Brüssel (www.anleihencheck.de) - Für Peter De Coensel, CIO Fixed Income bei Degroof Petercam Asset Management (DPAM), steht die Erholung weiter Teile der globalen Finanzmärkte im April in direktem Zusammenhang mit der beispiellosen weltweiten geld- und fiskalpolitischen Reaktion.
Sie werde auch durch die Furcht der Marktteilnehmer genährt, etwas zu verpassen. Die Finanzgeschichte habe es jedoch mit frühen Rückkehrern an die Märkte nicht immer gut gemeint. Die meisten Bärenmärkte würden auf Rückschlägen aufbauen, die die Stimmung und die Hoffnungen heben würden. Jedoch würden meist härtere Korrekturen aufgrund enttäuschender Erholungsdaten folgen.
Dies werde nicht aber geschehen. Die Nachfrage- und Angebotsfunktionen seien ernsthaft gestört worden. Von einer effektiven Rückkehr zur Normalität könne man vielleicht erst dann sprechen, wenn die Fußballarenen wieder voll seien. Das bringt uns bestenfalls in das Jahr 2021, schlimmstenfalls vielleicht in das Jahr 2022, 2023, so Peter De Coensel, CIO Fixed Income bei DPAM. Man sollte daran denken, dass das US-BIP im Verlauf der Großen Finanzkrise 2008 bis 2009 um etwa 4% auf ein Tiefstniveau von 96% gefallen sei. Heute deute der Konsens darauf hin, dass das reale BIP der USA um 6% bis 8% gesunken sei und die Arbeitslosigkeit bei 15% liege. In den letzten sieben Wochen hätten 30 Millionen US-Arbeitnehmer, d.h. 20% der dortigen Arbeitskräfte, Arbeitslosenunterstützung beantragt. Es sei zu erwarten, dass die Haushaltsdefizite und die Verschuldungszahlen in Rekordhöhe um 20 bis 30 Prozentpunkte steigen würden.
Insgesamt lasse sich sagen, dass rekordverdächtige Kennzahlen und außergewöhnliche Rahmenbedingungen ein hohes Maß an Wachsamkeit und Vorsicht rechtfertigen würden. Beispiel: Das von US-Geldmarktfonds verwaltete Vermögen sei in den letzten sechs Wochen um mehr als eine Billion USD gestiegen!
Währenddessen erleben wir in den Schwellenländern einen grundlegenden Wandel in der Zentralbankpolitik im Vergleich zu früheren Abschwüngen, so Peter De Coensel, CIO Fixed Income bei DPAM. Die dortigen Zentralbanken würden die Leitzinsen aggressiv senken - trotz eines Umfelds abwertender Währungen (FX). Sie würden zu starken Zinssenkungen gezwungen, da der monetäre Transmissionsmechanismus (d.h. die Auswirkungen niedrigerer Zinsen auf das Wachstum) schwächer sei. Dieser Politikwechsel sei die Hauptursache für die von Mitte Februar bis heute beobachtete Abwertung der Währungen der Schwellenländer. Peter De Coensel, CIO Fixed Income bei DPAM, glaube, dass die Märkte diese neue Realität inzwischen eingepreist hätten. Insgesamt sei Schwellenländerwährungen gegenüber dem USD um 11,3% bereinigt worden. Bis Ende April hätten z.B. die Währungen Brasiliens 26,7%, Südafrikas 24,4% und Mexikos 21,7% gegenüber dem Greenback verloren. (07.05.2020/alc/a/a)
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