Frankfurt (www.anleihencheck.de) - Wachstum und Inflation - gepaart mit einer schrittweise erfolgenden geldpolitischen Straffung - dürften im Jahr 2022 eine sanfte Landung hinlegen, so Christel Rendu de Lint, Deputy Head of Investment bei Vontobel.
Der Aufwärtstrend bei Aktien werde wahrscheinlich anhalten, aber bei einer Verlangsamung des Wachstums im Zuge des natürlichen Zyklus abflachen. Anleger sollten jedoch auf einen Anstieg der Volatilität vorbereitet sein.
Nach den geldpolitischen Maßnahmen durch Staaten und Zentralbanken während der Pandemie hätten die Weltwirtschaft und die Finanzmärkte eine der spektakulärsten Phasen von Abschwung und anschließender Erholung in der Geschichte erlebt. Wie bei jedem natürlichen Zyklus verlangsame sich das Wachstum nun wieder und werde sich wahrscheinlich wieder seinem langfristigen Potenzial annähern.
Der rasche und ausgeprägte Inflationsanstieg habe sich als notwendiges Übel dieses beschleunigten Zyklus erwiesen. Er habe nicht nur die Erwartungen der meisten Marktteilnehmer, sondern auch die der Zentralbanken übertroffen. Erschwert worden sei diese Situation durch beträchtliche Lieferkettenprobleme und einem deutlichen Anstieg der Rohstoffpreise. Dieser werde mit einem Ungleichgewicht zwischen Angebots- und Nachfragefaktoren in Verbindung gebracht.
In der Tat würden die Zentralbanken durch eine kontrollierte und umsichtige Vorgehensweise bei Anleihenkäufen und Zinssätzen eine zentrale Rolle spielen, damit die Wirtschaft eine sanfte Landung ohne ein abruptes Ende des Wachstums hinlegen könne. Für die Zentralbanken werde es ein Drahtseilakt werden. Sie müssten die Bedenken des Marktes hinsichtlich der Sorglosigkeit im Zusammenhang mit der Inflation zerstreuen und gleichzeitig das Wachstum fördern. Auch dürfe nicht vergessen werden, dass die Zinsen wieder auf fast null gesunken seien. Dadurch bleibe den Zentralbanken wenig Handlungsspielraum, wenn das Wachstum einbrechen sollte - ganz zu schweigen von den überstrapazierten Staatshaushalten in Folge der massiven Ausweitung der fiskalpolitischen Maßnahmen im letzten Jahr.
Die US-amerikanische Notenbank FED sei unter den Zentralbanken wahrscheinlich am besten für diesen Balanceakt aufgestellt. Sie verfüge über ein Doppelmandat, dass neben der Inflation auch das Wachstum (bzw. die Beschäftigung) berücksichtige. Andere Zentralbanken würden dagegen als reine Währungshüter fungieren. In diesem Kontext sei es besonders bemerkenswert, dass es den Zentralbanken bislang gelungen sei, den Finanzmärkten nicht nur das Tapering, sondern auch mögliche Zinsanhebungen fast ohne Schocks an den Finanzmärkten und insbesondere bei Aktien zu vermitteln. Dies stehe in deutlichem Gegensatz zum schmerzhaften Taper Tantrum im Jahr 2013: Obwohl Zinsanhebungen nicht konkret zur Debatte gestanden hätten, seien die Märkte seinerzeit aufgrund der bloßen Möglichkeit von Zinsanpassungen ins Taumeln geraten.
Trotz der Möglichkeit einer sanften Landung steht uns ein erhöhtes Volatilitätsniveau bevor, so die Experten von Vontobel Asset Management. Dieses werde sich im Laufe des nächsten Jahres nachteilig auf risikoreiche Anlagen auswirken, da die Entwicklung der Inflation und des Wachstums beträchtliche Unsicherheiten beinhalte. Die Zuversicht der Anleger könnte daher auf die Probe gestellt werden. Darüber hinaus bleibe das Risiko eines zwar unwahrscheinlichen, aber folgenschweren geldpolitischen Fehlers der Zentralbanken bestehen, falls diese beim Thema Inflation die Nerven verlieren würden.
Aktien sollten diese Volatilitätsschübe jedoch gut verkraften können und würden ihren positiven, wenn auch weniger steilen Aufwärtstrend beibehalten. Der Grund hierfür seien die in diesem Quartal veröffentlichten hervorragenden Unternehmensergebnisse, die ein Zeichen für die Robustheit der Unternehmensbilanzen in den Industrieländern seien. Im Vergleich mit europäischen Aktien erschienen US-Aktien in der Post-Peak-Phase aufgrund ihres höheren erwarteten Ertragswachstums, ihrer geringeren Zyklizität und ihrer historischer Outperformance besonders attraktiv, so die Experten von Vontobel Asset Management. Anleger sollten aber in jedem Fall ihre Portfolios auf ihre Risikobereitschaft abstimmen, um Kurzschlussreaktionen zu vermeiden. (30.11.2021/alc/a/a)
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