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23.07.21 09:15
EZB-Zinsentscheid: Jetzt ist es offiziell - japanische Zinsverhältnisse im Euroraum

München (www.anleihencheck.de) - Der EZB-Rat hat auf seiner Sitzung am Donnerstag die Leitzinsen wie erwartet unverändert gelassen, so Chefvolkswirt Dr. Thorsten Polleit von Degussa Goldhandel.

Gleichzeitig habe er jedoch unmissverständlich zu verstehen gegeben, dass die Zinsen noch lange, lange Zeit auf (beziehungsweise) unter der Nulllinie verharren würden.

Die Zinsen sollten nämlich erst dann angehoben werden, wenn sie innerhalb des zweijährigen EZB-Prognosehorizontes merklich und nachhaltig über der 2-Prozentmarke lägen.

Ob und wann dies aber der Fall sei, diese Bewertung wolle der EZB-Rat treffen. Damit habe er sich einen extrem weitgespannten Ermessensspielraum eingeräumt, um eine mögliche Zinserhöhung immer weiter in die Zukunft zu verschieben beziehungsweise zu "verunmöglichen".

Zudem sei bei dieser EZB-Politik damit zu rechnen, dass die Inflation gewollt höher ausfalle als bisher (als die Inflation noch "unter, aber nahe bei 2 Prozent") liegen sollte. Denn der EZB-Rat lasse fortan ganz bewusst ein Überschreiten der Zielinflation zu.

Sollten noch Zweifel bestanden haben, was gespielt wird, so dürfte nunmehr klar sein, dass die EZB für japanische Zinsverhältnisse sorgen wird, und zwar dauerhaft und nachhaltig: die Zinsen bleiben auf oder werden noch weiter unter die Nulllinie getrieben; und ein Ansteigen der Zinsen wird immer unwahrscheinlicher, je stärker die Verschuldung im Zuge der Null- und Negativzinsen zunimmt, so die Experten von Degussa Goldhandel.

Bei steigender Inflation, mit der im Grunde nun fest zu rechnen sei, seien daher noch höhere Negativzinsen absehbar.

Die EZB werde ihre Anleiheaufkäufe erhöhen, und das bedeute, dass sie die Zentralbankgeldmenge (soweit Banken die Verkäufer der Schuldpapiere seien) und die Geschäftsbankengeldmenge (soweit Nichtbanken auf der Verkäuferseite stünden) ausweiten werde. Allein deshalb sei das Ansteigen der Güterpreise auf breiter Front im Euroraum quasi vorprogrammiert.

Das Ganze laufe natürlich auf ein betrügerisches Spiel hinaus. Wenn die Menschen erkennen würden, was die Stunde geschlagen habe - dass die Kaufkraft des Geldes gezielt herabgesetzt werden solle, um die überschuldeten Staaten zu entlasten -, und wenn sie beginnen würden, aus dem Geld zu fliehen, werde die gesamte Euro-Schuldenpyramide einstürzen. Noch sei es aber wohl noch nicht soweit - die Mehrheit halte weiter an ihren Euro-Guthaben und -Wertpapieren fest; wie lange das so bleiben werde, lasse sich nicht mit Gewissheit sagen.

Das Halten von Euro in Form von Bargeld, Sicht-, Termin- und Sparguthaben und Geldmarktfonds sei seit Jahren bereits ein Verlustgeschäft - diese Anlageklasse verliere seit Jahr und Tag an Kaufkraft.

Anleger seien gut beraten, insbesondere ihre für längerfristige Zwecke gehaltenen Bankdepositen in physisches Gold und Silber (Münzen und Barren) umzuschichten.

Die Preise für die Edelmetalle seien aus Sicht der Experten derzeit günstig, um Gold- und Silberpositionen auf- und auszubauen. Wer einen langfristigen Anlagehorizont habe von drei/fünf oder mehr Jahren, der habe wirklich gute Gründe, seine liquiden Mittel dem physischen Gold und dem physischen Silber anzuvertrauen. (Ausgabe vom 22.07.2021) (23.07.2021/alc/a/a)


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