London (www.anleihencheck.de) - COVID-19 und die damit ausgelöste Wirtschaftskrise haben Investoren einen weiteren Grund für die Annahme gegeben, dass es auch zukünftig keine Inflation geben wird, so David Hooker, Senior Portfolio Manager bei Insight Investment, in Zusammenarbeit mit der Global Macro Research Group von Insight unter der Leitung von Gareth Colesmith, Head of Global Rates and Macro Research.
Die rasant ansteigenden Überkapazitäten und der Anstieg der Arbeitslosigkeit hätten zu Befürchtungen geführt, die Inflation könnte zu niedrig sein. Dies scheine tief in der Marktpsychologie verankert zu sein. Zugleich würden die Preisinformationen relevanter Staatsanleihen implizieren, dass das aktuelle Inflationsumfeld langfristig Bestand haben werde. Tatsächlich sei jedoch zu beobachten, dass sich einige Trends umkehren würden, die in den vergangenen Jahrzehnten zu einer rückläufigen Inflation beigetragen hätten.
Insight Investment, einer der größten Asset- und Risiko-Manager mit einem weltweit verwalteten Vermögen von 770 Milliarden Euro, sehe daher fünf zentrale Schlüsseltrends für eine steigende Inflation in der Zukunft.
1. Die Ära der Deglobalisierung dürfte bereits begonnen haben
Angesichts des rapiden Zusammenbruchs von globalen Lieferketten dürften die Unternehmen ihre eigenen Produktionsmodelle infrage stellen. Es habe sich gezeigt, dass globalisierte Just-in-time-Lieferketten, welche zu einer Kostenreduktion und erhöhten Effizienz beigetragen hätten, sehr anfällig gegenüber Schocks sein könnten. Das Coronavirus könnte sich als der letzte Sargnagel des Globalisierungsbooms erweisen. Die Welt sei auf China angewiesen, um wichtige Güter zu niedrigen Preisen zu produzieren. Wenn diese Beziehung ende, könnte Inflation eine Folge sein. Im Szenario einer Verkürzung von Lieferketten würden höhere Arbeitskosten in der inländischen Produktion in Verbindung mit der Notwendigkeit, höhere Lagerbestände zu halten, inflationär wirken.
2. Ein technologischer Kalter Krieg bahne sich an und könnte sich auf andere Schlüsselsektoren ausweiten
3. Soziale Distanzierung beeinträchtige die Profitabilität
Der Übergang zu Home Office und Online-Shopping werde mit hoher Wahrscheinlichkeit weiter in das normale Leben eingebettet bleiben. Faktoren wie die Begrenzung der Anzahl der Kunden, die sich zur gleichen Zeit in einem Geschäft aufhalten würden und größere Abstände zwischen den Tischen in Restaurants könnten die Rentabilität der Unternehmen beeinflussen und die Preise in die Höhe treiben. In einigen Branchen wie der Tourismusbranche könnten die Auswirkungen noch gravierender sein. Gesundheitschecks vor dem Flug, Gesundheitspässe und ein verstärkter Einsatz von Technologie zur Reduzierung menschlicher Kontakte würden ihren Preis haben. Die Weitergabe dieser Kosten durch höhere Ticketpreise werde für viele Unternehmen die einzige Möglichkeit sein, profitabel zu wirtschaften.
4. Arbeitsmigration zu niedrigen Kosten werde zunehmend schwieriger
In Wirtschaftszweigen wie der Landwirtschaft und dem Gastgewerbe dürfte es schwieriger werden, Gastarbeiter dazu zu bewegen, ihre Heimatländer kurzzeitig zu verlassen, wenn die Gefahr bestehe, dass sie durch Lockdowns festgehalten werden könnten. Zudem sei es denkbar, dass sich Regierungen dafür entscheiden würden, die Menschen von solchen Reisen abzuhalten. Für Länder wie das Vereinigte Königreich, Spanien und Italien, die alle stark auf Saisonarbeitskräfte für ihre landwirtschaftlichen Sektoren angewiesen seien, könnte die Rekrutierung von einheimischen Arbeitskräften teuer werden.
5. Margenerholung könnte über Preiserhöhungen stattfinden
Es liege auf der Hand, dass alle oben genannten Punkte Druck auf die Gewinnmargen ausüben dürften. Die Akzeptanz für Preisaufschläge für mehr Platz oder lokal produzierte Waren könnte durchaus auch in einer Welt nach dem Lockdown Bestand haben. Dies werde sich voraussichtlich mit jeder weiteren Virus-Welle tiefer im Verbraucherverhalten verankern. (17.07.2020/alc/a/a)
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