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21.12.22 14:33
Columbia Threadneedle Chefvolkswirt: Mögliche Szenarien für die US-Inflation

Frankfurt (www.anleihencheck.de) - Jede Woche kommentiert Steven Bell, Chefvolkswirt bei Columbia Threadneedle Investments für die EMEA-Region, das makroökonomische Umfeld und die Nachrichten, die die Märkte beherrschen.

Diese Woche beschäftige er sich mit möglichen Szenarien für die US-Inflation und der Bedeutung für die Märkte.

Die US-Geldpolitik sei ein wichtiger Bestimmungsfaktor für die Finanzbedingungen, nicht nur in den USA, sondern weltweit. Die Märkte seien der Meinung, dass die US-Notenbank ihren Straffungszyklus auf dem aktuellen Zinsniveau oder in der Nähe davon beenden werde: Sie würden den Höchststand des Leitzinses auf 4,84% schätzen, nur eine Nuance oberhalb der derzeitigen Zinszielgrenze von 4,5%. Dieser erwartete Höchststand sei in der letzten Woche um 15 Basispunkte gesunken, und die Märkte würden erwarten, dass die Zinsen bis Anfang 2024 in Richtung 4% fallen würden. Allerdings habe die FED in der vergangenen Woche die Zinsen angehoben und, was noch wichtiger sei, ihre Zinsprognose für Ende 2023 auf 5% geändert.

Die Märkte seien bezüglich der Zinssätze optimistisch, weil der in der letzten Woche veröffentlichte Verbraucherpreisindex den zweiten Monat in Folge niedriger gewesen sei. Die FED erkenne die guten Nachrichten in Form von niedrigeren Preisen für Energie, Waren im Allgemeinen und Gesundheitsversorgung an. Ihr Pessimismus beziehe sich auf den Arbeitsmarkt, der nach wie vor bemerkenswert angespannt sei sowie dem Rekordabstand zwischen den Löhnen für diejenigen, die ihren Arbeitsplatz wechseln würden und diejenigen, die nicht wechseln würden. Dieser enorme Abstand zwinge die Unternehmen dazu, die Löhne ihrer Mitarbeiter zu erhöhen, um sie nicht an Konkurrenten zu verlieren.

Dieses Dilemma löse sich auf zwei Arten: Entweder werde der Arbeitsmarkt nachgeben, was die Märkte in ihren Optimismus bestärke, oder die Inflation erweise sich als hartnäckig, was höhere Zinssätze seitens der FED rechtfertige.

Was bedeute dies alles für die Märkte? In beiden Szenarien nichts Gutes. Wenn sich der US-Arbeitsmarkt Anfang nächsten Jahres abschwächt und wir in eine Rezession geraten, werden die Verbraucher weniger ausgeben und die Gewinnspannen werden sinken, so die Experten von Columbia Threadneedle Investments. Ein Rückgang der Gewinnspannen um 1% entspreche einem Rückgang der Unternehmensgewinne im S&P 500 um 11%. Wenn sich der Arbeitsmarkt nicht abschwäche, werde die FED die Geldpolitik weiter straffen, und auch das sei schlecht für die Märkte.

Die Experten würden an ihrer Einschätzung festhalten, dass der Ausverkauf von Risikoanlagen weitergehen werde. Das Ende des Bärenmarktes sei zwar nicht mehr weit, aber ein Rückgang um 10% sei realistisch. Dies könnte eine Kaufgelegenheit darstellen, da die Experten davon ausgehen würden, dass die Rezession nur von kurzer Dauer und mild sein werde. Man werde sehen. (21.12.2022/alc/a/a)



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