Hannover (www.anleihencheck.de) - Seit der letzten Ausgabe unserer Wochenpublikation am 28. September haben sich insgesamt zehn Emittenten mit einem Gesamtvolumen von EUR 8,85 Mrd. auf das Parkett des EUR-Benchmarksegments gewagt, so Stefan Rahaus und Dr. Frederik Kunze von der NORD/LB.
Dabei sei eine regionale Verteilung rund um den Globus gegeben gewesen: Noch Ende des 3. Quartals habe die Slovenska Sportitelna (Ticker: SLOSPO) ihre zweite Benchmark (ISIN SK4000021820 / WKN A3K90M) in diesem Jahr (EUR 500 Mio.) bei ms +35 Bp (Guidance: ms +35 Bp area) mit einer Laufzeit von fünfeinhalb Jahren platziert und dafür ein grünes ESG-Format gewählt. Die Bid-to-Cover-Ratio lag bei 1,1x und wir sahen eine Neuemissionsprämie (NIP) im zweistelligen Bereich, so die Analysten der NORD/LB.
Gleich zu Beginn des 4. Quartals, am 4. Oktober, habe mit der UniCredit Bank Czech Republic & Slovakia (Ticker: UNICZ) ebenfalls ein Emittent aus Osteuropa debütiert. Der fünfjährige Bond (ISIN XS2541314584 / WKN A3K97Q) über EUR 500 Mio. sei bei einer Guidance von ms +55 Bp area vermarktet und dort auch final gepreist worden, die Bid-to-Cover-Ratio habe bei 1,0x gelegen.
Am selben Tag hätten sich noch zwei Non-EWR Banken am Markt gezeigt: Die DBS Bank (Ticker: DBSSP) aus Singapur habe einen EUR 750 Mio. großen Bond (ISIN XS2541853532 / WKN A3K97P) mit der bei Investoren aktuell offenkundig Anklang findenden Laufzeit von drei Jahren bei ms +17 Bp begeben (Guidance: ms +19 area; Bid-to-Cover-Ratio: 1,3x) und sei damit der einzige Emittent an diesem Tag gewesen, der seinen finalen Spread in der Vermarktung habe einengen können. Allerdings beobachteten wir auch hier eine recht generöse NIP von ca. 8 Bp, so die Analysten der NORD/LB.
Die kanadische Bank of Montreal (Ticker: BMO) hingegen habe für ihren frischen vierjährigen Bond (ISIN XS2544624112 / WKN A3K98W) den finalen Spread auf dem Niveau der Guidance (ms +17bp area) belassen und mit einem Umfang von EUR 1,0 Mrd. offensichtlich die Option "Volumen vor Preis" (NIP ca. 6 Bp) gewählt und damit in 2022 bereits EUR 5,5 Mrd. bei Investoren eingesammelt.
Anleger, die ihren Fokus auf Core-Europa hätten, hätten am 5. und 6. Oktober zum Zuge kommen können: Am Mittwoch habe die französische Caisse de Refinancement de l'Habitat (Ticker: CRH) ihren ersten Covered Bond (ISIN FR001400D5T9 / WKN A3K988) seit April 2020 begeben und für den Deal im Volumen von EUR 1,85 Mrd. (Laufzeit fünfeinhalb Jahre) bei einem Spread von ms +10 Bp (Guidance: ms +12 Bp area) ein Orderbuch in Höhe von EUR 2,1 Mrd. generieren können.
Aus Deutschland habe sich am vergangenen Donnerstag die Commerzbank mit einem neuen Hypothekenpfandbrief (ISIN DE000CZ43ZF4 / WKN CZ43ZF) (EUR 750 Mio.; 6,0y) gezeigt. Die Emission sei bei einer anfänglichen Guidance von ms +8 Bp area gestartet und final bei ms +6 Bp gepreist worden (Orderbuch: EUR 1,5 Mrd.; Bid-to-Cover-Ratio: 1,5x). Die NIP sahen wir für diese Transaktion bei 4 bis 5 Bp, so die Analysten der NORD/LB.
