Wien (www.anleihencheck.de) - In den letzten Wochen hat die US-Notenbank die Rhetorik hinsichtlich ihrer Geldpolitik spürbar verschärft, so Ingrid Szeiler, CIO der Raiffeisen Kapitalanlage-Gesellschaft m.b.H. (Raiffeisen KAG).
So sei in Aussicht gestellt worden, dass die Anleihekäufe bereits im ersten Quartal eingestellt und in weiterer Folge die Leitzinsen angehoben würden. Mittlerweile werde diskutiert, ab wann die FED ihre Anleihebestände wieder reduzieren werde. All das habe zweierlei bewirkt: Erstens habe sich die gesamte US-Zinskurve spürbar nach oben verschoben. Und zweitens würden sich viele Marktteilnehmer die bange Frage stellen, ob die FED in diesem Jahr zum Spielverderber für Aktienanlegerinnen und -anleger mutieren werde. Deutlich höhere Zinsen wären ja schlecht für die Aktienmärkte. Befeuert werde die Diskussion zusätzlich von den Aussagen namhafter US-Banker, die für dieses Jahr bis zu sieben Zinsanhebungen erwarten würden.
Das sähen die Experten der Raiffeisen KAG aber als übertrieben an. Tatsächlich sei es zumeist die Geldpolitik, die letztlich zu den größeren Rückschlägen an den Aktienmärkten führe - zuletzt gesehen im Jahr 2018. Die Ängste seien also berechtigt. Zu berücksichtigen sei allerdings nicht nur die Veränderung der Leitzinsen und der gesamten Zinskurve, sondern auch das Niveau. Und hier starten wir am kurzen Ende gleichsam bei null und bei zehnjährigen Anleihen liegen wir trotz der jüngsten Anstiege nach wie vor deutlich unter der 2%-Marke, so die Experten der Raiffeisen KAG. Somit sei es noch ein weiter Weg, bis die Geldpolitik die Schwelle von "weniger unterstützend" zu "bremsend" überschreiten werde. Und bis dahin fänden die Aktienmärkte ein konstruktives Umfeld vor.
Nachdem die Notenbanken in diesem Jahr einen deutlich restriktiveren Pfad einschlagen würden, werde die Entwicklung der Credit-Spreads, neben allgemeinen Konjunkturdaten, stark von den Berichtssaisonen abhängig sein. Hier würden die Experten der Raiffeisen KAG noch von einer soliden Entwicklung ausgehen. Erhöhte Ausfallsrisiken sähen sie am Euro-Corporate-Bond-Markt aufgrund der hohen Cash-Bestände der Unternehmen nicht.
Die internationalen Aktienmärkte hätten in den letzten Wochen etwas konsolidiert. Als bestimmendes Thema sei Omikron (trotz nach wie vor hoher Zahlen) eindeutig vom Themenkomplex Inflation/Zinsanhebungen abgelöst worden. Eine schnellere und stärkere (als aktuell erwartete) Rückführung der expansiven Notenbankpolitik der letzten Jahre stellt auch für uns einen der Risikofaktoren für dieses Jahr dar, so die Experten der Raiffeisen KAG. In Summe sähen die Experten die Notenbankpolitik aber auf Sicht der nächsten Monate als weiter unterstützend an und würden daher die aktuell schwächeren Kurse für Zukäufe nutzen.
Obwohl mit Omikron und der damit einhergehenden deutlich gestiegenen Übertragbarkeit eine No-COVID-Strategie immer schwerer aufrechtzuerhalten sei, gehe China bisher weiter diesen Weg. Damit seien wieder größere Regionen von Ausgangssperren betroffen. Das belaste Chinas Wachstum und heize die Lieferkettenproblematik an. Die Zuspitzung der geopolitischen Lage in Osteuropa habe zusehends negative Auswirkungen auf die Region. Bei einer Eskalation der Lage sei hier von deutlichen Auswirkungen auf die gesamten Emerging Markets zu rechnen.
Die Rohstoffmärkte (insbesondere der Energiesektor) hätten einen sehr starken Jahresbeginn verbuchen können. Als das bestimmende mittelfristige Thema sähen die Experten der Raiffeisen KAG weiterhin, dass die Unternehmen trotz gestiegener Preise sehr zurückhaltend bei Investitionen (und damit zukünftigem Angebot) seien. Diese Vorsicht dürfte zu keiner raschen Entspannung auf der Angebotsseite führen und daher die Rohstoffpreise weiter unterstützen. (20.01.2022/alc/a/a)
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