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08.08.22 10:08
Internationale Rentenmärkte: Eine extrem hohe Volatilität

Essen (www.anleihencheck.de) - Die internationalen Rentenmärkte werden derzeit durch eine extrem hohe Volatilität gekennzeichnet, berichten die Analysten der National-Bank AG.

Hintergrund dieser Entwicklung sei der Umstand, dass die Märkte von zwei gegenläufigen Kräften bestimmt würden: Auf der einen Seite stünden die Maßnahmen der Notenbanken, die vielfach gerade erst begonnen hätten. Auf der anderen Seite werfe der immer stärker spürbarer Verlust an Dynamik in vielen Ländern der Welt die Frage auf, wie tief der Rückgang der Wirtschaftsleistung sein werde, was wiederum die Frage aufwerfe, wann und bei welchen Niveaugrößen der Zinserhöhungszyklus der führenden Notenbanken sein Ende finde.

Ankerpunkt der globalen Zinsenwicklung sei und bleibe der erwartete Zinspfad der US-Notenbank: Der jüngste abermalige "große" Zinsschritt von 75 Basispunkten sollte den Märkten einmal mehr die Entschlossenheit der US-Notenbank demonstrieren, der Inflation entschieden zu begegnen. Auf der Pressekonferenz habe FED-Chef Powell Powell gleichwohl aber auch klargemacht, dass der weitere Zinspfad nunmehr datenabhängig sei - die FED verzichte also weitestgehend auf eine konkrete Guidance. Damit reagiere sie auf die sich eintrübenden Perspektiven für das US-Wachstum und trage auch dem Umstand Rechnung, dass das Niveau der US-Notenbanksätze allmählich die neutrale Zone erreicht haben sollte. Das FOMC werde also nunmehr sehr viel stärker darauf abstellen, wie sich die Inflation konkret weiter entwickele: Die FED werde zwar auch nach einem Rückgang des Preisdrucks fortfahren, weitere Zinsschritte durchzuführen, das Tempo dürfte dann aber wesentlich geringer ausfallen.

In der Eurozone sei die Lage noch wesentlich komplexer: Wie oben erörtert, werde die konjunkturelle Entwicklung durch die geoökonomischen Belastungsfaktoren massivst gedämpft. Vor allem die sich eintrübenden Perspektiven für Deutschland würden schwer wiegen, da das Land in der EU wirtschaftlich so ein hohes Gewicht habe. Auf der anderen Seite bestehe nach wie vor erheblicher Nachholbedarf, da das Niveau der wirtschaftlichen Tätigkeit nur sehr allmählich das Vorkrisenniveau erreicht habe. Vor dem Hintergrund der Vielzahl von Problemen habe die EZB - zumindest laut Vertragsmandat - kaum genug Instrumente, um allen Problemdimensionen gerecht zu werden. Von daher seien die massive Ausweitung des Aufgabenspektrums und die immer intensivere Verknüpfung mit anderen Politikfeldern absehbar gewesen.

Wie schwierig der richtige Kurs für die EZB derzeit zu bestimmen sei, würden vor allem auch die extremen Bewegungen am Kapitalmarkt deutlich machen: Rechne man etwa die Veränderungen des kürzeren Laufzeitenspektrum auf den Notenbankzinspfad um, habe der Markt hier zuletzt in kurzer Zeit rund zwei Zinsschritte von jeweils 25 Basispunkte wieder ausgepreist. Grundsätzlich schwer wiege, dass sich die EZB bei ihrer Kursbestimmung aufgrund der Massivität des geopolitischen Einflusses auf die Konjunktur mit noch mehr Unbekannten auseinander setzen müsse als die FED.

Eine wichtige, wenn nicht die zentrale Frage mit Blick auf den weiteren Zinspfad der EZB sei nach Erachten der Analysten der National-Bank AG, ob sich die Inflation im Euroland auch ohne massive Manöver der EZB bewegen werde. Aus Sicht der Analysten der National-Bank AG bestünden gute Chancen dafür, dass der globale Inflationsverbund so eng sei, dass die europäischen Inflationserwartungen auch ohne größeres Zutun der EZB wieder tragbar würden. Dies sei - die erratischen Marktschwankungen würden es belegen - allerdings eine Rechnung mit extrem vielen Unbekannten und einem folglich enormen Prognoserisiko. Das größte Hindernis für eine solche "externe" Lösung der Inflationsproblematik bestehe hier sicherlich in der relativ hohen Auslastung auch der europäischen Arbeitsmärkte, was den Gewerkschaften eine relativ gute Ausgangslage verschaffe.

Im Ergebnis machen wir mit dem Markt ein zunehmend großes Fragezeichen an eine massivere Zinswende der EZB - zumindest wie sie mittlerweile vielfach erwartet wird, so die Analysten der National-Bank AG. Insgesamt dürfte die EZB nunmehr in Schritten von 25 Basispunkten vorgehen, solange zumindest ihre eigenen Projektionen eine solche Zielverfehlung des unterliegenden Preistrends ausweisen würden. Grundsätzlich sei aber davon auszugehen, dass ein Ende des Zinserhöhungszyklus demnächst bereits wieder in Sicht kommen könnte. Der Zeitpunkt dürfte hier auch durch das Verhalten der FED bestimmt werden, hier könnte es durchaus sein, dass die FED das Zinsgefüge im Sommerhalbjahr 2023 bereits wieder nach unten führe.

Im Ergebnis hätten die Analysten der National-Bank AG ihre Zinsprojektionen abermals deutlich zurückgenommen: Vor dem Hintergrund des klaren Rückgangs der marktbasierten Inflationserwartungen sowie der sich intensivierenden Abschwungs-Signale hätten sie ihre Zinsprojektion für die Rendite der 10-jährigen Staatsanleihen auf nunmehr um 3,3% auf Jahressicht noch einmal deutlich abwärts korrigiert. Mit Blick auf unsere adjustierten US-Prognosen und den insgesamt erheblich schwächeren europäischen Wachstumsausblick ermäßigen wir auch unsere Projektionen für die deutschen 10-jährigen Benchmark-Sätze ebenfalls deutlich auf Renditen um nunmehr 1,4% auf Jahressicht, so die Analysten der National-Bank AG. (Ausgabe vom 05.08.2022) (08.08.2022/alc/a/a)



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