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30.10.20 11:15
Herausforderungen an den Fixed-Income-Märkten: Anleiheninvestoren müssen bei Credits alle Segmente berücksichtigen

New York (www.anleihencheck.de) - In den letzten zehn Jahren wurde es immer schwieriger, allein oder überwiegend mit Staatsanleihen der Kernmärkte dauerhaft laufenden Ertrag zu erwirtschaften und die COVID-19-Pandemie hat es keineswegs besser gemacht, so die Experten von Neuberger Berman.

Im März dieses Jahres habe eine Liquiditätsklemme am Staatsanleihemarkt zwar einen Renditeanstieg ausgelöst - und das in einer Zeit, in der risikoreichere Titel eingebrochen seien. Seitdem seien die risikolosen Renditen aber fast wieder zu ihren Allzeittiefs zurückgekehrt und trotz der starken Erholung der Credit-Märkte auch nicht erneut gestiegen. Es gebe also keinen Puffer, mit dem Staatsanleihen ein Portfolio beim nächsten Anstieg der Risikoaversion stabilisieren könnten.

Wenn die Zinsen für risikofreie Anlagen nahe bei oder sogar unter Null lägen, würden Anleger dazu neigen, auf alte Gewohnheiten zurückzugreifen, um laufende Erträge zu erzielen. Eine Möglichkeit seien höhere Liquiditätsrisiken, um für den Besitz selten gehandelter Wertpapiere entschädigt zu werden. Eine andere sei ein hoher Leverage, um neben dem Risiko auch die Ertragschancen zu steigern. Schließlich könnten auch höhere Kreditrisiken helfen - Anlagen in spekulativere Papiere in der Hoffnung, dass es gut gehe.

Auch wenn Staatsanleihen für die meisten Anleiheninvestoren noch ihre Berechtigung hätten, würden viele daher jetzt auf Credit-Märkte setzen, wenn (laufende) Erträge das Ziel seien. Doch selbst hier hätten mehrere Jahre mit fallenden Spreads bewirkt, dass Anleger verstärkt in illiquide Titel investieren, mehr Leverage nutzen und immer höhere Kreditrisiken eingehen würden.

Illiquidere Titel würden die Experten bei Neuberger Berman noch für das Beste halten. Trotzdem sollte man sie nicht allein wegen ihrer höheren Rendite halten. Bei Private Debt und weniger liquiden Loans und Verbriefungen würden die Experten durchaus interessante Möglichkeiten sehen. Aber das könne bei Marktrenditen nur ein Teil der Lösung sein und es sei keine Option für Anleger, die nur in liquide Credits investieren dürften.

Die zweite Variante sei Leverage durch Kreditderivate, vor allem auf Investmentgrade-Titel. Die Experten würden dies für sinnvoll halten, um das Risikoprofil eines Portfolios ausgewogener zu gestalten. Skeptisch seien die Experten aber bei einem hohen Leverage zur Steigerung von Renditen oder laufenden Erträgen, vor allem, wenn die Zinsen so niedrig seien wie jetzt. Bei diversifizierten Credit-Portfolios seien 400 bis 600 Prozent Leverage zurzeit keineswegs ungewöhnlich. Das sei eine Menge Risiko und aus Sicht der Experten auch nicht sehr effizient, wenn man in Kreditrisiken investieren wolle.

Und High-Yield-Anleihen? Im März, auf dem Höhepunkt der COVID-19-Panik, hätten Experten eine kumulierte Ausfallquote von mehr als 30 Prozent befürchtet. Heute sei die Bereitschaft wieder höher, Unternehmen mit Liquidität zu versorgen, damit sie die Krise überstünden. Aufgrund der beispiellosen geld- und fiskalpolitischen Hilfen seien auch die Erwartungen für die Ausfallquote in den Jahren 2020 und 2021 geringer.

Jedoch stehe fest: Die Zeiten seien vorbei, als die Notenbanken für ein niedriges, doch stetiges Wirtschaftswachstum gesorgt hätten und die Ausfallquote von High Yield scheinbar nie über 2 Prozent gestiegen sei. Nicht jedes Unternehmen werde COVID-19 unbeschadet überstehen. Die Unternehmen würden sich stärker verschulden und die Notenbanken würden zwar geholfen haben mögen, doch würden davon vor allem stabilere Emittenten profitieren.

Eine Alternative biete ein Ansatz mit einem flexiblen Konzept, das in alle Segmente der internationalen Credit-Märkte investiere. Dieser alternative Ansatz habe drei Ziele:

1. Zielrendite wie bei einer konservativen High-Yield-Anlage
2. Portfoliovolatilität wie bei einer Investmentgrade-Anlage
3. Taktische Anlagen in günstig bewertete Sektoren und Kontrolle der Verlustrisiken

Um all dies zu erreichen, müssten Investoren flexibel sein. Sie müssten in allen Segmenten des Credit-Marktes investieren können, denn aufgrund der derzeitigen Ereignisse und der aktuellen Phase des Marktzyklus könnten die höchsten risikoadjustierten Renditen überall zu finden sein. Ein Credit-Portfolio für dauerhaft laufende Erträge sollte daher flexibel in die fünf wichtigsten Marktsegmente investieren: In internationale Investmentgrade-Titel, in internationale High-Yield-Anleihen und Loans, in Emerging-Market-Titel - vorwiegend Fremdwährungs-Staatsanleihen mit Investmentgrade-Status und Unternehmensanleihen - und in Verbriefungen wie Asset-Backed Securities (ABS), Credit Risk Transfers (CRTs) und Collateralized Loan Obligations (CLOs).

Veränderung des Marktumfelds - von niedrigen Zinsen, engen Spreads und geringer Volatilität hin zu noch niedrigeren Zinsen, aber einer sehr viel höheren Volatilität am Credit-Markt - würden nach einem Ansatz verlangen, der dauerhaft laufende Erträge erzielen könne. Dieser Ansatz sollte auf Credits setzen.

Ein Schwerpunkt auf Credits sei nötig, um Gesamterträge in gewohnter Höhe zu erzielen, zumal viele Investoren darauf angewiesen seien. Wer in alle Credit-Segmente investieren dürfe, könne sich stets für die Titel mit den interessantesten risikoadjustierten Erträgen entscheiden, auch in turbulenten Phasen mit großen Kursverzerrungen, in denen oft viele Chancen winken würden. Fundamentale Einzelwertanalysen könnten verhindern, dass man unkontrollierte Wetten auf die Gesamtmarktentwicklung eingehe, für einen Ausgleich von Qualität- und Renditechancen im Portfolio sorgen und faire Bewertungsvergleiche ermöglichen.

Mit einem solchen Konzept wären Erträge wie bei High-Yield- oder Emerging-Market-Anleihen möglich - bei einer geringeren Volatilität, ähnlich der von Investmentgrade-Titeln. (Ausgabe vom 29.10.2020) (30.10.2020/alc/a/a)


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