Hamburg (www.anleihencheck.de) - In der Eurozone wird das BIP 2023 praktisch stagnieren, so die Analysten der Hamburg Commercial Bank.
Die von den Analysten prognostizierte Wachstumsrate von 0,4% sei das Ergebnis einer zunächst in Q4 2022 und Q1 2023 schrumpfenden Wirtschaft, die sich dann von diesem niedrigen Niveaus aus nur zäh erholen dürfte. Zwar würden staatliche Hilfspakete helfen, die negativen Effekte der hohen Energiepreise abzufedern, und die Industrie dürfte keinen Einbruch erleben, da ihre Auftragsbücher nahe einem Rekordstand seien. Aber gleichzeitig würden sich viele Konsumenten angesichts der hohen Inflation und der nur zögerlich nachziehenden Löhne zurückhalten und Unternehmen würden ihre Investitionsausgaben einschränken. Letzteres betreffe vor allem die Bauinvestitionen, die durch die höheren Zinsen und die gestiegenen Baumaterialkosten in Mitleidenschaft gezogen würden.
Die Inflation dürfte 2023 im Jahresdurchschnitt nur leicht unter 8% fallen und auch 2024 noch deutlich über dem Inflationsziel verharren. Im Einzelhandel würden beispielsweise 70% der vom ifo-Institut befragten Unternehmen beabsichtigen, ihre Preise in den nächsten drei Monaten anzuheben - der historische Höchstwert liege bei 25%. Die EZB dürfte daher den bisherigen Zinserhöhungskurs bis mindestens März 2023 fortsetzen, um dann die Wirkung der bisherigen Zinserhöhungen zu beurteilen. Da die Inflation nicht in dem Tempo sinken dürfte, wie sich das die Geldauguren erhoffen würden, sei für spätere Zinssenkungen nach Erachten der Analysten kein Spielraum. Im Gegenteil: Es bestehe das Risiko, dass die EZB die Zinsen nach einigen Monaten noch weiter anhebe. In ihren Basisszenario würden die Analysten allerdings davon ausgehen, dass die EZB sich angesichts der fragilen Wirtschaftslage mit Zinserhöhungen in H2 2023 und 2024 zurückhalten werde.
Die zehnjährigen Bundrenditen würden 2023 ihren Anstieg, der Anfang 2022 eingesetzt habe, voraussichtlich fortsetzen. Die Analysten der Hamburg Commercial Bank rechnen damit, dass die Zinsschritte der EZB und der allzu zähe Abbau der Inflation die langfristigen Renditen bis Ende 2023 auf ein Niveau von 3,40% treibt. Zuletzt seien die Renditen allerdings zurückgegangen, was mit niedrigeren US-Renditen zu tun habe, da dort viele Anleger auf eine Fortsetzung des Rückgangs der Inflation setzen würden. In Europa sei die Situation vermutlich anders, unter anderem da Preiserhöhungen durch die Energieversorger aufgrund längerfristiger Verträge die meisten Verbraucher mit einer gewissen Verzögerung erreichen würden. (Ausgabe Dezember 2022) (06.12.2022/alc/a/a)
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