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03.12.21 11:30
Staatsanleihen Kerneuropas bleiben vorerst unattraktiv

Wien (www.anleihencheck.de) - Wird Omikron die letzte dominante Variante sein - und ist sie das überhaupt? Wir wissen es nicht, so Ingrid Szeiler, CIO der Raiffeisen KAG.

Ob die Impfungen für diese Mutation funktionieren würden oder angepasst werden müssten, könne auch noch niemand sagen. Und wie weit man im griechischen Alphabet noch kommen werde, würden sich wohl selbst die Experten nicht zu prognostizieren trauen. Am Ende eines extrem starken Aktienjahres führe diese Welle an Fragen aus ohnehin schon bewölktem Himmel verständlicherweise zu Verunsicherung unter den Anlegerinnen und Anlegern. Statt der üblicherweise positiven Saisonalität befinde man sich auf den Aktienmärkten nun unvermittelt im Korrekturmodus. Und nach einem derart ausgeprägten Anspringen der Volatilität dauere es in der Regel zumindest mehrere Wochen, bis sich die Märkte wieder beruhigt hätten.

Ausblick 2022: Dieser falle aus Sicht der Experten für die Aktienmärkte positiv aus. Auch wenn die aktuellen Erwartungen hinsichtlich Wirtschaftswachstum Omikron bedingt etwas nach unten revidiert werden sollten, bleibe das Bild einer fortgesetzten Konjunkturerholung aufrecht. Davon würden die Unternehmen profitieren und ihre Erträge steigern können. Gleichzeitig würden die Notenbanken ungeachtet hoher Inflationsraten die geldpolitischen Zügel nur langsam anziehen. Unterdessen stünden die Vorzeichen für viele Anleihemärkte auf moderat steigende Renditen. Interessant würden hingegen die Rohstoffe bleiben. Die im Herbst gesehene Übertreibung sei vorüber, die Assetklasse somit auch wieder taktisch attraktiv.

Die Zurückhaltung der Experten gegenüber kerneuropäischen Staatsanleihen bleibe aufrecht, wenngleich etwa die Renditen deutscher Staatsanleihen zuletzt leicht gesunken seien. Sie würden v.a. in den USA einen stärkeren Inflations- und Wachstumsschub als in der Euro-Zone sehen.

Die Fundamentaldaten des Unternehmenssektors würden sich weiterhin stark entwickeln. Daher würden die Experten die kräftig angestiegenen Swap-Spreads als durchaus attraktiv erachten, weshalb sie Euro-Investmentgrade- und High-Yield-Unternehmensanleihen sowie US-Dollar-High-Yield- Unternehmensanleihen weiterhin positiv sehen würden.

Emerging-Markets-Lokal- und Hartwährungsanleihen hätten im November deutliche Rückschläge hinnehmen müssen. Neben diversen Einzelevents (z.B. Türkei, neue Covid-Mutation), mache das frühere Ende der US-Anleihekäufe der FED und ein damit verbundener aggressiverer US-Zinsanhebungszyklus Emerging-Markets-Anleihen etwas weniger attraktiv.

Die Unsicherheit sei zurück an den Kapitalmärkten und sie trage den Namen Omikron. Aktuell könnten die Auswirkungen noch nicht seriös eingeschätzt werden, die Experten würden daher für unseren mittelfristigen Ausblick noch andere Faktoren (Konjunktur- und Gewinn-Momentum sowie Notenbankpolitik) als entscheidend ansehen. Sie würden erwarten, dass die Diskussion um den Zeitpunkt und den Pfad der Rückführung von Notenbankmaßnahmen (ausgehend von den USA) immer stärker in den Fokus der Anlegerinnen und Anleger rücken würden und für Volatilität an den Aktienmärkten sorgen werde.

Mit dem Auftauchen der neuen COVID-Variante ventiliere ein neues Problem durch die ohnehin schon geplagte Emerging-Markets-Region. Fraglich sei auch, wie auf die möglicherweise ansteckendere Variante in Ländern wie etwa China reagiert werde, die bisher eine "No-Covid" Strategie als kommod erachtet hätten. Insbesondere Länder, die von starken Rohstoffpreisen getrieben würden, kämen aktuell etwas unter Druck. Der Gewinnentwicklung in Lateinamerika und Osteuropa sollte das einen Dämpfer geben.

Die Rohstoffmärkte hätten sich schon die letzten Wochen schwächer präsentiert und die jüngsten Corona-Nachrichten hätten der Stimmung einen nochmaligen markanten Dämpfer versetzt. Trotz gestiegener Preise seien die Unternehmen, was Investitionen betreffe (und damit zukünftiges Angebot), weiterhin sehr diszipliniert. Diese Zurückhaltung dürfte zu keiner raschen Entspannung auf der Angebotsseite führen und daher die Rohstoffpreise weiter unterstützen. (03.12.2021/alc/a/a)


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