Zürich (www.anleihencheck.de) - Die Kombination aus verminderter Geldnachfrage aufgrund eines tieferen Wachstums bei gleichzeitig zunehmender Liquiditätsversorgung führt zu hoher Überschussliquidität an den Finanzmärkten, so Beat Thoma, CIO bei Fisch Asset Management.
Ein Teil dieser Gelder fließe an die Aktien- und Kreditmärkte und sorge dort für solide Unterstützung und für eine Kompensation der hohen Bewertungen. Ein anderer Teil der Liquidität werde weiterhin an den Repo- und Geldmärkten geparkt und stelle eine Reserve für den Fall einer höheren Geldnachfrage dar. Insgesamt werde das Finanzsystem damit stabilisiert und ausgeglichen.
In diesem Umfeld bestehe kurzfristig wenig Druck für steigende langfristige Zinsen. Allerdings müsste das Zinsniveau aufgrund der mittelfristig erwarteten Wachstumsraten der Konjunktur und der Inflation wesentlich höher liegen. Es bestehe damit eine enorme Divergenz zwischen dem aktuellen Zinsniveau und den fundamentalen Erwartungswerten. Dies könne jederzeit zu einer überraschenden Zinsanpassung führen. Auch an den Aktien- und Kreditmärkten dominiere vorerst noch die positive Wirkung der lockeren Geldpolitik. Diese rechtfertige teilweise die hohen Bewertungsniveaus. Mittelfristig würden die Experten von Fisch Asset Management aber aufgrund der konjunkturellen Abkühlung mit tieferen Unternehmensgewinnen rechnen. Dementsprechend würden sie das Aufwärtspotenzial an den Finanzmärkten als intakt, aber limitiert einschätzen.
Ein möglicher künftiger Störfaktor könnten die weltweit weiter stark steigenden Immobilienpreise sein, die eine anhaltend lockere Geldpolitik erschweren würden. Insbesondere in den USA würden die Immobilienpreise derzeit massiv und beschleunigt ansteigen. Die aktuelle Bewegung sei sogar stärker als in den Jahren 2004 bis 2006 im Vorfeld der Finanzkrise. Steigende Immobilienpreise zusammen mit den aktuell hohen Konsumausgaben seien starke potenzielle Treiber künftiger Inflation. Die US-Zentralbank beobachte die Entwicklung genau und werde in absehbarer Zeit erste Maßnahmen ergreifen müssen. Es werde eine Reduktion (Tapering) der Käufe (QE) von MBS-Papieren diskutiert. Diese Maßnahme hätte allerdings nur mäßige Wirkung auf die Immobilienpreisentwicklung. Solange aber der US-Arbeitsmarkt nicht deutlicher anziehe, sei kurzfristig nicht mit großen Problemen für die Geldpolitik zu rechnen. Trotzdem baue sich hier mittelfristig ein ernstzunehmendes Gefahrenpotenzial für die Finanzmärkte und die Zinsentwicklung auf. (10.08.2021/alc/a/a)
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