Wien (www.anleihencheck.de) - Kritiker fordern schon lange, die Europäische Zentralbank solle ihr Inflationsziel anpassen. Nun könnte es tatsächlich dazu kommen, so die Experten von "FONDS professionell".
Vermögenswerte hätten sich auch im vergangenen Jahr wieder erheblich verteuert - die Teuerungsrate im Euroraum verharre aber weiterhin auf niedrigem Niveau. Kritiker würden daher schon lange eine Reform der Inflationsmessung fordern - bislang mit wenig Erfolg. Dank Corona habe die Debatte neue Nahrung bekommen: Wenn die gemessene Inflationsrate während des Shutdowns sehr niedrig gewesen sei, dann auch deshalb, weil beispielsweise Benzin günstig gewesen sei, als kaum jemand mit dem Auto gefahren sei - während Dinge wie Lebensmittel, die man weiter dringend gebraucht habe, sich kräftig verteuert hätten.
Es sei gut denkbar, dass die Notenbank künftig beispielsweise die Kosten für selbstgenutzte Immobilien stärker berücksichtige, erkläre Michael Schubert, EZB-Fachmann der Commerzbank auf Anfrage der Zeitung. Sowohl EZB-Präsidentin Christine Lagarde als auch EZB-Chefvolkswirt Philip Lane oder Bundesbankpräsident Jens Weidmann hätten das für eine gute Idee gehalten.
Allerdings könne die EZB das nicht alleine entscheiden. Sie müsse sich dafür laut FAZ mit den Statistikbehörden abstimmen. Diese würden ihren Warenkorb zwar alle paar Jahre anpassen. Die Kosten für selbstgenutztes Wohneigentum seien allerdings nicht ganz leicht zu ermitteln. Außerdem würden die langfristigen Wirkungen dieser Umstellung überschätzt, glaube selbst Bundesbankpräsident Weidmann. Die Inflationsraten würden vor allem vorübergehend höher ausfallen. (23.09.2020/alc/a/a)
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