Stockholm (www.anleihencheck.de) - Trotz des Hinweises auf kurzfristige Aufwärtsrisiken bei der Inflation hielt die Europäische Zentralbank (EZB) auf ihrer Sitzung am 3. Februar an ihrem geldpolitischen Kurs fest, so Sébastien Galy, Senior-Makrostratege bei Nordea Asset Management.
Sie habe die nächste März-Sitzung als entscheidend für ihre Politik bezeichnet, da sie dann die mittelfristige Inflationsdynamik vollständig bewertet haben werde. Im Wesentlichen sei die EZB nach wie vor der Ansicht, dass die hohe Inflation hauptsächlich auf angebotsseitige Beschränkungen und erhöhte Energiepreise zurückgehe, während der Arbeitsmarkt möglicherweise noch nicht stark genug sei, um eine nennenswerte Inflation zu unterstützen. Ganz anders die Erwartungen am Swap-Markt, wo Banken feste gegen variable Zinszahlungen tauschen würden: Dort sei bereits eine restriktivere Politik mit mindestens zwei Zinserhöhungen im kommenden Jahr eingepreist worden.
Die EZB möchte, dass die Produktivität, begünstigt durch niedrige Kreditkosten, stetig ansteige, während die Löhne in einem angemessenen Tempo wachsen würden. Um dies zu erreichen, werde sie das künftige Wachstum schließlich durch eine Straffung der Geldpolitik dämpfen müssen. Die EZB werde wahrscheinlich im März das Ende des Anleihekauf-Programms APP zum Jahresende und die ersten Zinserhöhungen im nächsten Jahr ankündigen - deutlich später als vom Markt erwartet. Dennoch dürfte die EZB ihren langsamen Kurswechsel fortsetzen und schließlich zu den Erwartungen des Swap-Marktes aufschließen.
In einem Umfeld, in dem die EZB langsam aufhole, was auf dem Swap-Markt bereits eingepreist worden sei, würden europäische Aktien wahrscheinlich nicht die großen Zinsschocks erleiden, die auf dem US-Aktienmarkt zu beobachten seien. Dies gelte umso mehr, da sie im Schnitt günstiger bewertet seien. Das Kurs-Gewinn-Verhältnis des MSCI EU liege bei 14,6, während das Verhältnis des US-Pendants bei 18,2 liege. Die niedrigen Zinssätze dürften auch weiterhin die Grundlage für Innovationen und das Aufkommen grüner Technologien bilden. Der eigentliche Test für die Eurozone sei nicht eine eventuelle leichte Erhöhung der Zinssätze, sondern die Verringerung der EZB-Bilanz. Diese liege jedoch noch zu weit in der Zukunft, um ihre Folgen ohne weiteres vorhersagen zu können. (07.02.2022/alc/a/a)
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