Berlin (www.anleihencheck.de) - Wie wir anhand der neuesten Frühindikatoren ablesen können, beispielsweise den europäischen Einkaufsmanagerindices oder auch dem deutschen ifo-Geschäftsklimaindex, wird die wirtschaftliche Abschwächung realer, so Sascha Rehbein, CFA, von der Weberbank.
Auch die Bundesbank gehe mittlerweile für Deutschland von einer "sinkenden Wirtschaftsleistung im Winterhalbjahr" aus. Dies begründe sich maßgeblich durch die explodierenden Energiekosten. Die Gaspreise seien in den letzten zweieinhalb Monaten um 250% angestiegen. Erneut stünden Wartungsarbeiten an der Pipeline Nord Stream 1 im Fokus, allerdings seien diese außerplanmäßig und wohl technisch unbegründet. Somit bleibe die Energiesicherheit ein politischer Spielball und verunsichert Unternehmen sowie Konsumenten gleichermaßen. Die Analysten der Weberbank würden daher nicht nur von einer wirtschaftlichen Schwächephase ausgehen, sondern auch von weiter ansteigenden Inflationszahlen. Ein Überschießen der 9 Prozentmarke in den kommenden Monaten würde die Analysten der Weberbank nicht überraschen.
Diese Kombination bereite Notenbankern natürlich massives Kopfzerbrechen. Stehe nun die Inflationsbekämpfung im Vordergrund und müssten eigentlich weitere Leitzinserhöhungen kommen, oder sollte man sich eher mit restriktiven Maßnahmen zurückhalten, um die Wirtschaft nicht noch zusätzlich zu belasten? Eine extrem schwierige Frage, insbesondere wenn die EZB gleichzeitig an die hochverschuldeten Peripherie-Länder und somit an die Stabilität des Euro denken müsse. Die Analysten der Weberbank würden davon ausgehen, dass zumindest auf den kommenden beiden Sitzungen weitere Zinserhöhungen kommen würden. Darüber hinaus werde es aus Sicht der Analysten der Weberbank aber immer schwieriger und möglicherweise müsse die EZB ihre Gedanken schon wieder in Richtung Stützungsmaßnahmen wenden.
Wie würden nun die Kapitalmärkte auf diese Gemengelage reagieren? Der europäische Rentenmarkt sei aktuell hin- und hergerissen. Stehe nun die hohe Inflation im Fokus? Dann müssten die Renditen steigen. Oder würden doch die Rezessionssorgen überwiegen? Das hätte Renditerückgänge zur Folge. Genau dies drücke sich quasi täglich in ungewöhnlich hohen Schwankungen aus und mache eine deutliche Positionierung am Rentenmarkt in die eine oder andere Richtung in diesem Umfeld unmöglich.
Die Analysten der Weberbank hätten aber in den vergangenen Monaten deutlich auf die wirtschaftliche Abschwächung reagiert und Unternehmensrisiken im Rentenportfolio reduziert. Am Aktienmarkt sei die Berichtssaison quasi beendet und das Fazit falle positiv aus. Ein Blick ins Detail trübe das Bild allerdings etwas ein. Wenn man zum Beispiel in den USA den Energiesektor außen vorlasse, sei die Gewinnentwicklung rückläufig gewesen. Auch die Margen hätten sich im vergangenen Quartal zurückbewegt - ein Trend, der sich aus Sicht der Analysten der Weberbank weiter fortsetzen könnte. Immerhin hätten sich nur wenige Unternehmen negativ zum Ausblick geäußert und diesen überwiegend neutral gehalten. Zu den Belastungsfaktoren würden weiterhin Themen wie die hohe Inflation, die zunehmende Wachstumsabschwächung sowie ein Mangel an qualifizierten Arbeitskräften zählen. Auf der anderen Seite nähmen die Lieferketten-Probleme sukzessive ab und sollten somit den internationalen Warenverkehr unterstützen.
Die Analysten der Weberbank hätten ihre Aktienportfolios in den letzten Wochen stärker in Richtung defensive Sektoren ausgerichtet, würden sich aber nicht vor einzelnen Investitionen in offensiven Titeln scheuen. Insbesondere Sektoren, die in diesem Jahr stark unter Druck gestanden hätten, wie zum Beispiel Technologie und zyklischer Konsum, sollten für erste Käufe genutzt werden. (26.08.2022/alc/a/a)
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