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27.07.20 14:30
KMU-Anleihemarkt im ersten Halbjahr 2020: Transaktionszahl steigt, Platzierungsvolumen rückläufig

Köln (www.anleihencheck.de) - Der deutsche Markt für KMU-Anleihen zeigt in dem von der Coronakrise gekennzeichneten ersten Halbjahr 2020 ein gemischtes Bild, so die Experten der IR.on AG.

Während sich die Anzahl der Emissionen leicht auf 14 Anleihen erhöht habe (H1 2019: elf Emissionen), habe sich das platzierte Volumen deutlich um 40% auf 304,7 Mio. Euro reduziert (H1 2019: 508,0 Mio. Euro). Verglichen mit dem angestrebten Zielvolumen der Anleiheemissionen von 455 Mio. Euro, habe die Platzierungsquote bei durchschnittlich 67% (Vorjahr: 93,6%) gelegen. Der Kupon habe sich im Durchschnitt über alle Transaktionen um 31 Basispunkte auf 5,54% p.a. erhöht. Das ergebe ein von der Investor Relations-Beratung IR.on AG durchgeführter Rückblick auf das erste Halbjahr 2020 zum deutschen KMU-Anleihemarkt.

Dominierende Branche unter den 13 KMU-Anleiheemittenten im Betrachtungszeitraum sei erneut der Immobiliensektor gewesen (vier Unternehmen; 31% der Emittenten). Auf Rang zwei liege die Lebensmittel & Getränke-Branche (drei Emittenten, 23%). Insgesamt würden die Emittenten aus acht unterschiedlichen Branchen stammen, was den Trend zu einer größeren Branchenvielfalt bestätige.

Lediglich vier Anleihen (29%) seien vollplatziert worden. Damit habe der Anteil vollplatzierter Emissionen deutlich unter Vorjahresniveau gelegen (H1 2019: 64%). Entgegen der Ergebnisse der letzten Jahre seien im ersten Halbjahr 2020 Erstemissionen (sieben Emissionen, vier vollplatzierte Anleihen) erfolgreicher gewesen als Folgeemissionen (sieben Emissionen, keine Vollplatzierung).

Frederic Hilke, Berater der IR.on AG: "Die Auswirkungen der Coronakrise sind auch am deutschen Markt für KMU-Anleihen ablesbar. Liegt das Zielvolumen in H1 2020 nur leicht unter Vorjahresniveau (-16%), so hat sich der Platzierungserfolg deutlich reduziert und das platzierte Volumen liegt um 40% unter dem des Vorjahres. Dies spricht dafür, dass Investoren in der Krise bei Neuemissionen weniger zugriffen und bei ihren Engagements stärker selektierten. Eine Rolle spielt dabei möglicherweise auch, dass neun der 14 Anleihen in Eigenregie begeben wurden und dadurch der nötige Investorenzugang der Emissionsbanken fehlte."

Bei den Emissionsvolumina habe das Gros der Transaktionen im Bereich bis zu 50 Mio. Euro gelegen (zehn Anleihen, 71%). Drei Emissionen hätten 50 Mio. Euro erzielt, im Volumen von 100 Mio. Euro sei lediglich eine Anleihe (momox GmbH) begeben worden. Damit würden vier Transaktionen 82% des platzierten Volumens auf sich vereinen.

Die Laufzeiten der KMU-Anleihen in den ersten sechs Monaten 2020 würden von zwei bis sechs Jahren reichen, wobei fünfjährige Laufzeiten weiterhin am häufigsten vertreten seien (zehn Anleihen, 71%). Insgesamt habe sich der Markt solide gezeigt und keinen Ausfall einer KMU-Anleihe verzeichnet.

Zu Jahresbeginn habe die IR.on AG neun im KMU-Segment aktive Emissionsbanken nach ihrer Prognose für das laufende Jahr 2020 befragt. Die Emissionshäuser hätten durchschnittlich für das Gesamtjahr 23 Emissionen erwartet. Damit seien sie mit ihrer Prognose optimistischer gewesen als zu Beginn des Jahres 2019 (21 erwartete Emissionen), jedoch zurückhaltend im Vergleich zum tatsächlichen 2019er Niveau (40 Emissionen). Zu diesem Zeitpunkt sei die gravierende Coronakrise noch nicht absehbar gewesen. Die Zahl der aktuell laufenden Emissionen sowie das Feedback von Marktteilnehmern würden allerdings darauf schließen lassen, dass die Gesamtzahl der Emissionen auch am Ende dieses Jahres höher als die Prognose liegen könnte.

Alle befragten Emissionsbanken hätten zu Beginn des Jahres stagnierende Kupons erwartet, tatsächlich seien diese im Vergleich zum ersten Halbjahr 2019 um 31 Basispunkte auf durchschnittlich 5,54% p.a. gestiegen. Richtig hätten die Emissionsbanken bislang bei ihrer Erwartung gelegen, dass die Immobilienbranche den Markt weiterhin dominiere.

Frederic Hilke: "Auch im ersten Halbjahr 2020 haben wir die IR-Webseiten der 13 Emittenten hinsichtlich grundlegender IR-Informationen untersucht und mit einem Transparenzindex ("IR.score") versehen. Erneut hat sich gezeigt, dass die Investorenkommunikation von börsennotierten Unternehmen und von Folgeemittenten in der Regel den Mindestanforderungen genügt. Erstemittenten weisen hingegen häufig Defizite bei den IR-Standards auf. Insgesamt hat sich der durchschnittliche IR.score jedoch gegenüber dem Vorjahreszeitraum verschlechtert. Dazu beigetragen hat auch, dass zwei Emittenten auf ihren Webseiten keine Informationen für Investoren zur Verfügung stellen." (27.07.2020/alc/a/a)


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