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18.06.21 16:16
Credit-Spreads dürften sich im Zuge der Erholung in Europa weiter zurückbilden

Essen (www.anleihencheck.de) - Angesichts der hohen konjunkturellen Dynamik und höherer Inflationsrisiken ist mehr und mehr davon auszugehen, dass die Notenbank in den Vereinigten Staaten zumindest früher als bisher von den Märkten erwartet damit beginnen wird, die Geldpolitik zu straffen, so die Analysten der National-Bank AG.

In der Tat hätten die Mitglieder des Offenmarktausschusses mit der letzten Sitzung begonnen, die geldpolitische Wende einzuleiten, wenn auch so behutsam wie irgend möglich: Die US-Notenbank FED setze ihre ultralockere Geldpolitik zunächst weiter fort, habe aber nach der Sitzung der ausgehenden Woche zugleich eine frühere erste Zinserhöhung als bisher signalisiert: Konkret bleibe der Leitzins in der Spanne von 0,0 bis 0,25 Prozent, auch ihre milliardenschwere Anleihenkäufe wolle die FED in einem unveränderten Tempo von insgesamt mindestens 120 Milliarden Dollar pro Monat fortsetzen, umso der Wirtschaft weiter üppig Liquidität zuzuteilen.

Die Mehrheit der stimmberechtigten Mitglieder des FOMC gehe nunmehr von ersten Zinserhöhungen beim Leitzins im Laufe des Jahres 2023 aus, implizit würden sich daraus zwei Zinserhöhungen um jeweils 0,25 Prozentpunkte bis Ende 2023 ableiten lassen. Die Analysten würden sich daher in ihrer Argumentationslinie bestätigt fühlen, dass die US-Notenbank immer auch dem Risikomanagement verpflichtet bleibe: Alleine die Zunahme des Risikos, dass es zu einer Entankerung der Inflationserwartungen komme, müsse den weiteren Notenbankpfad zwingend verändern. Es sei daher klar zu erwarten, dass sich die Indikation für ein Tapering sukzessive weiter verdichten werde: Die Diskussionen über ein Zurückfahren der Anleihenkäufe hätten nunmehr begonnen, sollten die langfristigen Inflationserwartungen substanziell ansteigen, werde die FED ihre geldpolitische Ausrichtung weiter anpassen müssen.

Wie von den Analysten erwartet, werde die EZB ihre geldpolitische Linie b.a.W. nicht ändern: Zuletzt habe die EZB-Präsidentin Christine Lagarde verlauten lassen, dass man die Politik der Bank derzeit am besten als die einer "ruhigen Hand" beschreiben könne. Auch der EZB-Chefvolkswirt Philip Lane habe in diese Richtung argumentiert und die Erwartung an eine baldige Korrektur des geldpolitischen Kurses gedämpft: Die EZB werde weiter an ihrem Wording arbeiten und ihre Maßnahmen zu legitimieren suchen, hinter den Kulissen gehe die Niveauverschiebung der politökonomischen Parameter der europäischen Geldpolitik aber sicherlich weiter.

Vor dem Hintergrund der obigen Perspektiven für die Geldpolitik rund um den Globus bleibe das Aufwärtspotenzial für die Kapitalmarktzinssätze vor allem in Europa auch weiterhin begrenzt: Die US-Kurve sei derzeit schon überdurchschnittlich steil, d.h. der Zinsabstand zwischen den - im weiteren Verlauf - erwarteten Notenbankvorgaben und den Kapitalmarktrenditen sei bereits weit überdurchschnittlich. Insofern werde es zwar stetig aber auf Sicht der kommenden Monate doch insgesamt nur relativ gemächlich mit den Renditen weltweit nach oben gehen, wie auch die jüngsten Rücksetzer bei den US-Renditen gezeigt hätten.

Auf Jahressicht würden die Analysten vor dem Hintergrund der doch immer spürbareren Aufhellung der Perspektiven nunmehr davon ausgehen, dass die 10-jährigen Staatsanleihen in den Industrienationen ihren Aufwärtstrend auf Sicht der nächsten zwölf Monate wiederaufnehmen können sollten. Die Bundrenditen dürften auf Sicht der kommenden zwölf Monate bei - 0,1% rentieren, ihre Prognosen für die 10-jährigen US-Treasuries würden die Analysten ebenfalls unverändert belassen und zwar bei Renditen um 2,0% auf Jahressicht.

Die Corporate Spreads - gemessen am 5-jährigen Markit-iTraxx-Europe - seien zuletzt leicht unter die Marke von 50 Basispunkten gefallen. In ihrem Hauptszenario würden die Analysten aber auch weiterhin erwarten, dass sich die Credit-Spreads im Zuge der Erholung in Europa weiter zurückbilden würden: Die Kombination von reichlicher Versorgung mit Liquidität und einer rund um den Globus besser verlaufenden Erholung der Weltwirtschaft dürfte auch weiterhin kurstreibend wirken. Auf Jahressicht könnten dann zunächst die Tiefststände aus dem Jahre 2018 in Angriff genommen werden: Die Analysten würden eine weitere Spreadkompression zunächst auf Werte um 40 Basispunkte erwarten. (18.06.2021/alc/a/a)


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