Frankfurt (www.anleihencheck.de) - Die EZB, die FED und die Bank of England (BoE) werden ihre Zinssätze voraussichtlich um 50 Basispunkte erhöhen, so Steven Bell, Chefvolkswirt bei Columbia Threadneedle Investments für die EMEA-Region.
Dabei seien die Statements nach den Sitzungen am interessantesten. Bei der FED gehe Steven Bell von einer aggressiven Haltung aus, bei der EZB und der BoE von einer neutralen Haltung, während sich an der Forward Guidance nichts ändern sollte. Besonders bemerkenswert könnte sein, dass die Zentralbanken ihre Programme zur quantitativen Lockerung rückgängig machen würden.
Die Inflation sei in diesem Jahr in den USA und in Europa so stark gestiegen wie seit Jahrzehnten nicht mehr. Aber das liegt nun hinter uns, und es gibt keinen Grund voreingenommen zu sein - weder hawkish noch bullish, so Steven Bell, Chefvolkswirt bei Columbia Threadneedle Investments.
Was die längerfristigen Aussichten für die US-Inflation angehe, bleibe Chefvolkswirt Bell bei seinem hawkishen Standpunkt. Er gebe zu, dass es schwierig zu verargumentieren sei, da die Zahlen sowohl für die Gesamt- als auch für die Kerninflation besser ausfallen dürften. Die Gesamtinflation habe im Juni mit 9,1 Prozent ihren Höhepunkt erreicht. Dieser Wert sei bereits auf 7,7 Prozent gesunken und die Zahlen dieser Woche würden einen weiteren Rückgang erwarten lassen. Der Kern-Verbraucherpreisindex weise ein flacheres Profil auf, aber auch hier sei ein Rückgang zu erwarten, da die Preise für Waren, insbesondere für Kraftfahrzeuge, sinken würden und die niedrigeren Ölpreise in Bereichen wie den Flugtarifen ihre Zweitrundeneffekte entfalten würden. Auch Basiseffekte würden sich positiv auswirken, da die starken monatlichen Anstiege der letzten zwölf Monate im Jahresvergleich wegfallen würden.
Man könnte entgegenhalten, dass der durchschnittliche Stundenlohn mehr oder weniger gleichgeblieben sei. Im März habe er mit einer Erhöhung um 5,6 Prozent seinen Höchststand erreicht und sei seitdem leicht rückläufig. Allerdings werde dies durch Effekte in der Berechnung verzerrt. In den USA habe es keine Kurzarbeit gegeben, sodass während der Corona-Sperre 20 Millionen Arbeitnehmer entlassen worden seien. Da es sich dabei größtenteils um Niedriglohnempfänger gehandelt habe, seien die Durchschnittslöhne gestiegen, obwohl niemand eine Lohnerhöhung erhalten habe. Da diese Menschen nun wieder eingestellt würden, wirke sich das wieder negativ auf die Durchschnittslöhne in diesem Jahr aus.
Die Lohnveränderungen würden von Forschern der Federal Reserve in Atlanta untersucht, indem sie die Lohnveränderungen derselben Gruppe von Arbeitnehmern in den letzten zwölf Monaten miteinander vergleichen würden. Die Zahlen seien 2022 deutlich angestiegen. Allerdings sei die Stichprobe etwas klein und es gebe eine gewisse Verzerrung nach oben. Aber es sei immer noch das beste Maß für die monatlich verfügbaren US-Löhne.
Die FED hingegen bevorzuge den um einige Effekte bereinigten Beschäftigungskostenindex (Employment Cost Index, ECI), der mehr Stichproben umfasse. Dieser sei jedoch nur vierteljährlich verfügbar, weshalb die monatlichen Zahlen der Atlanta FED ein guter Indikator für den ECI seien. Der nächste ECI erscheine Ende Januar. Steven Bell von Columbia Threadneedle Investments vermute, dass es schlechte Nachrichten für die Inflationsoptimisten sein würden, da sich die US-Inflation als hartnäckig erweisen könnte.
Das sei eine schlechte Nachricht für die kurzfristigen US-Zinsen und eine schlechte Nachricht für Risikoanlagen. Damit die Lohninflation auf ein Niveau sinkt, das nötig ist, um das Ziel der FED zu erreichen, brauchen wir einen Anstieg der Arbeitslosigkeit und eine Rezessio, so Steven Bell, Chefvolkswirt bei Columbia Threadneedle Investments, weiter. Auch das sei keine gute Nachricht für Risikoanlagen.
Trotz der bevorstehenden Feiertage bleibe Chefvolkswirt Bell pessimistisch. "Ich trage meinen Winterpulli, weil es draußen friert, aber ich rechne mit wärmerem Wetter und einer weiteren Aktienrally, auch wenn es bei beiden zunächst nicht danach aussieht", so Steven Bell, Chefvolkswirt bei Columbia Threadneedle Investments. (13.12.2022/alc/a/a)
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