Den ersten öffentlich-besicherten Covered Bond in diesem Quartal durften wir diesen Montag aus Frankreich begrüßen: Die Caisse Française de Financement Local (Ticker: CAFFIL) brachte EUR 1,0 Mrd. mit einer langen sechsjährigen Laufzeit bei ms +11 Bp an den Markt (Guidance: ms +13 Bp area; Orderbuch: EUR 1,3 Mrd.; NIP: 3 bis 4 Bp), so die Analysten der NORD/LB. Der Bond (ISIN FR001400DAI6 / WKN nicht bekannt) sei seit dem Inkrafttreten der neuen EU Covered Bond-Richtlinie am 8. Juli 2022 erst die dritte europäische Emission, die mit einer Hard Bullet-Fälligkeitsstruktur ausgestattet sei.
Einen weiteren öffentlich-besicherten Titel (ISIN DE000LB381U7 / WKN LB381U) habe am gestrigen Dienstag die Landesbank Baden-Württemberg (Ticker: LBBW) begeben und mit zwei Jahren Laufzeit eindeutig den Geschmack der Investoren getroffen. Bei einer anfänglichen Guidance von ms -6 Bp area habe der finale Emissionsspread für den EUR 1,0 Mrd. großen Pfandbrief mit einem Orderbuch von EUR 5,2 Mrd. bei ms -12 Bp festgelegt werden können.
Bisher wurden im Jahr 2022 EUR 167,1 Mrd. an EUR-Benchmarks emittiert und wir erwarten durchaus noch weitere frische Bonds im nennenswerten Umfang, sodass schließlich ein Gesamtvolumen von mindestens EUR 184 Mrd. in 2022 zu Buche stehen sollte, so die Analysten der NORD/LB. Rückblickend hätten die Primärmarktaktivitäten im 3. Quartal dem Primärmarkt in 2022 einen merklichen Schub gegeben. Es seien insgesamt EUR 41,2 Mrd. platziert worden. Diese Zahl sei auch deshalb bemerkenswert, weil der Zeitraum 1. Juli bis 30. September 2022 die - in diesem Jahr kurze - Sommerpause miteinschließe. Aus dem saisonalen Muster steche hier vor allem der August hervor, welcher mit EUR 14,75 Mrd. einen Rekordwert hervorgebracht habe.
Das Umfeld am Primär- und am Sekundärmarkt sei auch bei gedeckten Bankanleihen von einer nennenswerten Volatilität geprägt gewesen. Gleichwohl habe sich das Covered Bond-Segment vergleichsweise robust im Hinblick auf Spreadausweitungen am Sekundärmarkt oder in Bezug auf erforderliche Neuemissionsprämien auf der Primärmarktseite gezeigt. Rauslaufende Spreads seien nicht zuletzt eine Folge des hohen Angebots gewesen, wenngleich - zumindest phasenweise - auch ein erhöhtes Maß an Unsicherheit für Ausweitungsbewegungen verantwortlich gewesen sei.
Die bestehende Präsenz des Eurosystems am Primärmarkt (EZB-Orderquote zuletzt konstant bei 20%) sowie am Sekundärmarkt habe auch für eine gewisse Stabilisierung gesorgt. Wesentliche Stütze seien dabei auch die Reinvestitionsanforderungen im Kontext des CBPP3 gewesen. Allein im Zeitraum Januar bis September 2022 hätten Fälligkeiten von nahezu EUR 36 Mrd. zu Buche gestanden.
Rückblickend auf die vergangenen zwei Handelswochen könne durchaus konstatiert werden, dass sich das Umfeld im Vergleich zu den ersten Septemberwochen spürbar eingetrübt habe. Dies komme vereinzelt auch durch die Kennziffern "Orderbuchgröße", "Überzeichnungsquote", "Einengung zwischen Guidance und finalem Pricing" wie auch die "Höhe der Neuemissionsprämie" zum Ausdruck.
