Frankfurt (www.anleihencheck.de) - Im Jahr 2019, als der Kreditzyklus erste Anzeichen von Reife zeigte, war es für Anleger eine einfache Entscheidung, das Kreditengagement zu reduzieren, die Duration der Kreditspreads zu verkürzen und die Allokation in längerfristige risikofreie Staatsanleihen wie US-Treasuries zu erhöhen, so Gary Kirk, Partner bei TwentyFour Asset Management, einer Tochter von Vontobel Asset Management.
Im Jahr 2022 stünden die Anleger vor deutlich komplexeren Entscheidungen, wenn es um die Allokation ihrer Staatsanleihen gehe. Einerseits sind wir mit einer Inflation konfrontiert, die eindeutig nicht nur vorübergehender Natur ist, so die Experten von Vontobel Asset Management. Der aktuelle Anstieg der Rohstoffpreise verstärke die längerfristigen Inflationsängste dabei noch. Die Notenbanken seien gerade erst von der Stimulierung der Märkte zu einer Änderung der Geldpolitik übergegangen und so würden die Experten von Vontobel Asset Management unter diesen Umständen normalerweise von jeglichem Engagement in durationsabhängigen Staatsanleihen absehen und abwarten, bis die Leitzinsen ihre Höchststände erreicht hätten, bevor sie eine nennenswerte Position zum Schutz des Portfolios aufbauen würden.
Andererseits habe der Einmarsch Russlands in die Ukraine die Dynamik und den Fokus des Marktes verändert. Zunächst habe es die naheliegende Flucht in Sicherheit gegeben, d.h. in risikofreie Zinssätze (vor allem US-Treasuries). Gleichzeitig drohe der oben erwähnte Preisanstieg bei Rohstoffen zu einem regelrechten Angebotsschock zu werden, was die Wahrscheinlichkeit einer Konjunkturabkühlung und einer möglichen Rezession erhöhe. In einem solchen Szenario würden wir normalerweise eine verstärkte Allokation in langlaufende Staatsanleihen bevorzugen, eine Entscheidung, die auch durch den Anstieg der Renditen infolge der aggressiveren Haltung der Zentralbanken seit Dezember erleichtert werden würde, so die Experten von Vontobel Asset Management.
Natürlich wisse niemand, wie die Entwicklung ausgehen werde. Aber vieles spreche für einen vorsichtigen Ansatz und Anleger ohne jeglichen Schutz sollten zum Ausgleich ein gewisses Maß an Zinsen in ihr Portfolio einbauen. Die Experten von Vontobel Asset Management seien der Annahme, dass die Zentralbanken angesichts des aktuellen Hintergrunds einen gemäßigteren geldpolitischen Kurs verfolgen würden, als die Märkte derzeit einpreisen würden. Sollte dies der Fall sein, so folge daraus, dass die Inflation ein hartnäckigeres Ärgernis sein dürfte, als ursprünglich gedacht und dass das lange Ende der Zinskurve noch nicht das erforderliche Gleichgewicht für die Portfolios biete.
Die Form der Renditekurve erleichtert unser Entscheidungsdilemma, so die Experten von Vontobel Asset Management. Die Kurven der Staatsanleihen seien flach, was die derzeitige Unsicherheit zeige. Der Renditeunterschied zwischen 10-jährigen und fünfjährigen US-Treasuries betrage weniger als 10 Basispunkte, während er bei den Gilts rund 20 Basispunkte betrage. Da am kurzen Ende bereits sechs Zinserhöhungen bei der FED und der Bank of England gleichermaßen eingepreist seien, wäre eine Positionierung hier vielversprechender, als am langen Ende, bei dem sich die Lücke wieder vergrößern könnte, sollte sich der Konflikt in Osteuropa entspannen und das Inflationsproblem wieder in den Mittelpunkt rücken.
Schnelllebige Situationen wie diese seien für Anleger immer eine Herausforderung, aber die Ausrichtung eines Portfolios auf das kurze bis mittlere Ende der Zinskurve scheine in dieser Zeit der Ungewissheit ein vernünftiger und umsichtiger Ansatz zu sein. Dies gelte vor allem dann, wenn einige der eingepreisten Zinserhöhungen nicht eintreten würden, weil die Zentralbanken eine Pause einlegen würden, um die Auswirkungen des Konflikts zwischen Russland und der Ukraine und einer sanktionsbedingten Wachstumsverlangsamung zu bewerten. (15.03.2022/alc/a/a)
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