Wien (www.anleihencheck.de) - Die Europäische Zentralbank geriet zuletzt gehörig unter Druck, so die Analysten der Raiffeisen Bank International AG (RBI).
Auf der Sitzung vergangene Woche sei ein Fahrplan zur geldpolitischen Normalisierung vorgestellt worden. Der Plan, damit den Märkten im unsicheren wirtschaftlichen Umfeld Halt zu geben, sei gescheitert. Zum ersten sehe nunmehr das Gros der Marktakteure die EZB auf Jahressicht zu rapiden Leitzinsanhebungen gezwungen, die über ein neutrales Niveau hinausgehen würden. Am Finanzmarkt sei man also überzeugt, dass die EZB der hohen Inflation durch eine restriktive Geldpolitik begegnen werde und kaufe der Notenbank nicht ab, durch eine graduelle Normalisierung des Leitzinsniveaus die Teuerung im Zaum zu halten.
Beispielsweise habe sich der Spread 10-jähriger italienischer Anleihen auf 250 Basispunkte erhöht, eine Marke die am Markt oft als Schmerzgrenze für die EZB genannt worden sei. Jetzt heiße es nachsitzen! In einer eiligen, außertourlichen Ratssitzung werde heute über die Vorgehensweise beraten. Aus Sicht der Analysten werde das vorliegende Tool - eine verstärkte Lenkung von Reinvestitionen des Anleihebestandes des PEPP in Länder wie Italien, Griechenland, etc. - nicht reichen, um den Markt nachhaltig zu stabilisieren.
Die EZB werde wohl ihr "unlimited commitment" (Rede Isabel Schnabel zu Marktfragmentierung) unter Beweis stellen und ein neues Instrument auf den Weg bringen müssen. Dieses vermutlich neue Anleihekaufprogramm müsse sich an der Herausforderung orientieren, die geldpolitische Normalisierung möglichst friktionsfrei zu gestalten, ohne diese infrage zu stellen. (15.06.2022/alc/a/a)
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