Los Angeles (www.anleihencheck.de) - Im Jahr 2023 können nicht nur Emerging Market- sondern auch High Yield-Anleihen für Anleger wieder interessant sein. Dieser Auffassung ist Peter Becker, Investment Director bei Capital Group.
Besonders der amerikanische High Yield-Markt erscheine so gesund und stabil wie seit Jahren nicht mehr.
Der Realrenditevorsprung der Emerging Markets gegenüber den Industrieländern sei nach wie vor positiv, obwohl er einen Rückgang verzeichnet habe. Zugleich seien die Emerging-Market-Währungen wegen der anhaltenden Dollarstärke noch immer stark unterbewertet. "Besonders Titel aus Lateinamerika, etwa aus Brasilien, Kolumbien oder Mexiko erscheinen attraktiv", so Becker. "Die Zinsen sind dort frühzeitig angehoben worden, dadurch blieb die Inflation unter Kontrolle und die Währungen stabil."
Der Experte sehe auch in Mitteleuropa Chancen. Jahrelang seien die Zinsen hier niedrig gewesen. Das ändere sich jetzt. Überall in Europa hätten die Notenbanken die Leitzinsen stark angehoben, um die Inflation einzudämmen. In Tschechien und Polen seien diese aber zuletzt unverändert geblieben, es sei möglich, dass die Zinserhöhungen hier bereits vorbei seien.
Auch am zuletzt so stark gebeutelten High Yield-Markt sehe Becker Perspektive: "Der amerikanische High-Yield-Markt scheint jetzt so gesund und stabil wie seit Jahren nicht mehr." Anfang 2022 seien die amerikanischen High-Yield-Spreads mit etwa 300 Basispunkten so niedrig gewesen wie selten, die Renditen hätten bei gerade einmal 4,3 Prozent gelegen. "Anfang November sind die Spreads dann auf etwa 500 Basispunkte gestiegen, und die Renditen haben sich mehr als verdoppelt, auf über 9 Prozent. Kurz gesagt: High Yield wird seinem Namen wieder gerecht."
Die Fundamentaldaten hätten sich ebenfalls verbessert, viele Emittenten hätten die extrem niedrigen Zinsen der letzten Jahre genutzt, um sich zu refinanzieren. Darüber hinaus sei es während der Corona-Pandemie bei einigen schwächeren Emittenten zu Zahlungsausfällen gekommen, die übrigen seien dagegen gestärkt aus der Krise hervorgegangen. "Die durchschnittliche Kreditqualität des Index hat sich dadurch verbessert", erläutere Becker." 50 Prozent des amerikanischen High Yield Index hätten nun eine BB Rating, das höchste Rating unterhalb der Investmentgrade-Grenze.
Laut Becker gebe es zwar weiterhin Herausforderungen, die vor Anlegern lägen: "Das Potenzial für kurzfristige Volatilität bleibt bestehen." Doch die höheren Renditen infolge des diesjährigen Ausverkaufs sollten einen Puffer gegen weitere Schwäche bieten. "Wie immer werden die Auswahl und eine strenge Due-Diligence-Prüfung der Schlüssel zum Erfolg sein", resümiere Becker. Auch die sehr niedrigen Ausfallquoten könnten wegen der schwächeren Konjunktur etwas zulegen, Becker rechne jedoch nicht mit einem massiven Anstieg. (02.02.2023/alc/a/a)
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