Essen (www.anleihencheck.de) - Die jüngsten Daten zum US-Preisgefüge brachten die lange ersehnte Wende für den globalen Inflationsausblick: Der Preisdruck lies über eine Vielzahl von Dimensionen und Berechnungs- bzw. Bereinigungskonzepten spürbar nach, von den Importpreisen über die Produzentenpreise bis hin zu den Konsumentenpreisen, so die Analysten der National-Bank AG.
So seien die Verbraucherpreise in der Breite im Juli deutlich von 9,1% auf 8,5% zurückgegangen. Bereinigt um die Effekte von Nahrungsmitteln und Energie sei die Inflation bei 5,9% geblieben. Zentral sei, dass mit den Produzentenpreisen und den US-Importpreisen quasi das gesamte vorlaufende Preisgefüge eine Wende durchlaufen habe. Mit Blick auf eine Vielzahl vorlaufenden Zeitreihen würden die Analysten daher nunmehr grundsätzlich davon ausgehen, dass der obere Wendepunkt zumindest der US-Inflation durchmessen sei. Dies ergebe sich vor allem auch daraus dass die Basiseffekte der zwischenzeitlich gesunkenen Energiepreise nunmehr immer stärker spürbar werden dürften.
Die Inflationserwartungen in den Vereinigten Staaten würden weiter vergleichsweise gut verankert bleiben, die US-Notenbank habe bereits viel erreicht, sie werde aber - vollkommen zu Recht - im Zweifel eher zu lange zu restriktiv bleiben, um die Inflation so schnell als irgend möglich nach unten zu bringen: Vor allem der enge Arbeitsmarkt habe bis zuletzt für hohen Lohndruck bewirkt, einige diesbezügliche Zeitreihen würden sich auf dem höchsten Stand seit mehreren Jahrzehnten befinden. In der Summe dürfte die FED den Datenverlauf mit Blick auf den Preisdruck zur Grundlage ihrer Entscheidung machen, ob sie das Zinstempo bereits jetzt zurückfahre, was die Analysten für wahrscheinlicher halten würden.
Die Analysten würden ihre Schätzungen für die FED Funds b.a.W. bei 3,5% belassen. Nach wie vor würden sie mit dem Markt ein zunehmend großes Fragezeichen an eine massivere Zinswende der EZB machen - zumindest wie sie mittlerweile vielfach erwartet werde. Zentral sei die Frage, wie schnell sich die Inflationserwartungen in der Eurozone angesichts der drohenden wirtschaftlichen Stagnation wieder normalisieren würden. Aus Sicht der Analysten werde hier vor allem der internationale disinflationäre Einfluss unterschätzt, was für einen flacheren Erhöhungszyklus der EZB spreche.
Zudem dürfte die EZB der Eintrübung der konjunkturellen Aussichten Tribut zollen, da sie ohnehin erwarte, dass die Inflation im Jahre 2024 wieder unter ihrem Zielwert liege, sofern es zu einer Rezession käme. Zu konzedieren sei aber, dass dies derzeit extrem schwer abschätzbar sei. Insgesamt dürfte die EZB aber nunmehr eher in Schritten von 25 Basispunkten vorgehen. Vor dem Hintergrund des klaren Rückgangs der marktbasierten Inflationserwartungen sowie der sich intensivierenden Abschwungs-Signale hätten die Analysten ihre Zinsprojektion für die Rendite der 10-jährigen Staatsanleihen auf nunmehr um 3,2% auf Jahressicht noch einmal leicht abwärts korrigiert. Die Projektionen für die deutschen 10-jährigen Benchmark-Sätze würden sie unverändert bei 1,4% auf Jahressicht lassen. (19.08.2022/alc/a/a)
© 1998 - 2026, anleihencheck.ariva-services.de