Hamburg (www.anleihencheck.de) - Die Renditen der Staatsanleihen haben nach einem zwischenzeitlichen Hoch erneut nachgegeben, so Dr. Cyrus de la Rubia, Chefvolkswirt bei der Hamburg Commercial Bank.
Die zehnjährigen T-Notes würden derzeit bei 1,14% rentieren, die korrespondierenden Bunds bei -0,48%. Hier mache sich teilweise die Rede von FED-Präsident Jerome Powell bemerkbar, der vorgestern vor dem Economic Club of New York die Probleme am Arbeitsmarkt betont habe. Er habe darauf verwiesen, dass knapp 10 Mio. weniger Menschen als vor Corona Beschäftigung hätten und es werde noch sehr lange dauern, bis sich die Lage wieder normalisiert habe. Über die Inflation mache sich Powell offensichtlich keine Sorgen, die werde noch eine Weile gedämpft bleiben bzw. er rechne nur mit einem temporären Anstieg. Powell habe von einem "patiently accomodative monetary policy stance" gesprochen, was wohl so viel heiße wie, dass man noch lange Anleihe kaufen und geduldig darauf warten werde, dass wieder Vollbeschäftigung herrsche.
Ein weiterer Grund für den Rückgang der Renditen könnte der verlängerte Lockdown in Deutschland sein, der insbesondere in Wirtschaftskreisen Kritik ausgelöst habe. In der Tat sei es etwas enttäuschend, dass man - so wie das beispielsweise in Österreich passiere - nicht Schnelltests einsetze, um Schulöffnungen und die Öffnung kultureller Einrichtungen und anderer Dienstleistungen zu ermöglichen. In dieser Beziehung seien nur vage Andeutungen zu vernehmen gewesen. Die Verlängerung bis zum 7. März sei nunmehr beschlossen und werde nach Angaben des ifo-Instituts rund 1,5 Mrd. Euro pro Woche kosten bzw. das BIP werde um diesen Betrag geringer ausfallen.
In den USA gehe das Impeachmentverfahren gegen den ehemaligen Präsidenten Donald Trump weiter, aber es sei eigentlich klar, dass die Demokraten nicht die zwei Drittel-Mehrheit im Senat erhalten würden.
Die am 11.02. veröffentlichte Winterprognose der EU-Kommission habe keine Überraschungen gebracht. Sowohl für das laufende als auch für das kommende Jahr werde ein Wirtschaftswachstum von 3,8% in der Eurozone erwartet, nach -6,8% im vergangenen Jahr. Überdurchschnittliches Wachstum von 5,5% und 5,6% werde für Frankreich und Spanien prognostiziert, während Deutschlands BIP gemäß EU-Kommission um 3,2% expandieren werde.
Am 12.02. würden die Feierlichkeiten zum neuen Jahr in China beginnen. Es sei das Jahr des Ochsens, der in China unter andere für Ehrlichkeit und Fleiß stehe. Am Montag sei in den USA Feiertag (President's day). Als Highlights seien das Protokoll der letzten US-Notenbanksitzung (16.02.) zu nennen sowie die PMI-Einkaufsmanagerindices für die Eurozone (Schnellschätzung für Februar, 18.02.). (Ausgabe vom 11.02.2021) (12.02.2021/alc/a/a)
© 1998 - 2026, anleihencheck.ariva-services.de