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17.05.22 10:00
Derzeitige Inflationsspitze führt zur Neuorientierung

Hamburg (www.anleihencheck.de) - Die neuesten Datenveröffentlichungen zur Inflation machen zwar keine Hoffnung auf zeitnah fallende Preissteigerungsraten, aber doch auf einen weniger steilen Anstieg oder sogar auf eine Trendumkehr, so Carsten Mumm, Chefvolkswirt bei der Privatbank DONNER & REUSCHEL.

In den USA sei mit 8,3 Prozent zuletzt ein im Vormonatsvergleich leicht nachgebender Wert vermeldet worden. Auch die Kerninflationsrate (ohne die schwankungsanfälligen Komponenten Energie und Nahrungsmittel) habe leicht nachgegeben, liege allerdings mit 6,2 Prozent nach wie vor auf außerordentlich hohem Niveau. Das verdeutliche, wie stark der Inflationsdruck mittlerweile nahezu alle Komponenten des der Berechnung zugrundeliegenden Warenkorbes erfasst habe. Dazu passe beispielsweise, dass Microsoft angekündigt habe, seinen Mitarbeitern deutlich höhere Gehälter und ggf. Boni zu zahlen, um im verschärften Wettbewerb um qualifiziertes Personal nicht ins Hintertreffen zu geraten. Die Lohn-/Preisspirale sei in den USA also offensichtlich.

In der Eurozone und Deutschland seien die Inflationsraten im April zwar erneut auf 7,5 bzw. 7,4 Prozent angestiegen, allerdings habe die Geschwindigkeit des Preissteigerungen deutlich abgenommen. Trotzdem zeigen auf hier eine Kernrate der Inflation in der Eurozone auf einem Mehrjahreshoch in Höhe von 2,9 Prozent sowie für Deutschland im jeweiligen Vorjahresvergleich mit einem Rekordanstieg vermeldeten Erzeuger- und Großhandelspreise, das der erhöhte Preisdruck mittlerweile ebenfalls alle Produktkategorien betrifft, so die Analysten von DONNER & REUSCHEL. Gleichzeitig würden aber auch weiterhin die Wachstumsprognosen nach unten angepasst, für die EU und die Eurozone zuletzt vonseiten der EU-Kommission auf nur noch jeweils 2,7 Prozent für 2022.

Auch in den USA und vor allem in China seien die Wachstumserwartungen deutlich nach unten korrigiert worden. Zusammen mit den seit März, unter hohen Schwankungen und auf hohem Niveau, aber doch immerhin seitwärts verlaufenden Rohölnotierungen und teilweise stark gefallenen Preisen für Industrierohstoffe wie Platin, Palladium oder Aluminium deute sich damit zunächst ein nachlassender Preisdruck ab und die Inflationsspitze dürfte in vielen Industriestaaten erreicht sein. Nur eine massive Eskalation des Ukrainekonflikts, vor allem ein möglicher Gaslieferstopp von Russland nach Europa würde die Inflation noch einmal deutlich anheizen.

An den internationalen Börsen kehre damit auch langsam die Einsicht ein, dass die Zinserhöhungserwartungen vor allem in den USA überzogen gewesen seien. Es spreche daher viel dafür, dass die Phase der massiv negativen Kursentwicklungen über nahezu alle Anlageklassen hinweg in eine Phase der Neuorientierung münde mit zumindest kurzfristig nicht weiter steigenden Zinsen und einer Erholung bei Aktien sowie für den Euro. Wichtigste Einflussfaktoren würden dabei die Entwicklung der Corona-Pandemie in China sowie die weiteren Auswirkungen des Ukrainekonfliktes bleiben. (17.05.2022/alc/a/a)


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