Die Einschätzung selektiver agierender Investoren sei auch für den Sekundärmarkt gültig. Weiterhin gefragt bleiben würden beispielsweise kurze Laufzeiten bis Fälligkeit 2026. Das allgemeine Sentiment werde außerdem durch übergreifende Unsicherheiten belastet. Zu nennen seien hier beispielsweise die Entwicklungen in Großbritannien. Ebenso Hinweise von offizieller Seite mit Blick auf Finanzstabilitätsrisiken aufgrund der höheren Zinsen - so z.B. zuletzt vonseiten der Australischen Notenbank - würden wir in diesem Kontext exemplarisch hervorheben, so die Analysten der NORD/LB. Insbesondere ausgehend von der Markttechnik am Primärmarkt würden die Analysten der NORD/LB Richtung Jahresende eher Ausweitungsdruck für den Sekundärmarkt erwarten.
Wie u.a. die Nachrichtenagentur Bloomberg berichtet habe, erwäge die HSBC Gruppe den Verkauf ihrer kanadischen Tochter HSBC Bank Canada. Analog des Verkaufs der französischen HSBC France SA solle der Schritt zu einer Optimierung und Neuausrichtung der HSBC Bankengruppe beitragen, befinde sich allerdings in einem sehr frühen Stadium. Die HSBC Bank Canada habe aktuell zwei EUR-Benchmarkanleihen ausstehen, die von Moody's mit Aaa und von Fitch mit AAA bewertet seien. Fitch habe seine Einschätzung erst jüngst am 6. Oktober 2022 bestätigt. Maßgeblich für die Spreadentwicklung der beiden ausstehenden Bonds werde auch sein, wie die Kreditqualität aber auch die hinter der Akquisition der HSBC Bank Canada stehende Strategie des übernehmenden Instituts im Detail ausgestaltet seien.
Die Europäische Bankenaufsichtsbehörde (EBA) habe vorgestern einen thematischen Vermerk über die Engagements der EU-Banken im Bereich Wohnimmobilien veröffentlicht. Die EU-Banken hätten demzufolge mehr als EUR 4.100 Mrd. an durch Wohnimmobilien besicherten Krediten und Darlehen gemeldet. Dies entspreche einem Drittel aller Kredite an private Haushalte und nichtfinanzielle Unternehmen. Die hohen Zuwachsraten der Immobilienpreise in den letzten Jahren würden nun bei der EBA aufgrund gestiegener Zinsen und einem langsameren Wirtschaftswachstum die Sorge vor einer Überhitzung und erheblichen Preisrückgängen aufkommen lassen. Begründet würden die Bedenken mit dem massiv verschlechterten makroökonomischen Umfeld, welches speziell Haushalte mit geringem Einkommen und hoher Verschuldung vor Herausforderungen auch bei der Bedienung ihrer Hypothekenschulden stellen könnte.
Die EBA sehe aktuell noch keine eingetretenen Risiken, da Banken bei der Kreditvergabe vorsichtige Standards innerhalb eines verbesserten aufsichtsrechtlichen Rahmens angewandt hätten. Das Niveau der Abwärtsrisiken nähme jedoch zu und die EBA fordere die Banken auf, die Entwicklungen des Marktes und ihrer Immobilienportfolios genau zu beobachten, um anstehende Ausfälle frühzeitig zu erkennen und rechtzeitig sowie angemessen Vorsorge für Kreditverluste zu betreiben.
Auch die Ratingagentur Moody's hebe in einem aktuellen Sector Report zum europäischen Häusermarkt die zunehmende Gefahr eines Rückgangs von Immobilienpreisen nach mehreren Jahren des Wachstums hervor. Stark ansteigende Zinssätze und der wirtschaftliche Abschwung könnten nach Auffassung von Moody's zu einer breit angelegten Neubewertung von Wohnimmobilienpreisen führen. Zinssätze für Wohnbaudarlehen hätten sich demnach seit Anfang des Jahres in einigen Ländern mehr als verdoppelt, was zu einer verringerten Nachfrage nach Wohnimmobilien und zu einem Rückgang der Preise führen würde. (Ausgabe 31 vom 12.10.2022) (13.10.2022/alc/a/a)
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