Essen (www.anleihencheck.de) - Die internationalen Rentenmärkte werden weiterhin vor allem vom Kurs der US-Notenbank geprägt, so die Analysten der National-Bank AG.
Das jüngste Protokoll der FED habe bestätigt, dass die Bekämpfung der überhöhten Inflation das überragende Thema bleibe. Für die nächste Sitzung halte das FOMC in summa einen weiteren großen Zinsschritt von 50 oder 75 Basispunkten für angezeigt, insbesondere auch um zu verhindern, dass sich die Inflationserwartungen aus ihrer Verankerung lösen könnten. Obgleich sich die marktimpliziten Inflationserwartungen - signifikant - zurückgebildet hätten, werde es bis zu einer belastbaren Indikation für einen oberen Wendepunkt beim Preisdruck wohl zunächst bei jeweils größeren Schritten von mindestens 50 Basispunkten bleiben. Vor dem Hintergrund des spürbaren Tempoverlustes der US-Volkswirtschaft und dem klaren Rückgang der marktbasierten Inflationserwartungen hätten die Analysten ihre Zinsprojektion für die Rendite der zehnjährigen Staatsanleihen auf nunmehr um 3,6% auf Jahressicht etwas abwärts revidiert.
Die EZB nehme damit umso niedrigere reale Sätze in Kauf und wälze somit auch erhebliche Teile der Last der Inflationsbekämpfung auf andere Notenbanken ab. Sobald etwa in den USA eine erste nachhaltige Entspannung des Preisdrucks auf den Vorstufen der Produktion sichtbar werde, würden hiervon auch erhebliche Signalwirkungen auf die europäische Geldpolitik ausgehen. Dies könnte der EZB im Rahmen weiter sinkender Inflationserwartungen die Legitimation verschaffen, den geldpolitischen Straffungskurs auszusetzen oder zumindest erheblich abzuschwächen.
Die Analysten würden gleichwohl davon ausgehen, dass die EZB mit der nächsten Sitzung beginnen werde, dass Gefüge der Notenbanksätze nach oben zu schleusen. Wie weit diese Entwicklung trage, werde von einer Vielzahl von Faktoren abhängen, insbesondere vom Fortgang des Krieges in der Ukraine, der für die Entwicklung sowohl der Konjunktur als auch der Inflation der Länder der Eurozone eine überragende Bedeutung habe.
Gleichwohl bleibe diese Indikation unter wesentlich mehr Vorbehalten als bei der FED: Sowohl was die realwirtschaftliche Entwicklung anbelange, als auch mit Blick auf die Heterogenität der Interessen und Meinungen im Rat der EZB seien die EZB-Entscheidungen mit viel mehr Unsicherheit behaftet als bei der US-Notenbank. Mit Blick auf ihre adjustierten US-Prognosen und den insgesamt schwächeren globalen Wachstumsausblick würden die Analysten auch ihre Projektionen für die deutschen zehnjährigen Benchmark-Sätze leicht auf Renditen um 1,7% auf Jahressicht ermäßigen. (Ausgabe vom 15.07.2022) (18.07.2022/alc/a/a)
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