5% bis 4,75% angehoben worden, doch bereits die Pressemitteilung sei - wenn auch unspektakulär - dovisher gewesen, als der Markt erwartet habe. Trader und Investoren hätten sich zurückgehalten und hätten auf die anschließende Pressekonferenz gewartet, die im letzten Jahr zumeist deutlich hawkisher gewesen sei.
Diesmal sei Powell jedoch überraschend dovish in seiner Rede und der anschließenden Fragerunde gewesen. Einzig hawkish sei die Formulierung "anhaltender Zinsanhebungen" im Plural gewesen, was keine Pause im März signalisiere. Auch in der späteren Fragerunde habe Powell mehrmals betont, dass der Job der Inflationsbekämpfung noch nicht abgeschlossen sei.
Dovish sei hingegen die Feststellung gewesen, dass die Inflation "etwas nachgelassen hat", jedoch "weiterhin erhöht ist". Dovish sei auch gewesen, dass man sich beim FOMC nicht mehr auf die Höhe der Zinsschritte fokussiere, sondern wie weit diese noch gehen sollten, bevor man sie beende. In der anschließenden Rede von Jerome Powell sei klar geworden, dass die FOMC-Mitglieder bereits über eine Pause gesprochen hätten, was ebenso dovish interpretiert worden sei. Dennoch habe er gesagt, dass kontinuierliche Erhöhungen des Zielbandes weiterhin angemessen wären, um einen geldpolitischen Kurs zu erreichen, der restriktiv genug sei, um die Inflation im Laufe der Zeit auf 2% zurückzuführen.
Die FED werde letzten Endes sogar ihre Zinsanhebungen beenden, doch nicht wegen einer starken Wirtschaft, sondern weil man sich vor einer starken Rezession mit schnell und stark steigender Arbeitslosigkeit fürchte. Nach dem längsten Konjunkturaufschwung der US-Geschichte und einem Jahrzehnt planwirtschaftlicher Nullzinsen, sei eine Bereinigung von Fehlallokationen in einer starken Rezession unausweichlich. Um letztlich nicht die Kontrolle über den Zinsmarkt zu verlieren, was den Bankrott von Unternehmen und Staaten nach sich ziehen würde, werde man frühzeitig damit beginnen die Zinskurve durch neuerliche QE-Programme zu kontrollieren, so wie es die BoJ versuche.
Das Ziel werde sein, die Inflation hoch und die Zinsen für Staatsanleihen relativ niedrig zu halten, sodass weiterhin stark reale Negativzinsen die Entschuldung des Kreditgeldsystems fortsetzen würden. Der Preis dafür werde die Kaufkraft der Währung und somit die Ersparnisse der Volkswirtschaft sein, was letztlich die Stagflation vergrößern werde. Die US-Notenbank, ebenso wie alle anderen Notenbanken, wissen dass eine Rezession unvermeidlich ist, weshalb man kein Interesse daran hat, die Inflation zu bekämpfen, so Blaschzok.
Würden Powell und die FED ihren Kampf gegen die Inflation ernst nehmen, würden sie die Geldmenge zurückführen, den Leitzins auf ein faires Marktniveau deutlich oberhalb der Inflationsrate anheben, die Regierung zur Haushaltsdisziplin ermahnen und vor der weiteren Aufnahme von Schulden warnen.
Welche exogenen Sündenböcke werde man den Menschen als Ursache für die Rezession und die nötigen QE-Programme verkaufen?
Die nächsten Monaten in 2022 könnten die Aktienmärkte in Hoffnung auf eine bald wieder heile Welt durchaus weiter ansteigen und eine Fortsetzung der Rally am Goldmarkt pausieren. Spätestens wenn die Arbeitslosigkeit in den Himmel schieße und etwas an dem Märkten kurz vor dem Zusammenbruch stehe, würden die Notenbanken neue Gelddruckprogramme umsetzen. Smarte Investoren würden frühzeitig diese Schritte antizipieren und die Edelmetalle, sowie die entsprechenden Minenaktien auf neue Allzeithochs ansteigen.
Die neuen US-Arbeitsmarktdaten hätten den Goldpreis nach deren Veröffentlichung am Freitagnachmittag auf Talfahrt geschickt. Mit 517 Tsd. neu geschaffener Stellen außerhalb der Landwirtschaft im Januar sei die Markterwartung von 188 Tsd. um Lichtjahre geschlagen worden. Die Märkte hätten völlig verrückt gespielt, da die Markterwartung in der Regel nie so deutlich verfehlt werde. Sofort hätten Investoren begonnen weitere Zinsanhebungen seitens der FED einzupreisen und hohe Zinsen für längere Zeit. Zuvor hätten die Märkte bis Ende des Jahres bereits zwei Zinssenkungen eingepreist, was die starke Rallye des USD-Index infolgedessen erkläre.
Anstatt des erwarteten Anstiegs der Arbeitslosenquote von 3,5% auf 3,6%, sei diese auf 3,4% und damit auf den niedrigsten Stand seit 1969 gefallen. Neue Arbeitsstellen seien in allen Bereichen der Wirtschaft geschaffen worden, was angesichts der unablässigen Nachrichten über Massenentlassungen nicht erwartet worden sei. Die Ursache des starken Arbeitsmarktberichts liege in massiven statistischen saisonalen Anpassungen, was in Verbindung mit einer historischen Revision der Haushalts- und Betriebsumfragen zu einer massiven Übertreibung bei den neuesten Arbeitsmarktdaten geführt habe. Es habe eine ganze Reihe an Datenkorrekturen gegeben, darunter eine Aktualisierung der Bevölkerungskontrollen, was die Zahl der Arbeitskräfte statistisch erhöht habe. Darüber hinaus habe es eine Aktualisierung der saisonalen Faktoren gegeben, die die Zahl der Beschäftigten außerhalb der Landwirtschaft im Januar weiter verzerrt hätten. Zumindest seien die Stundenlöhne im Einklang mit den Erwartungen um 0,3% oder 10 Cent auf 33,03 US-Dollar gestiegen, was dem Marktkonsens entsprochen habe.
Vor einer jeden Rezession boome der Konjunkturaufschwung am stärksten, stets mit der niedrigsten Arbeitslosigkeit. Man sollte sich daher nicht von diesem statistischen Ausreißer in der Arbeitsmarktstatistik an der Nase herumführen lassen. Die Rezession sei unlängst da und werde sich in diesem und im nächsten Jahr stark zuspitzen. Gold und Silber, sowie die Miners würden stark ansteigen, sobald sich nur andeute, dass die Notenbanken planen würden wieder mit neuen QE-Programmen in die Märkte einzugreifen. (07.02.2023/alc/a/a)
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