Hamburg (www.anleihencheck.de) - Die Europäische Bankenaufsicht EBA hat in der vergangenen Woche eine aktualisierte Auffassung zur Behandlung sogenannter "Legacy-Bonds" veröffentlicht, so die Experten von Aramea Asset Management.
Bei diesen Papieren handele es sich um ältere Nachranganleihen, welche die Regulierung nach der - von ihr erlassenen - Übergangsperiode bis 2022 nicht mehr in Bankbilanzen sehen möchte. Vielmehr sollten sie durch Anleihen neuen Formates ersetzt werden, die sich im Krisenfall einer Bank leichter in Eigenkapital umwandeln lassen würden. Als Lehre aus der Finanzkrise 2008 solle somit die Stabilität der Bankbilanzen erhöht werden.
"Lange Zeit rumorte es im Markt, dass einige dieser Tier1-Anleihen auch nach 2022 als Tier2-Anleihen bilanziert werden könnte", erkläre Fondsmanager und ARAMEA-Vorstand Sven Pfeil die Bedeutung des EBA-Berichtes. "Die Interpretation unterschiedlicher Regulierungsmaßnahmen wie CRR2/CRDIV und BRRD2 oder die Auslegung der Motivation von Emittenten hat viel Gestaltungsspielraum und somit Unsicherheit für die Kurse solcher Titel gelassen", ergänze der Co-Manager des ARAMEA Rendite Plus, Andreas Meyer.
"Ein schönes Beispiel ist die Anleihe des niederländischen Finanzinstitutes ING Group", erläutere Pfeil seine Erwartungen. "Nachdem das Papier sich von den März-Tiefständen etwas erholt hatte, stagnierte es in den letzten Wochen ein wenig." Direkt nach der Veröffentlichung des EBA-Berichtes habe der Markt jedoch die erhöhte Kündigungswahrscheinlichkeit eingepreist und die Anleihe habe um mehrere Punkte angezogen. Dennoch liege sie noch immer 6,5 Punkte unterhalb des potenziellen Kündigungsniveaus.
Hinweise, welche Nachranganleihen besonders von einer Kündigung "bedroht" seien, könne auch die Stückelung geben. "Papiere, die in 1.000er Stückelungen oder noch geringeren vorliegen und somit für Privatinvestoren einfach zugänglich sind, sind der Regulierung ein besonderer Dorn im Auge", sei sich Experte Meyer sicher. Dies könne man auch daran ablesen, dass die Anleihen neuen Formates mit Stückelungen von 100.000 und mehr emittiert würden. Hier diversifiziert anzulegen dürfte den meisten Privatanleger schwerfallen. Finanzierungvehikel, die extra für die Emission kreiert würden, möchte der Regulator in Zukunft genauso wenig sehen.
"Eine andere Möglichkeit, diese Papiere vom Markt zu bekommen, sind freiwillige Rückkaufangebote", ergänze Vorstand Pfeil. Diese hätten jedoch den Nachteil, das oftmals nicht das gesamte Volumen abgerufen werde und eine illiquide Restanleihe am Markt zurückbleibe. Da diese Reste aber viel Arbeit machen würden, würden sie in der Regel vom Emittenten letztlich doch gekündigt.
Ob Call oder Rückkaufangebot: Die Fantasie weiterer Kapitalmaßnahmen sei bei diesen Papieren wieder im Markt und dürfte sich in weiter anziehenden Kursen zeigen. Hiervon möchten die in diese Papiere investierenden Fonds ARAMEA Rendite Plus und ARAMEA Rendite Plus Nachhaltig profitieren. "Umso schöner ist, dass diese Kurszuwächse unabhängig von der weiteren Corona-Entwicklung, den US-Wahlen oder den anstehenden BREXIT-Verhandlungen sind, da sie rein auf regulatorischen Gründen beruhen", freue sich Fondsmanager Meyer. Die nächsten 14 Monate könnten somit für Nachranganleger einige positive Überraschungen bereithalten. (Ausgabe vom 29.10.2020) (30.10.2020/alc/a/a)
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